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Doping mit Worten Paul Fournel: "Die Liebe zum Fahrrad"

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Die Liebe zum Radfahren

(Foto: picture alliance / dpa)

Vorbeifliegende Landschaften, schweißgetränkte Passstraßen, todesverachtende Abfahrten, halsbrecherische Stürze - all das ist Radfahren und sorgt für einen Endorphinrausch. Paul Fournel genießt ihn seit Jahren immer wieder aufs Neue. Seiner Passion hat er mit rund 50 Erzählungen ein Denkmal gesetzt.

Wer einmal mit eigener Muskelkraft einen Alpenpass erobert und bezwungen hat. Wer einmal mit der Nase im Wind durch den Thüringer Wald gebraust ist. Wer einmal über den Lenker geduckt seinen eigenen Schatten auf dem Asphalt gejagt hat - der kennt das befreiende Gefühl, das einem das Radfahren bescheren kann. Allein mit sich und der Welt gegen die Probleme des Alltags anfahren. Nichts als die Sonne über und die Straße unter einem. Die Hände fest am Lenker, sind die Gedanken frei.

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Paul Fournel "Aus Liebe zum Fahrrad" ist bei Covadonga erstmals in deutscher Übersetzung erschienen.

(Foto: Covadonga)

Das erste Fahrrad vergisst man nicht. Das Erlernen des Rauschs der Geschwindigkeit, wenn die Stützräder plötzlich nicht mehr den Drang nach vorn bremsen. Das erste Mal mit den Freunden ein eigenes Peloton bildend. Nichts kann einen stoppen. Das sind unvergessliche Kindheitserinnerungen und Erfahrungen, die einem keiner mehr nehmen kann. Erlebnisse, die sich im weiteren Verlauf des Lebens stetig vermehren: hier der Kampf gegen die Technik, wenn die Kette nicht auf dem Ritzel bleiben will oder die Luft nicht im Schlauch. Dort der Kampf mit sich selbst, wenn die Kraft aus dem Körper weicht, die Oberschenkel schmerzen und der Mann mit dem Hammer schon an der nächsten kleinen Steigung unerbittlich wartet. Der nie enden wollende und immer wiederkehrende Kampf gegen die schieren Naturgewalten aus Wind und Regen, Hagel und Sturm, Schnee und Kälte, Hitze und Sonne.

Man lernt eine Menge über die Welt und sich selbst, wenn man Rad fährt. Das Fahrradfahren hilft einem dabei, sich im Leben zurechtzufinden. Sich weiterzuentwickeln. Voranzukommen. Für den Franzosen Paul Fournel ist das Radfahren mehr als das. Für ihn ist Radfahren schlicht und einfach Liebe. Der Journalist frönt diesem Hobby seit Jahrzehnten, seit er als Kind in die Pedalen seines ersten Fahrrades getreten ist. Es ist eine glückliche Kindheit, immer fest im Sattel sitzend.

Liebe ist …

Als Journalist und Schriftsteller hat Fournel seiner Passion - "die Liebe zum Fahrrad" - ein Buch gewidmet und ihr somit ein unvergessliches Denkmal gesetzt. Founels Band (jetzt erstmals in deutscher Sprache beim Verlag Covadonga erschienen) ist voller Erzählungen über das Radfahren. Jede Einzelne von ihnen ist dabei eine kleine Liebeserklärung. Egal, wie lang die Essays und Geschichten sind, der Leser merkt sofort, dass Fournel nicht nur etwas vom Schreiben versteht - wie zahlreiche Preise (Prix Sport-Scriptum oder Prix Louis-Nucera) beweisen -, sondern auch ein Experte und glühender Fan des Radfahrens ist.

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Paul Fournel wollte bereits als Fünfjähriger Schriftsteller werden.

Die kleinen Randnotizen und packenden Details aus seinem ereignisreichen Radlerleben, aus seiner Zeit als Hobby-Rennradfahrer zeugen von seiner Passion: der Kampf gegen die breite Masse der Mitschüler, die Sport hassen, weil das dem damaligen Zeitgeist entspricht. Der Kampf gegen den heutigen Zeitgeist, der Radsport unweigerlich mit Doping verbindet. Der Kampf gegen den Hund, der plötzlich auf der Straße auftaucht und seinen blinden Angriff auf das Fahrrad mit dem Leben bezahlt.

Fournels Buch spricht wie das Radfahren selbst alle Sinne an: Er schreibt davon, dass "die Maschine so gut wie stumm" ist, dass man nur das Geräusch des Windes auf dem Rad hört: "Ein echtes Fahrrad quietscht nicht. Knarrt nicht, wimmert nicht - es surrt." Der Wind selbst lässt sich dabei in zwei Typen einteilen: den objektiven und den relativen Wind: "Den ersten erzeugt die Mechanik der Welt, der zweite ist das Werk des Rennradlers selbst. Sein Meisterwerk, könnte man sagen, denn je schneller er fährt, desto mehr Wind erzeugt er." Fournel schreibt auch von den Gerüchen der verschiedenen Landschaften, die er in seinem Leben via Velo durchfahren hat.

Mit wenigen Worten Geschichten erzählen

Seine Prosa ist dabei knapp und sehr pointiert. Er schafft es aber, bereits mit nur wenigen Worten und Sätzen komplette Bilder zu entwerfen, dichte Sinnes- und Erlebnisberichte zu vermitteln, die spannungsgeladen seiner Liebe zum Velo Ausdruck verleihen. Seine Schilderungen ziehen unweigerlich in den Bann und lassen den eigenen Gedanken freien Lauf.

Sie sind wie Doping, setzen eigene Erinnerungen frei, die längst verschüttet schienen. Man erinnert sich als Leser zurück: die erste Begegnung mit einer sich plötzlich öffnenden Autotür, der erste Sturz, der erste Berg, Geschwindigkeitsrekorde, Rauschzustände ob des Vollbrachten und Geleisteten. Erinnerungen positiver wie negativer Natur.

Fournels Buch ist eine literarische Liebeserklärung an das Radfahren. Es erklärt seine Liebe zum Radfahren. Eine Liebe, die Millionen Menschen weltweit teilen. Für die ist dieses Buch Velo-Kult!

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Quelle: ntv.de