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Chuck wird von allen nur "Champ" gerufen.
Chuck wird von allen nur "Champ" gerufen.
Dienstag, 26. Dezember 2017

15 Runden gegen Ali: "Chuck": Die wahre Rocky-Balboa-Story

Von Thomas Badtke

Sylvester Stallone wird mit seinen "Rocky"-Filmen zum Star. Doch die fiktive Figur des Schwergewichtsboxers Rocky Balboa gab es wirklich, sie hieß im wirklichen Leben Charles "Chuck" Wepner, "The Bayonne Bleeder". Das ist seine Geschichte.

Kennen Sie Chuck Wepner? Charles "Chuck" Wepner? Nein? Und Rocky Balboa? Der Schwergewichtsboxers aus Philadelphia, der sich von ganz unten nach ganz oben boxt? Ja, den kennt jeder. Sylvester Stallone sei Dank. Er machte Rocky zum Filmstar und der Stallone zur Hollywood-Ikone. Aber ohne Chuck Wepner hätte es Rocky Balboa nie gegeben.

Die beiden "Rockys": Stallone (gespielt von Morgan Spector) und Chuck Wepner (gespielt von Liev Schreiber).
Die beiden "Rockys": Stallone (gespielt von Morgan Spector) und Chuck Wepner (gespielt von Liev Schreiber).

Wepner wurde 1939 in Bayonne, New Jersey, geboren. In seiner Kindheit, bei Auseinandersetzungen mit anderen Jungs, lernte er, dass er über Nehmerqualitäten verfügte. Die halfen ihm dann auch bei seiner Profibox-Karriere. Schlagkraft, Technik und Schnelligkeit fehlten ihm jedoch. Zudem hatte Wepner mit einem Handicap zu kämpfen.

Die Haut Wepners platzte sehr schnell auf. Technische Knock-outs waren häufig die Folge. Passenderweise bekam er den Box-Spitznamen "The Bayonne Bleeder" verpasst.

Wie einst Axel Schulz

Er kämpfte gegen den jungen George Foreman - und verlor in der ersten Runde. Er boxte gegen den Ex-Weltmeister Sonny Liston, der seinen Zenit bereits überschritten hatte, für Wepner dennoch eine Nummer zu groß war: Der "Bayonne Bleeder" machte seinem Beinamen alle Ehre, blutete aus mehreren Cuts - und wurde aus dem Kampf genommen.

"Chuck" ist bei Splendid erschienen.
"Chuck" ist bei Splendid erschienen.

Dann schlug dennoch Wepners Stunde. Ein umstrittener Sieg gegen Ernie Terrell, bei dem Wepners Manager Al Braverman seine Finger im Spiel gehabt haben soll, ruft Don King auf den Plan. King ist ein Kumpel von Braverman und sucht einen Herausforderer für seinen Top-Schützling Muhammad Ali. Der hat im wohl besten Schwergewichtskampf der Geschichte, beim "Rumble in the Jungle", 1974 in Zaire, George Foreman besiegt, ist geschwebt wie ein Schmetterling und hat gestochen wie eine Biene.

Nun heißt Alis nächster Gegner Chuck "The Bayonne Bleeder" Wepner. Dem mittlerweile 36-jährigen Schnauzbartträger werden gegen Ali keinerlei Chancen eingeräumt. K.o. zu Beginn des Kampfes, erste, zweite, dritte Runde - so lautet die gängige Meinung der Boxfans. Aber Wepner straft sie alle Lügen.

19 lächerliche Sekunden

Während Ali ihn verbal und mit Schlägen traktiert - Wepner ist einfach zu langsam -, beweist dieser wieder einmal Nehmerqualitäten und Kampfgeist. Runde um Runde stellt er sich Alis Schlägen, steckt sie weg, blutet. Aber auf die Bretter gehen? Nein.

Und während zu Beginn des Kampfes die Zuschauer klar auf Alis Seite stehen, erarbeitet sich Wepner mit jeder Runde, die er stehen bleibt, mehr Respekt und Anerkennung. "Wepner, Wepner"-Rufe schallten ab Mitte des Kampfes durch die ausverkaufte Arena. In der 9. Runde gelingt es Wepner sogar, Ali auf die Bretter zu schicken.

Doch der steht wieder auf und ist nun richtig sauer. Schlagkanonaden hämmern auf Wepners Schädel und Körper ein. Beide Augen sind zugeschwollen. Und in Runde 15 geht Wepner dann doch zu Boden. 19 Sekunden fehlen bis zum Schlussgong.

Held mit Ecken und Kanten

Chuck und Phyliss: Sie erträgt seine Launen viel zu lange.
Chuck und Phyliss: Sie erträgt seine Launen viel zu lange.

Aber Wepner ist nun wer. Er ist derjenige, der Ali auf die Bretter geschickt und 15 Runden gegen den Schwergewichts-Champ durchgehalten hat. Auf der Straße wird er nicht mehr "Bleeder" gerufen, sondern "Champ".

Wepner kann mit dem Ruhm nicht umgehen. Frauengeschichten, Alkohol, Drogen, Scheidung, Gefängnis. Neuanfang. Das ist die Geschichte von Charles "Chuck" Wepner, das ist die Basis für Stallones Rocky-Figur. Vom wahnwitzigen Erfolg der Reihe hat Wepner nicht viel. Er lernt Stallone persönlich kennen, eine Rolle in einem "Rocky"-Teil scheitert jedoch daran, dass Wepner beim Vorsprechen auf Koks ist.

Und so muss Wepner selbst bis 2016 warten, ehe seine Geschichte verfilmt wird. Ohne den großen Hollywood-Glanz, ohne viel Brimborium, ehrlich und direkt. Mit Höhen und Tiefen, wie Wepners Leben eben war. Ein bisschen schmutzig. So boxte und so lebte Wepner damals in den 1970ern.

Namhafter Cast

Das bringt "Chuck", Regie Philippe Falardeau ("Monsieur Lazhar"), hervorragend rüber. Die zudem hervorragende Besetzung mit Liev Schreiber ("Spotlight", "Salt", "Scream 3") als Chuck sowie Naomi Watts ("Mulholland Drive", "King Kong") als Wepners Freundin Lina und Elisabeth Moss ("Mad Men", "The Square") als Wepners Ehefrau Phyliss, Mutter seiner Tochter. Michael Rapaport ("The 6th Day") als Chucks Bruder John und "Hellboy" Ron Perlman als Wepners Manager Al Braverman runden den Cast ab. Einzig, dass Stallone sich im Film nicht blicken lässt, ist schade.

Was am Ende von "Chuck" bleibt, ist ein Biopic über einen Mann, der als Vorlage für den berühmtesten Filmboxer aller Zeiten diente. Jetzt kennen Sie Charles "Chuck" Wepner!

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Quelle: n-tv.de