Unterhaltung
Gestatten: Jane Doe.
Gestatten: Jane Doe.
Dienstag, 05. Dezember 2017

Das dunkle Geheimnis einer Toten: "Autopsy of Jane Doe" wird dich erschüttern

Von Thomas Badtke

"Jede Leiche hat ein Geheimnis, nur manche verbergen ihres besser als andere." Als Leichenbeschauer Tommy eine Jane Doe auf seinen Tisch bekommt, fällt ihm dieser Satz wieder ein. Aber Jane Does Geheimnis wäre besser nicht gelüftet worden.

John Doe ist der US-amerikanische Max Mustermann. Ein Platzhaltername für einen Mann, der noch nicht identifiziert wurde. Das weibliche Gegenstück ist Jane Doe. Und genau um sie geht es in dem Horrorthriller "The Autopsy of Jane Doe". Besser hätte der Titel des Films von Regisseur Andre Ovredal ("Trollhunter") nicht gewählt werden können.

"The Autopsy of Jane Doe" ist bei Universum erschienen.
"The Autopsy of Jane Doe" ist bei Universum erschienen.

"Sheriff, das müssen Sie sich ansehen ..." Und Sheriff Burke (Michael McElhatton; "Game of Thrones") sieht "es" sich an: "Es" ist eine Frau, unbekannt, keiner weiß, wer sie ist oder wie sie im Zusammenhang mit dem toten Pärchen steht, das Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist. In ihrem Haus. Es wurde nichts gestohlen. Keine Einbruchsspuren, nicht einmal ein Kratzer am Schloss. "Es sieht eher so aus, als wollten sie ausbrechen ..."

Die unbekannte Tote

Jane Doe, wie die weibliche Leiche nun genannt wird, kommt in die Gerichtsmedizin. Dort hat Leichenbeschauer Tommy (Brian Cox; "Braveheart", "Bourne"-Reihe) das Sagen. Er geht in seinem Beruf auf, ist eine Koryphäe und nach dem Tod seiner Frau vor ein paar Jahren stürzt er sich in die Arbeit. An seiner Seite: Kater Stanley und sein Sohn Austin (Emile Hirsch; "Into the Wild", "The Girl next Door"). Der liebt seinen Vater, ist zertifizierter Medizintechniker, in seine Fußstapfen will er dennoch nicht treten. Gesagt hat Austin das seinem alten Herrn allerdings noch nicht. Nur Austins Freundin Emma (Ophelia Lovibond; "Guardians of the Galaxy") ist eingeweiht.

Mit der will Austin an diesem Abend auch ins Kino, doch als Sheriff Burke mit fahlem Gesicht den Leichensack mit Jane Doe an ihm vorbeirollt, entscheidet er sich spontan um - sein Vater kann Hilfe und Gesellschaft gebrauchen. Und gemeinsam nehmen sie sich Jane Does Leiche an, ganz nach Tommys Motto: "Jede Leiche hat ein Geheimnis, nur manche verbergen ihres besser als andere."

Von außen ...

Tommy (Brian Cox) hat so etwas auch noch nicht gesehen.
Tommy (Brian Cox) hat so etwas auch noch nicht gesehen.

Und diese Jane Doe verbirgt das ihre mehr als nur gut. Die äußere Besichtigung ergibt nichts: keinerlei Verletzung, nicht einmal ein Kratzer, keine besonderen äußeren Merkmale. Lediglich ihre Augenfarbe verwundert die beiden: grau und getrübt. So etwas tritt erst mehrere Tage nach dem Tod ein, der Körper der Frau ist aber ohne jeden Leichenfleck, keine Totenstarre.

Hand- und Fußgelenke sind gebrochen, allerdings ohne jedwede äußere Spur. Dazu Torf unter Finger- und Zehennägeln sowie in den Haaren. Nur, dass es in dieser Gegend keinen Torf gibt. Die Zunge wurde durchtrennt, gewaltsam.

Und es kommt noch besser: Während sich draußen vor dem Gebäude ein Sturm zusammenbraut, der selbst in dem unterirdisch gelegenen, fensterlosen Leichenschau-Raum bedrohlich klingt, stellt Tommy fest, dass Jane Doe innere Schnittwunden, vorsätzlich zugefügt, im Vaginalbereich aufweist.

... nach innen ...

Es folgt die innere Beschauung, beginnend mit Herz und Lunge. Der Sturm gewinnt an Intensität, das Licht flackert, das Radio sendet Interferenzen. Tommy öffnet mit der Rippenschere den Brustkorb. Eine stark geschwärzte Lunge kommt zum Vorschein. "Bei so schwerer Schädigung der Lunge würde ich Verbrennungen dritten Grades am ganzen Körper erwarten. Das ist, als fände man ein Projektil im Gehirn, aber ohne Schussverletzung", sagt Tommy ungläubig.

Schaurig gut: Emile Hirsch als Austin.
Schaurig gut: Emile Hirsch als Austin.

"Ihr Herz ist voller Kerben, als hätte man es zerschnitten", so Tommy weiter. Bei diesen inneren Verletzungen hätte der Leichnam äußerlich total zerstört aussehen müssen. Aber Jane Doe ist außen makellos. Tommy ahnt, dass er hier kein normales Verbrechensopfer vor sich hat. Aber einen Reim kann er sich trotzdem nicht auf all das machen.

Bamm. In einem Nebenraum schlägt Metall auf Metall. Tommy und Austin blicken sich erschrocken an. Austin geht nachsehen, während Tommy weiter über Jane Doe gebeugt vor sich hin grübelt.

Austin geht die dunklen mäandernden Gänge entlang. Und während draußen der Donner grollt, findet der Junge den Kater seines Vaters. In einem Lüftungsschacht. Verletzt, verkrüppelt, im Sterben liegend. Tommy stößt zu Austin, mit feuchten Augen bricht er ihr das Genick - und erlöst Stanley von seinen Leiden. Hatte der Kater Jane Doe nicht angeknurrt, als sie gebracht worden war?

... und ab geht die wilde Hexenhatz

Feuer in der Leichenhalle: spontane Selbstentzündung?
Feuer in der Leichenhalle: spontane Selbstentzündung?

Teil drei der Untersuchung beginnt: der Magen-Darm-Trakt wird von Tommy und Austin in Augenschein genommen. Sie entdecken eine Blume, ein Gewächs: gemeiner Stechapfel - und ein Stück Tuch, eine Art Grabtuch, völlig unbeeinträchtigt von der Magensäure. Ziffern und Zeichen stehen darauf. "Etwas Religiöses, ein Ritual?", fragt Austin, "ein Menschenopfer?"

Das Radio ertönt: "Eins ist sicher: Hier kommt keiner mehr raus!" Dann implodieren die Glühbirnen. Der Strom fällt aus. Und plötzlich ist Jane Doe verschwunden.

Alles was danach folgt, fällt dem "Spoiler-Alarm" zum Opfer. Was am Ende von "The Autopsy of Jane Doe" bleibt, ist ein äußerst mulmiges Gefühl in der Magengrube, gepaart mit plötzlich auftauchender Angst im Dunkeln. Man fühlt sich beobachtet, schaut sich Schatten genauer an. Und genau so soll es nach einem hervorragenden Horrorfilm doch auch sein!

Beklemmend, Angst einflößend

Die Grundstimmung des Films ist beklemmend, verstörend, angsteinflößend. Bei den Großaufnahmen von Jane Does Gesicht erwartet man als Zuschauer nahezu jede Sekunde, dass sie wild um sich beißend zum Leben erwacht. Aber das tut sie eben nicht, egal wie sehr der begleitende Score dies auch vermuten lässt.

Die Angst ist ab der zweiten Hälfte des Films auch an den Gesichtern von Tommy und Austin abzulesen. Zwei Darsteller, denen das Schauspielern im Blut liegt, selbst wenn dieses zu gefrieren scheint. Cox und Hirsch machen aus Ovredals Film ein qualitativ überzeigendes Horror-Kammerspiel mit einer unbekannten Toten im Mittelpunkt.

"The Autopsy of Jane Doe" bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de