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Kein Gequatsche Die Sprachrevolution

Wer einmal erlebt hat, wie selig Eltern auf die ersten Worte des Nachwuchses reagieren, bekommt eine Ahnung, wie wichtig Sprache für die menschliche Existenz ist. Sprache ist mehr als nur eine Lautäußerung, sie unterscheidet den Menschen ob ihrer Komplexität von den anderen "Tieren", sie ermöglicht Planung und Philosophie.

Ist uns die Sprache im Lauf der Evolution zugewachsen oder haben wir sie als kulturelles Verdienst erworben? Darüber streiten die Wissenschaftler und daraus hat die Sprachwissenschaftlerin Ruth Berger ein ebenso spannendes wie unterhaltsames Buch gemacht. In "Warum der Mensch spricht" versucht sie den Ursprung der menschlichen Sprache zu erkunden. Dafür fasst sie Forschungsentwicklungen der Paläoanthropologie, Biologie, Archäologie, Neurologie und Sprachwissenschaften zusammen und stellt diese durch die jeweils neuesten Erkenntnisse und Untersuchungen in Frage.

Da geht es um die physiologischen Voraussetzungen für das Formen lautlicher Äußerungen, um die Notwendigkeit zur Entwicklung einer komplexen Grammatik und um Interjektionen (Ausrufe wie "Au!" oder "Boah!") als wahrscheinlich erste Worte der Menschen. Am Ende kommt Berger zu dem absolut schlüssig argumentierten Schluss, dass wir unsere Sprache einer Verkettung günstiger Umstände verdanken und wahrscheinlich nur zufällig die Ersten waren, die den entscheidenden Schritt weiter gingen.

Die Verbindung aus der Entwicklung besonders großer Gehirne mit feinerer Motorik der Hände und enthaarten Gesichtern, die wiederum eine bessere Mimik ermöglichten, brachte entscheidende Impulse. Gepaart mit wachsender Langlebigkeit und der Herausbildung eines Sozialverhaltens mussten wir am Ende die Sprachfähigkeit gewinnen.

Nun ist Linguistik nicht gerade ein leicht zugängliches Feld der Wissenschaft, Berger gelingt es dennoch, eine bisher in den Elfenbeintürmen geführte Debatte dem sprachlich interessierten Leser mehr als schmackhaft zu machen und einen nebenher noch an den Scharmützeln der konkurrierenden Experten teilhaben zu lassen. Nie wieder werde ich ihre Argumentation vergessen, warum Pantoffeltierchen keine Sprache brauchen. Wunderbar zu lesen sind auch Bergers Exkursionen in die Sprachen anderer Völker. Dieses Buch ist spannende Wissenschaft lebendig und klug beschrieben.

P.S. Mein Sohn hat dieser Tage gesagt: "Ich lausche das Meer", das ist wahrscheinlich grammatikalisch fragwürdig, aber wirklich schöne Sprache, oder?

Ruth Berger: "Warum der Mensch spricht: Eine Naturgeschichte der Sprache"; Eichborn-Verlag 2008, 304 Seiten, 19,95 Euro

Quelle: n-tv.de

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