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Der Draft Day ist in der NFL neben dem Superbowl-Tag der wichtigste der Saison.
Der Draft Day ist in der NFL neben dem Superbowl-Tag der wichtigste der Saison.(Foto: Concorde)
Freitag, 19. Dezember 2014

American Football, why not?!: Am "Draft Day" geht es um alles

Von Thomas Badtke

Milliarden Menschen schauen weltweit jedes Jahr den Superbowl. Zeit, dass Hollywood mal wieder einen Film über American Football liefert. Gespickt mit Stars, gelingt "Ghostbusters"-Legende Ivan Reitman dabei die perfekte Show und ein Werbespot in Spielfilmlänge gleichermaßen.

32 Teams, 7 Runden, 224 junge Männer, die auf einen Profivertrag in der National Football League (NFL) hoffen. Neue Helden werden geboren, es wird über Schicksale entschieden. Das ist der Draft Day. Der Draft was? Ja, hier in Europa kennt man so etwas nur aus Hollywoodfilmen. Hier regiert in den führenden Mannschaftssportarten das Auf- und Abstiegsprinzip. Und das hat sich bewährt, die Zuschauer und Fans lieben es, weil es so viel Gesprächsstoff bietet. Nicht so in den USA.

"Draft Day" ist als DVD und Blu-ray bei Concorde erschienen.
"Draft Day" ist als DVD und Blu-ray bei Concorde erschienen.(Foto: Concorde)

Ob Baseball, Eishockey oder American Football: Hier gibt es keine Auf- oder Abstiege. Höchstens Umzüge ganzer Teams. Die US-Amerikaner lieben das Spektakel, die Show - und der Draft Day ist ein fester Bestandteil dieses Systems. Da wird es höchste Zeit, dass dieses Phänomen einmal filmisch beleuchtet wird. Kein Geringerer als "Ghostbusters"-Ikone Ivan Reitman hat sich des Themas angenommen.

Aber er ist nicht allein: In seinem Film "Draft Day - Tag der Entscheidung" steht ihm ein sehenswerter Cast zur Verfügung, mit klangvollen Namen. Allen voran Kevin Costner. Costner, dessen beste Zeiten in Hollywood vorbei scheinen, mimt den General Manager der Cleveland Browns, Sonny Weaver jr.

Star oder Team?

Für Sonny (Kevin Costner) geht es am Draft Day auch um seine berufliche Zukunft.
Für Sonny (Kevin Costner) geht es am Draft Day auch um seine berufliche Zukunft.(Foto: Concorde)

Sonnys alter Herr ist vor einer Woche gestorben, er ist als jahrelanger Coach eine Browns-Legende, sein Geist scheint noch immer über den Browns zu schweben. Das macht Sonnys Job nicht leichter. Ebenso nicht die Tatsache, dass mit Coach Penn (Denis Leary) ihm ein Trainer im Nacken sitzt, der den berühmten Superbowl-Ring bereits trägt. Und Penn will beweisen, dass er es erneut schaffen kann, dass er die Browns zum Titel führen kann. Dafür braucht er aber ein schlagkräftiges Team.

Hier kommt der Clubbesitzer Harvey Molina (Frank Langella) ins Spiel. Der hat sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Er will Cleveland den Toppick, die Nummer eins beim Draft, sichern - koste es, was es wolle. Das macht er Sonny auch unmissverständlich klar. Der Toppick des Drafts heißt Bo Callahan, der kommende Star am Quarterback-Himmel. Die Seattle Seahawks bekommen ihn, aber sind bereit ihn ziehen zu lassen - wenn der Einsatz stimmt. Und der ist hoch.

American Football ist für viele Europäer ein Buch mit sieben Siegeln, aber es gibt immer guten Filmstoff.
American Football ist für viele Europäer ein Buch mit sieben Siegeln, aber es gibt immer guten Filmstoff.(Foto: Concorde)

Sonny soll die Erstrundenpicks der kommenden drei Jahre abgeben. Er fühlt sich nicht gut dabei, sondern über den Tisch gezogen. Andererseits ist Callahan genau das, wonach es der Sportstadt Cleveland und den Fans der Browns sowie Trainer Penn und Clubboss Molina dürstet: ein Star für das Team. Sonny lässt sich breitschlagen.

Aber er forscht auch nach, noch ist Zeit. Der Draft beginnt erst in einigen Stunden und das Analyseteam der Browns kann sich sehen lassen, allen voran seine Assistentin und Geliebte Ali (Jennifer Garner). Und so heißt es schon bald: Wie kann ich Callahan loswerden, ohne mein Gesicht zu verlieren und zudem noch wirkliche Verstärkungen fürs Team gewinnen? Die Uhr tickt …

Any given sunday …

Tja, man muss sich als Zuschauer auf diesen Film einlassen. Das Spiel American Football kommt nur am Rand vor. Das unterscheidet "Draft Day" auch von "An jedem verdammten Sonntag (Any given Sunday)". Der Rest ist aber Hollywood pur: Es gibt erstklassige Schauspieler, selbst kleinste Nebenrollen sind topbesetzt. Der Score reißt mit. Die Bilder sind farbenfroh, schillernd, verführen.

Dass "Draft Day" am Ende eigentlich kein klassischer Sportfilm ist, sondern vielmehr ein Wirtschaftskrimi oder auch ein Film darüber, wer die größten Eier hat und auch bereit ist, sie allen zu zeigen, macht Reitmans Streifen besonders. Auch Witz und Selbstironie kommen dabei nicht zu kurz. Auch das sieht der europäische Sportfan bei einem amerikanischen Machwerk ganz gern, es ist schließlich nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme davon.

Am Ende liefert "Draft Day" genau das, was er verspricht: einen Tag der Entscheidungen, voller spannungsgeladener Handlungstwists und teilweise überraschend sympathischer Wendungen. Eine glitzernde Show, hervorragend inszeniert, einfach perfekte Unterhaltung: US-Sport made in Hollywood eben. Muss man halt mögen.

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Quelle: n-tv.de