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Türkischer Horror lehrt das Fürchten "Baskin": Willkommen in der Hölle!

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Ein Höllentrip erwartet die Polizisten.

(Foto: Capelight)

Eine Polizeieinheit hört den Notruf eines Kollegen aus einem Ort im Wald. Sie eilt zu Hilfe. Angekommen, findet sie nur das parkende Auto und eine unheilschwangere Ruine. Die Polizisten betreten sie - und landen direkt in der Hölle.

Wenn man an die Türkei denkt, fällt einem derzeit das Flüchtlingsdrama ein, das Schmähgedicht von Jan Böhmermann und natürlich Erdogans autoritäre Politik. Aber ein türkischer Film, der über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist? Nein, nicht wirklich. Doch das ändert sich mit "Baskin", dem Regiedebüt von Can Evrenol. Und um noch einen draufzusetzen: Es ist ein Horrorfilm.

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Düster und mit Abgründen kommt "Baskin" daher.

(Foto: Capelight)

Aber nicht irgendeiner nach westlichem Vorbild. Es gibt keine schreienden Teenager, halbnackte Girlies oder Schwarze, die immer zuerst über die Klinge springen. In "Baskin", auf Deutsch "Überfall" oder "Razzia", steht der lange Arm des Gesetzes - eine Einheit Polizisten in den Bergen - im Mittelpunkt. Sie hat eine Nachtschicht vor der Brust und wünscht sich, dass diese möglichst ruhig abläuft. Dienst nach Vorschrift.

Ihr Wunsch erfüllt sich nicht. Ein Notruf geht ein. Von Kollegen. Aus einem Dorf tief im Wald. Also machen sich die fünf in ihrem Wagen auf. Sie sind gut gelaunt, palavern über dieses und jenes. Dann bremst ein plötzlicher Unfall ihren Redefluss und sie müssen zu Fuß weiter. Irgendetwas war auf der Straße - und ist nun wieder verschwunden. Als der Trupp endlich am Ziel ist, findet er nur das verlassene Polizeiauto vor. Es steht vor den Überresten eines offenbar schon vor Jahrzehnten verlassenen Polizeireviers. Von ihren Kollegen fehlt jede Spur.

Die Hölle wartet schon

Kurzerhand betreten sie das finstere Gebäude. Im kegeligen Schein ihrer Taschenlampen bewegen sie sich langsam Ecke für Ecke vorwärts. Es stinkt. Bestialisch. Sie finden eine Falltür. Unter ihr geht es tiefer und tiefer hinab in eine unheilschwangere Dunkelheit.

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Diese Nacht ist nicht normal.

(Foto: Capeligght)

Die Polizisten hören Geräusche. Sie wagen sich immer weiter hinab unter die Überreste des verfallenen Hauses. Doch was sie da unten vorfinden, spottet jeder Beschreibung: Sie haben nichts anderes als die Hölle betreten. Und aus der gibt es für sie kein Entrinnen.

Nun könnte man meinen, dass es die sprichwörtliche Hölle ist. Dass einer der Polizisten einen Albtraum hat oder Drogen mit ihm Spiel sind, so grotesk gewalttätig sind die Bilder, die Regisseur Evrenol auf den Zuschauer loslässt. Aber nein, es ist die buchstäbliche Hölle. Die wahre Hölle.

Die Hölle ist humorfrei

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"Baskin" ist bei Capelight erschienen.

(Foto: Capelight)

Das mag metaphysisch klingen, ist aber Realität für die Polizisten, die nun gemartert werden und andere Grausamkeiten erdulden müssen. Spätestens hier wird dem Zuschauer klar, dass er keinen Standard-Horrorfilm vor sich hat, sondern schweren Tobak, der nicht jedermanns Sache sein dürfte.

Blutig, brutal, zwar handgemacht, aber ohne auch nur einen Anflug von Humor, setzt Evrenol seinen Regieerstling in Szene. Dass er so abdriftet, konnte der Zuschauer zu Beginn nicht erwarten. Da werden in aller Ruhe die Charaktere vorgestellt und man kann höchstens erahnen, dass ihr Einsatz im Wald irgendwo in der türkischen Provinz nicht gut ausgehen wird. Aber so eine Wende?

Als Zuschauer fühlt man sich unweigerlich an Gaspar Noé erinnert. Vielleicht auch an den Horror der "Hellraiser"-Reihe. Bei beiden heißt es: entweder mag man es oder eben nicht. Aber selbst wenn man Evrenols Werk kritisch beäugt, muss man ihm Respekt zollen. Es gehört Mut dazu, so etwas auf die große Leinwand zu bringen, zumal wir bei "Baskin" nicht über ein C- oder B-Movie sprechen. "Baskins" Bilder sind opulent, gerade das ist eine seiner Stärken.

Eine andere ist der Leitsatz des Films, der sich ins Gehirn der Zuschauer hineinfrisst: "Die Hölle ist kein Ort, wo ihr seid oder hingehen werdet. Die Hölle ist jederzeit in euch." Nun ist die abschließende Frage, was erschreckender ist: dieser Satz oder die Tatsache, dass aus der Türkei so ein krassgeile Horror kommen kann.

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Quelle: n-tv.de