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Globaler WandelDie Erde aus dem All

25.10.2008, 08:00 Uhr

Wasserläufe, Seen und kleine Tümpel, die Mündung der Lena in ihrer scheinbar endlosen, feinen Verästelung, der weitgehend ausgetrocknete Aral-See. Aus dem All gesehen, sind die Folgen des globalen Wandels allzu deutlich.

Von der Erde aus ließe sich die Mündung des sibirischen Stromes Lena ins Nordpolarmeer niemals erfassen. Erst aus dem All werden die scheinbar endlosen, feinen Verästelungen des riesigen Deltas sichtbar. Die Aufnahme der Wasserläufe, Seen und kleiner Tümpel erscheint wie ein fein gewirktes Ornament aus Tausendundeiner Nacht. Und es gibt viele weitere schöne Seiten in dem Buch "Globaler Wandel Die Erde aus dem All", präsentiert vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Westlich von Florida etwa scheint der helle Bodengrund durchs seichte Wasser und zeichnet filigrane Formen in hundertfacher Abstufung von Blau. Die Korallenriffe um die saudiarabische Insel Jabal Sabaya wiederum bilden feine weiße Ornamente in der See. Wie gemalt erscheinen die sphärischen grünen Strudel des Planktons in der Ostsee, die allerdings von der Überdüngung herrühren und damit Zeichen eines drohenden Sauerstoffmangels in dem Areal sind.

Überhaupt werden Bücher wie dieser Bild- und Erklärband zwangsläufig zur Mahnung, zeugen sie doch von der Macht des Menschen, große Ökosysteme und den Planeten selbst umzugestalten. Wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, man würde es nicht glauben: Der riesige Aralsee ist binnen 34 Jahren fast vollständig verschwunden. Sein Wasser wurde für riesige Baumwollfelder abgezogen. Die Vorher-Nachher-Gegenüberstellung der Satellitenbilder ist zwar nicht ganz neu, aber dramatisch und etwas unheimlich zugleich.

Fast die Fläche Großbritanniens

Im Amazonasbecken fressen sich die Motorsägen immer tiefer in den Wald. Das Bild aus der Höhe dokumentiert den systematischen Kahlschlag entlang immer breiter werdender Schneisen. Vom Zentrum des Fotos aus erstrecken sich die entwaldeten Regionen in alle Richtungen. Die Autoren haben den Umriss des schon zerstörten Gebietes zur Verdeutlichung auf der gegenüberliegenden Seite auf die Fläche Großbritanniens übertragen ein riesiger Teil der Insel wäre von der kahlen Fläche bedeckt. Mit diesem Kunstgriff wird das Maß der Zerstörung intuitiv verständlich.

Die technischen Fähigkeiten der Fernaufklärung aus dem All sind auch in anderer Hinsicht beeindruckend. Las Vegas und die Gegend ringsum erstehen durch die Kombination von Flächen- und Höhendaten mit den Bildern als dreidimensionale Schrägansicht. Die hochauflösenden Kameras rasen in einer Höhe von rund 450 Kilometern über die Erde, sind dabei 25 000 Kilometer schnell und erkennen am Boden Objekte von einem Meter Durchmesser. Auf irdische Dimensionen umgerechnet müsste ein strammen Schrittes laufender Mensch eine Buchseite noch aus 130 Metern lesen, um vergleichbares zu schaffen. Im Anhang wird auf gut 30 Seiten jedes einzelne Bild ausführlich erklärt.

Autor Stefan Dech ist Professor für Fernerkundung an der Universität Würzburg und zugleich der Direktor des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums (DFD) des DLR. Die Fotos entstanden unter seiner Leitung. Rüdiger Glaser ist Professor für Geografie an der Universität Freiburg, zudem leitet er das Institut für Physische Geografie. Als Experte für Klimageschichte steuerte er die wissenschaftlichen Texte bei. Robert Meisner leitete die Marketingabteilung des DFD und ist außerdem Experte für die Darstellung von Satellitendaten. Hinzu kommen persönliche Beiträge des Extrembergsteigers Reinhold Messner, von DLR-Vorstandsmitglied Thomas Reiter sowie des Philosophen Peter Sloterdijk.

Stefan Dech, Rüdiger Glaser, Robert Meisner: "Globaler Wandel: Die Erde aus dem All", Frederking & Thaler, September 2008, 260 Seiten, 50 Euro

Quelle: Thilo Resenhoeft, dpa