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Film mit politischer Sprengkraft "Bomb City": Es lebe der Punk!

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Würden Sie von ihm ein Auto kaufen?

(Foto: Indeed)

Amarillo in Texas ist zu klein für Punks und angepasste Highschool-Footballkids. Die Polizei der Stadt hat sich bereits für eine Seite entschieden. Und mit dem Rücken zur Wand setzen sich die Punks zur Wehr: Destroy everything! Aber es gibt einen Toten - und die Gesellschaft richtet.

Ein Gerichtssaal in Texas. Ein Anwalt knöpft sich ein paar Punks vor. Seine Worte beschwören den Untergang des Vaterlandes, verantwortlich seien die Punks, die dem Motto "Destroy everything" folgen. Er wird nicht müde, immer wieder diese zwei Worte zu wiederholen. Es scheint, als wolle er sie den Geschworenen, einem Mantra gleich, einbläuen. Er ist sofort unsympathisch und als Zuschauer von "Bomb City" will man eigentlich nur eines: ihm den Mund verbieten oder im Jargon der Punks: ihm die Fresse stopfen.

Es ist bereits am Anfang des Films zu erahnen, dass "Bomb City" kein leichter Stoff ist, dass es einen ernsten Hintergrund gibt, eine wahre Begebenheit, auf der der Stoff fußt, den Regisseur Jameson Brooks mit aufrüttelnden Bildern inszeniert hat. Der Plot dreht sich um die Geschichte von Brian Deneker, Punk aus Überzeugung.

Es lebe der Punk!

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"Bomb City" ist bei Indeed auf DVD und BD erschienen.

(Foto: Indeed)

Er lebt in Amarillo, Texas, heute bekannt dafür, dass in der Nähe die mit neun Megatonnen Sprengkraft größte Atombombe der Welt zerstört wurde. Brian (Dave Davis; "The Walking Dead"; "True Detectives") ist glücklich, er ist Punk. Seine Familie steht hinter ihm, seine Freunde sowieso und erst recht seine Freundin Rome (Lorelei Linklater; "Blood Surf") mitsamt Stout, dem neuesten Familienmitglied: ein Hundewelpe aus dem Tierheim.

Brian steht auf Bier, Punkmusik und deshalb auch den Club "Bomb City", wo sich seinesgleichen regelmäßig trifft. Er trägt einen grünen Iro und passt sich auch sonst nicht an die Konformität der texanischen Kleinstadtgesellschaft an. Kirchgänge sind genauso wenig sein Ding wie die Besuche der Highschool-Football-Mannschaft. Warum auch? Beides interessiert ihn nicht die Bohne.

Mit seinem Aussehen eckt Brian natürlich an. Vor allem die Highschool-Kids der weißen, gutbürgerlichen Mittelschicht machen sich aus dem Ärgern der örtlichen Punks einen Spaß. Und auch in den Augen der Polizei sind Brian und seine Punk-Kumpanen nur der pure Abschaum der Gesellschaft. Polizeischikanen sind keine Seltenheit.

Destroy everything!

Dass die Situation in Amarillo irgendwann eskalieren muss, wird dem Zuschauer von "Bomb City" entsprechend schnell klar. Es fehlt nur ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt; ein Funke, der aus einer schwelenden Glut eine Feuersbrunst entfacht. Am Ende ist es eine eingeworfene Scheibe, die Brian und seine Kumpels dazu bringt, den weißen Redneck-Kids mal ordentlich die Meinung zu geigen und ihnen die besagten Fressen zu polieren.

Gesagt, getan, die Wut muss raus, das Ventil ist geöffnet. Aber die ganze Sache geht nach hinten los: Cody Cates (Luke Sheton; "Weekender"), Footballstar und behüteter Sohn, wird in seinem Auto sitzend Zeuge von der wüsten Schlägerei. Er wendet seinen Cadillac und hält voll drauf. Seine beiden Mitinsassen schreien, er könne das doch nicht machen - aber Cody macht genau das, wovor die beiden solche Angst haben: Er fährt Brian frontal über den Haufen. Brian stirbt, in den Armen von Rome.

Ein Film, der ein Klassiker werden könnte

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Es ist Cody, der sich im Gerichtssaal verantworten muss. Der Unsympath im Anzug ist sein Verteidiger. Und am Ende wird die Mordanklage gegen Cody fallengelassen. Eine Bewährungsstrafe und 10.000 Dollar Bußgeld sind die Strafe dafür, dass er einen anderen Menschen umgebracht hat. Die Entrüstung hält sich in Grenzen, das Medieninteresse ebbt schnell ab. Brian war schließlich kein Quarterback, kein Einserschüler, kein Kirchgänger - Brian war ein Punk, mit grünem Iro.

Das Ganze spielte sich Ende der 1990er-Jahre ab. Aber "Bomb City" ist zeitlos. Soziale Intoleranz ist gerade in den USA heutzutage brandaktuell, Polizeigewalt gegen Schwächere dafür nur ein Beispiel. Regisseur Brooks' "Bomb City" ist deshalb auch als Mahnung zu verstehen, als letzte hinausgeschriene Warnung an eine konservative, rückwärtsgewandte Gesellschaft, die dabei ist, sich selbst zu zerstören.

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Quelle: n-tv.de

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