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"Kein Sex in meiner Kabine!" "Abgerissen": Silvester auf Russisch

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Todesangst statt Partystimmung: "Abgerissen" hat seine Höhen und Tiefen.

(Foto: Capelight)

Der Berg nimmt sich, was ihm gehört. Diese Bergsteiger-Weisheit erfährt eine Gruppe russischer Feierwütiger am eigenen Leib. Sie wollen Silvester hoch hinaus, per Gondel auf einen Berg. Dann fällt der Strom aus und das neue Jahr beginnt statt mit Sex mit dem Kampf ums nackte Überleben.

Wenn Russen feiern, Party machen, geht es heiß her: Der Wodka fließt in Strömen, es wird laut und am nächsten Morgen ist ein Kater die einzige Erinnerung, derer man noch habhaft wird. War Sex im Spiel? Eine gute Frage. Alles nur Klischees? Kann gut sein, aber genau solch eine ausufernde Party wollen Kirill (Andrej Nazimow), seine Freundin Katja (Irina Antonenko), das Pärchen Denis und Vika sowie ihrer aller Kumpel Roma in dieser Silvesternacht feiern.

Kirill hat alles Nötige arrangiert. Er hat zudem den Plan, Katja einen Heiratsantrag zu machen, die Ringe sind in seinem Rucksack. Der Antrag soll aber nicht irgendwo über die Bühne gehen, sondern auf einem Berg, in einer Gondel, hoch über dem ganzen Jubel im Tal. Silvester in einer Bahngondel? Klingt geil und nach einer unvergesslichen Nacht. Also macht sich die Gruppe Freunde auf zur Bergstation.

Es knistert

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Ein paar Selfies sind unterwegs schnell gemacht. Sie verzögern dennoch den Aufstieg zur Station. Dort will der Wärter gerade alles dichtmachen und abschließen, als Kirill und Co. eintreffen. Es wechseln ein paar Geldscheine den Besitzer und mit dem ernst gemeinten Hinweis: "Kein Sex in meiner Kabine!" übergibt der Wärter die Schlüssel. Die Partyfahrt kann also steigen!

Sie findet aber ohne Kirill statt. Der sucht verzweifelt seinen Rucksack, weiß nicht mehr, wo er ihn liegen gelassen hat: Als sie die Fotos gemacht haben? In der Gondelstation? Hat der Wärter ihn geklaut? Kirill muss ihn finden, es geht für ihn schließlich um etwas Größeres als nur eine schnöde Silvesterparty - es geht um seine gemeinsame Zukunft mit Katja. Er werde nachkommen, sagt er, irgendwie.

Und so setzt sich die alte Gondel langsam und quietschend in Bewegung, mit Denis und Vika, Katja und Roman. Katja ist es auf einmal ganz recht, dass Kirill nicht mit an Bord der Kabine ist. Sie ahnte, dass er etwas Großes geplant hat. Aber sie wollte eigentlich die Beziehung beenden. Diese Sache beschäftigte sie schon den ganzen bisherigen Trip und verhagelte auch ihre Feierstimmung nicht unwesentlich.

Und zack ...

Dann fällt urplötzlich der Strom aus. Die Gondel kommt zum Stehen, die Kabine schaukelt noch ein wenig nach. Dann Ruhe, nur der eisige Wind pfeift draußen. Die Gruppe schaut sich an. Erst ungläubig, dann abwartend. Der Wärter wird den Stromausfall schon bemerkt haben. Aber der Wärter ist längst weg. Ein Hilferuf via Smartphone. Aber kein Empfang! Zu allem Überfluss findet sich Kirills Rucksack in der Kabine und seine "Überraschung" für Katja.

Roma, der mittlerweile schon gut einen im Tee hat, beginnt rumzumotzen und gleichzeitig Katja anzubaggern. Die Stimmung ist schlagartig im Keller. Sie sinkt noch weiter, als die Gruppe merkt, dass in der Nacht keine Hilfe mehr kommen wird. Am nächsten Tag das gleiche Bild: Keiner scheint bemerkt zu haben, dass die Gondel irgendwo auf halber Strecke stehen geblieben ist. So langsam frisst sich die Angst zu sterben in die Glieder der Kabineninsassen. Draufgänger und Großschnauze Roma wird ganz klein, als es darum geht, sich von der Gondel abzuseilen und Hilfe zu holen. Denis versucht es, gegen den Willen seiner Freundin.

Denis stürzt ab. Tot. Gekreische in der Kabine. Gegenseitige Schuldzuweisungen. Vika rastet aus. Blut fließt. Das neue Jahr beginnt nicht feuchtfröhlich und mit dem Kater danach. Für Katja, Vika und Roma startet es mit Todesangst und bösartigen Verwünschungen jedweder Art. Aber was macht eigentlich Kirill?

"Frozen" statt "Abgerissen"?

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"Abgerissen" ist bei Capelight erschienen.

(Foto: Capelight)

Diese Frage stellen sich nicht nur Katja und Co. in der Kabine. Diese Frage stellen sich vor dem Finale von "Abgerissen" des Regisseurs Tigran Sahakjan auch die Zuschauer. Die Auflösung folgt im Film später, wird aber hier nicht verraten. Sie ist aber etwas verstörend. Als Zuschauer hätte man vielleicht etwas anderes erwartet.

Überhaupt: Der Plot zu "Abgerissen" erinnert an "Frozen" von Kultregisseur Adam Green ("Hatchet"-Reihe). In dem 2010er Horrorfilm wollen drei junge Amerikaner noch einmal die Skipiste runter, als der Lift plötzlich irgendwo auf der Strecke stehen bleibt. In eisiger Kälte wissen sie schnell, dass sie ohne Hilfe sterben werden. Auch in "Frozen" dezimiert sich die Zahl der Protagonisten.

Aber "Frozen" bot bessere Unterhaltung als "Abgerissen". Es gab in Sonnenlicht getauchte Bergpanoramen, Wölfe, Erfrierungen. Bei "Abgerissen" gibt es mit Roma einen Charakter, den man als Zuschauer schnell über hat. Zudem findet sich im Boden der Gondel immer wieder irgendetwas überraschend Brauchbares. Punkten kann "Abgerissen" erst gegen Ende, wenn sich die Situation in der Kabine zuspitzt und die eigentlichen Charakterzüge der ums nackte Überleben Kämpfenden zum Vorschein kommen. Unansehnlich wird es da. So unansehnlich wie die Location nach einer russischen Party, die vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist. Prost Neujahr!

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Quelle: ntv.de