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"Heia Walpurgisnacht!" "Die kleine Hexe" wird 50

Wie bloß? Wie wird man eine gute Hexe? Diese Frage treibt Otfried Preußlers "Kleine Hexe" seit nunmehr 50 Jahren um -und mit ihr unzählige Kinder, die den Klassiker aus dem Thienemann Verlag lieben. Denn dass die großen Hexen "gut hexen" nicht mit "Gutes hexen" gleich setzen und die kleine Hexe mit ihren "nur" 127 Jahren beim Tanz auf dem Blocksberg nicht dabei haben wollen, das geht entschieden gegen den kindlichen Gerechtigkeitssinn. In mehr als 40 Sprachen wurde der Dauerbestseller bislang in einer Gesamtauflage von über 4,3 Millionen Exemplaren herausgebracht. Am 30. April, pünktlich zur Walpurgisnacht, feiert die "Kleine Hexe" 50. Geburtstag.

Trotz der teils schon altertümlich wirkenden Sprache, begeistert sich noch heute der Nachwuchs für die schrullige Gestalt in viel zu großen Pantoffeln, von deren Schulter niemals der besserwisserische Rabe Abraxas weicht. Aber auch er kann die Probleme nicht verhindern, in die die kleine Hexe durch ihren liebenswerten Eigensinn gerät: Sie will nur Gutes hexen -sei es bei den Holzweibern im Wald, die sich vor dem gemeinen Revierförster fürchten, sei es beim armen Marktmädchen mit den Papierblumen, die auf einmal so wunderbar duften, dass sie sich bestens verkaufen.

Ebenso eingeprägt wie manche Zauber-Geschichte über Zivilcourage haben sich die liebevollen Schwarz-Weiß-Illustrationen von Winnie Gebhardt-Gayler, die schon bei Erscheinen des Buches 1957 hymnisch gelobt wurden. Für viele Hexen-Fans gehören sie ebenso dazu wie das uralte, gleichnamige Hörspiel mit der typischen Erkennungsmelodie: "Heia Walpurgisnacht, heia heia ho".

Gefragt, wie er auf die Idee zu dem Buch gekommen sei, antwortete Otfried Preußler einmal, dass seine drei kleinen Töchter eines Abends vor dem Zubettgehen furchtbare Angst vor bösen Hexen hatten. "Ich versuchte, ihnen klarzumachen, dass man sich heutzutage nicht mehr vor Hexen zu fürchten brauche, weil es keine mehr gebe." "Und warum nicht?", hätten sie gefragt. "Ja, warum eigentlich nicht?" Kurz darauf war die Geschichte geboren, an deren Ende die Macht der bösen Hexen gebrochen wird -so dass sich niemand mehr vor ihnen zu fürchten braucht.

Preußler, der sich auch mit dem "Kleinen Wassermann", dem "Kleinen Gespenst", dem "Räuber Hotzenplotz" und "Krabat" in die Herzen der jungen Leserschaft schrieb, landete mit seiner einzigen weiblichen Heldin 1958 prompt auf der Auswahlliste des Jugendliteraturpreises. Die "Süddeutsche Zeitung" lobte damals seine "Poesie, die sich durch ihre Phrasenlosigkeit, ihren Humor und ihren Reichtum an Einfällen" auszeichne.

Das komplette Eintauchen in eine kindliche Fantasiewelt fasziniert bis heute die Kleinen wie die Großen. So gratulieren der "Kleinen Hexe" zu ihrem Geburtstag am 30. April einige prominente Frauen. "Auch nach 50 Jahren hat diese Geschichte rein gar nichts von ihrem Charme eingebüßt", sagt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Ihre Kollegin aus dem Gesundheitsressort, Ulla Schmidt (SPD), wünscht sich für die Menschen "einen Zauber, dass sich die dritte Tafel Vollmilchschokolade automatisch in ein Obstmüsli verwandelt", während Schriftstellerin Gaby Hauptmann hofft: "Sie soll mal wieder Pfannkuchen regnen lassen."

Von Andrea Barthlmy, dpa

Otfried Preußler: Die kleine Hexe, Thienemann Verlag, Stuttgart, 128 S., Euro 9,90

Quelle: ntv.de