DVD

Wenn aus Menschen Monster werden "Among the living" ist hart an der Grenze

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Manchmal sollte man seine Neugier lieber unbefriedigt lassen.

(Foto: Tiberius)

Drei Jungen sind auf der Suche nach Spaß. Was sie finden, ist eine gefesselte, hilflose Frau, eingesperrt im Kofferraum eines abgeschleppten Autos. Ein Befreiungsversuch misslingt - etwas ist ihnen auf den Fersen und will die drei tot sehen. Koste es, was es wolle.

Gewalt, Blut und Ekel: Wenn man den Beginn eines Films so umfassend genug umschreiben kann, weiß man als Zuschauer, dass man vor einer filmischen Grenzerfahrung stehen könnte. Die harte Welle wie in ihrem ersten bahnbrechenden Streifen "Inside" reiten die beiden französischen Filmemacher Alexandre Bustillo und Julien Maury dann aber doch nicht. Verstörend ist "Among the living" dennoch allemal.

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Es gibt "Menschen", denen möchte man nicht über den Weg laufen. Niemals.

(Foto: Tiberius)

Zurück zur ersten Szene: Eine hochschwangere Frau (Beatrice Dalle; "Inside", "Livid") prügelt ohne Vorwarnung plötzlich mit einem Baseballschläger auf ihren Mann (Francies Renaud; "Mutants") ein, der sich gerade im Fernsehen eine Sendung über Spätfolgen von Giftgaseinsätzen anschaut. Danach geht die Furie messerschwingend auf ihren Sohn los, ehe sie offenbar versucht, an sich selbst einen Kaiserschnitt durchzuführen, um das, was da in ihr heranwächst, loszuwerden. Am Ende schneidet sie sich selbst die Kehle auf. Der Mann schnappt sich daraufhin seinen Sohn und verschwindet - sie brauchen einen neuen Unterschlupf, denn "Die" dürfen ihn und vor allem seinen Sohn Klarence (Fabien Jegoudez) nicht in die Hände bekommen, hört man.

Harter Schnitt

Plötzlich stehen drei Schulkinder im Fokus des Films. Am letzten Schultag vor den großen Ferien sollen sie nachsitzen, worauf Victor (Theo Fernandez), Dan (Damien Ferdel) und Tom (Zacharie Chasseriaud) absolut keinen Bock haben. Sie hauen ab und verschwinden in die nahe Natur. Rauchend schmieden sie Pläne für den Tag. Als Erstes wollen sie die Scheune eines verhassten Bauern anzünden. Das geht schief, der Bauer erwischt sie und nur mit durchschlagendem Gewalteinsatz können sie fliehen.

Danach geht es in die Blackwood Filmstudios oder besser in das, was davon noch übrig ist. Die Studios wurden nach einem tragischen Unglück, in das Kinder involviert waren, von heute auf morgen geschlossen. Leer sind die heruntergekommenen und zerfallenen Gebäude deshalb aber noch lange nicht, wie das Trio infernale bald selbst herausfindet auf seiner Abenteuertour.

Kindliche Neugier tötet

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"Among the living" ist bei Tiberius auf VD und Blu-ray erschienen.

(Foto: Tiberius)

An einem Abschleppwagen hängt ein Auto, ziemlich neu noch, wie die drei Freunde finden. Im Kofferraum liegt eine geknebelte und schreiende Frau. Erst völlig baff, entschließen sie sich schnell, ihr zu helfen. Doch dabei funkt ihnen der Entführer dazwischen. Maskiert macht er Jagd auf die Kinder, die nur mit Mühe fliehen können. Die Polizei glaubt ihnen nicht – wen wundert's - und so kann der Maskenmann sie weiter verfolgen. Denn Zeugen seines mörderischen Tuns darf es nicht geben, wie der Vater seinem Sohn deutlich macht. Und Klarence, eigentlich erst sechs Jahre alt, legt los. Was folgt sind: Gewalt, Blut und Ekel - und ein wenig Splatter.

Das ist auch der größte Unterschied zu "Inside" - und dürfte einigen Bustillo/Maury-Fans sauer aufstoßen. Abgesehen von den plötzlichen Gewaltausbrüchen zu Beginn und am Ende des Films fällt dieser nämlich eher ruhig aus. Die drei Kids stehen im Mittelpunkt, der Maskenmann, der auch ohne mordet, verkommt zur Randnotiz. Das sorgt zum einen dafür, dass "Among the living" mit einer FSK-18-Einstufung davon kommt - oder anders ausgedrückt, nicht auf dem Index landet. Dass Bustillo und Maury polarisieren können, haben sie ja auch schon längst mit ihrem Erstlingswerk bewiesen. Andere nahmen sich ein Beispiel, "High Tension" und vor allem "Martyrs" werden immer wieder genannt.

Doch, macht Lust auf mehr

"Among the living" dürfte einigen dennoch zu abgedreht und brutal sein. Aber der Film bietet auch Stoff zum Nachdenken, ja: Gesellschaftskritik. Der rote Faden, der sich durch den Film zieht, heißt Familie. Da wäre beispielsweise die Liebe des Vaters zu seinem Sohn, egal, was dieser tut. Es gilt, Klarence zu schützen.

Zum anderen gibt es dann aber auch die schwierigen Eltern-Sohn-Beziehungen der drei Kids. Ein saufender und prügelnder Vater hier, eine völlige Distanziertheit da und last but not least eine für die heutige Zeit typische Patchwork-Familie. In "Among the living" findet sich alles wieder. Alles bis auf ein Happy End. Und das ist gut so, weil es Platz für mehr lässt. Einen zweiten Teil vielleicht, ja eine ganze Reihe mit dem nackten Maskenkiller. Wer weiß.

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Quelle: n-tv.de

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