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Plädoyer für eine produktive Entscheidung Auf dem Weg in die Nachtrennungsfamilie

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Eigentlich sollte es für immer sein, aber nicht ist beständiger als die Veränderung.

(Foto: dpa)

Eine Trennung bezeichnen Psychologen als "kritisches Lebensereignis". Ein Katastrophe muss es dennoch nicht sein, weder für Eltern noch für Kinder. Dafür muss man jedoch bereit sein, sich von der Vorstellung des Gescheitertseins zu lösen und die Verantwortung für den nötigen Aufbruch zu übernehmen.

200.000 Ehen werden in jedem Jahr in Deutschland geschieden, unzählige andere Beziehungen gehen in die Brüche, oft sind Kinder vom Auseinandergehen ihrer Eltern betroffen. War früher der Scheidungskrieg beinahe die Norm, bemühen sich inzwischen viele Ex-Partner um eine Trennung in Respekt und Würde. Einfach ist das nicht immer.

Denn wenn eine Liebe zu Ende geht und eine Beziehung scheitert, haben sich jede Menge negativer Erfahrungen und Gefühle angesammelt, die man nun nicht so einfach hinter sich lassen kann. So mancher Trennungswillige quält sich auch mit der Frage, ob man Kindern eine Trennung zumuten dürfe. Auf diese Frage gibt die Autorin Jutta Martha Beiner eine klare Antwort. "Sich nur für die Kinder aufzuopfern und etwa an einer überlebten Beziehung festzuhalten, kann sehr destruktiv wirken, nicht zuletzt weil es den Kindern Verantwortung dafür aufbürdet", schreibt sie in ihrem Buch "Mut zur Trennung".

Unnötigen Schmerz vermeiden

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Das Buch ist bei Systemed erschienen und kostet 15,99 Euro.

Auf 150 Seiten skizziert sie, warum eine Scheidung nicht unbedingt ein Scheitern bedeuten muss und dass es vor allem für alle Beteiligten besser ist, sein Leben aufrichtig und mutig weiterzuleben. Denn Trennungen zählen zwar zu den "kritischen Lebensereignissen", die Menschen verunsichern oder traumatisieren können. Die Betonung liegt jedoch auf können, nicht zwangsläufig müssen. Und ob alle Beteiligten mit einiger Zeit Abstand auch mit einem Bruch im Lebenslauf wieder glücklich sind, hängt vor allem von den sich trennenden Erwachsenen ab.

Beiner hat als Kind die Scheidung ihrer Eltern erlebt und als Frau die Trennung von ihrem Mann. Ihr geht es um eine neue Perspektive, "die den Fokus von der eigenen Ohnmacht auf die eigenen Möglichkeiten richtet". Oft hilft es schon, Veränderung und Entwicklung als Lebensprinzipien anzuerkennen, die auch vor Partnerschaften nicht halt machen. Nun gilt es genauso, das was vorbei ist, in Frieden hinter sich zu lassen, wie das, was noch nicht vorbei ist, neu zu gestalten. Die Partnerschaft war einmal, wer auch immer welchen Fehler gemacht hat, hat ihn gemacht. Doch wer einmal Eltern ist, bleibt es. Und muss den Kindern gerade in der Trennungsphase Unterstützung geben.

Das gelingt leichter, als viele glauben, wenn man einige wenige Dinge beherzigt. Dazu gehört es, die Trennung anzunehmen und sich Gedanken über die Nachscheidungsfamilie zu machen. Wie können die Kinder Zugang zu beiden Elternteilen behalten, wie soll das finanziert werden, welche praktischen Probleme müssen gelöst werden? Besonders für die stressigen Phasen hilft es aber auch, sich einen Trennungsknigge zu überlegen, der unnötige Verletzungen verhindern kann. So ist es wohl kaum hilfreich, bei Begegnungen mit dem Ex-Partner Schuldfragen zu diskutieren, hingegen kann es Wunder wirken, wenn man den Kindern und dem Ex einfach viel Spaß zusammen wünscht. Kinder sollten besonders umsorgt werden, ohne sie mit den Trennungsdetails zu belasten oder sie gar für die eigene emotionale Befindlichkeit in die Verantwortung zu nehmen.

Wie will ich leben?

Genauso wichtig ist es jedoch, sich für die neue Lebensphase zu überlegen, wie man eigentlich leben will. Dazu gehören gesunde und gemeinsame Mahlzeiten ebenso wie schöne Erlebnisse im Alltag und genügend Schlaf, aber auch Zeit für sich selbst. Wer es dann noch schafft, seine Opferrolle aufzugeben und sich auf seine eigenen Stärken zu besinnen, ist schon fast über den Berg.

Beiner ist es gelungen, einen Ratgeber zu schreiben, der Klugheit und Liebe vereint und Menschen, die sich trennen, im besten Sinne ermutigt. Dazu gibt sie eine ganze Reihe handfester Tipps, die in der konkreten Krisensituation ein Gerüst bilden können. Sie lässt aber auch in einem zweiten Teil Psychologen zu Wort kommen, die deutlich machen, welche Spuren eine "schmutzige Trennung" hinterlassen kann. An einer schlechten Beziehung festzuhalten, schadet der Gesundheit, haben Wissenschaftler bewiesen. Und nicht zuletzt sprechen Menschen darüber, wie sie das Auseinandergehen erlebt haben. Auch dabei wird deutlich, dass sich viele Menschen die gleichen Fragen stellen: Empfinde ich noch die tiefe Zuneigung, die für eine Beziehung vonnöten ist? Habe ich genug investiert? Kann ich diese Sprachlosigkeit noch aushalten? Die Antwort lautet: Jenseits von Angst, Wut und Hilflosigkeit wartet oft ein besseres Leben.

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Quelle: n-tv.de

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