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"Controlled": Bewahren Sie Ruhe! Der Fernseher hat die ultimative Macht

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"Controlled", ein etwas anderes Weihnachtsfest im Kreis der Familie.

(Foto: Tiberius)

Es soll ein fröhliches Weihnachtsfest im Kreis der Familie werden. Doch Nicks Eltern haben ein Problem mit seiner indischen Freundin, seine Schwester auch, der Opa erst recht. So richtig eskaliert die Lage aber, als im TV ein Befehl aufflackert: "Im Haus bleiben, weitere Anweisungen abwarten".

Wer ein kleines Kind zu Hause hat, das die neuesten Serien von Kika, Toggo und Disney kennt, weiß, welche Wirkung das Fernsehen ausüben kann. Und auch, dass man dem Fernsehkonsum einen Riegel vorschieben sollte, denn die reale Welt findet nicht in der Glotze statt. Nick (Sam Gittins; "Obey") weiß das, er ist schließlich erwachsen. Doch dann feiert er Weihnachten bei seiner Familie - und bringt seine Welt ins Wanken.

Nick hat sein Elternhaus in den englischen Midlands vor ein paar Jahren im Streit verlassen. Sein Vater Tony (Grant Masters; "Dark Encounter") und vor allem sein Großvater (David Bradley; "Worker's End") haben ihm diese Entscheidung leicht gemacht. Nicks Opa ist Soldat durch und durch, Disziplin und Gehorsam sind für ihn alles, worum sich das Leben dreht. Dass er jetzt alt, klapprig und mit ersten Anzeichen einer handfesten Demenz den ganzen Tag in einem Sessel vor dem Fernseher verbringt und auf die Hilfe anderer angewiesen ist, ist für ihn Ironie des Schicksals.

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  Als Nick nun zu Weihnachten bei seiner Familie auftaucht, freut sich eigentlich nur seine Mutter Beth (Abigail Cruttenden; "Sharper's Waterloo"), aber so richtig herzlich kann sie ihren verlorenen Sohn auch nicht in die Arme schließen, denn er hat Annji (Neerja Naik) dabei, seine Freundin - mit indischen Wurzeln. Das passt nicht so recht in diesen konservativen Haushalt, der schnell rassistische Züge annimmt: Annji wird Angie oder Angela gerufen; ein ihr geliehenes Taschentuch will niemand zurückhaben und ihre mitgebrachten indischen Nachtisch-Spezialitäten werden einfach ignoriert. Von vorweihnachtlicher Stimmung ist nichts zu spüren.

Das ändert sich, als Nicks hochschwangere Schwester Kate (Holly Weston; "The Collection") mit ihrem Mann Scott (Kris Saddler; "The Hour") auftaucht - aber auch nur kurz. Kate ist die schlimmste Rassistin von allen, so scheint es, und Nick hat die Schnauze gestrichen voll. Annji, die noch an das Gute im Menschen glaubt und die Nick zu dem Besuch seiner Familie gedrängt hat, schluckt alle Demütigungen hinunter und will bleiben, es ist schließlich Weihnachten, das Fest der Nächstenliebe! Und so begeben sich alle in ihre Betten: Der nächste Tag kann nur besser werden.

Weihnachten im Kreis der Familie: ein Horror!

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Und plötzlich bist du zu Hause eingesperrt. Was passiert wohl als Nächstes? Wer steckt dahinter?

(Foto: Tiberius)

Denkste. Als die Familie so nach und nach erwacht, muss sie feststellen, dass ihr Haus hermetisch abgeriegelt ist. Türen und Fenster scheinen von Metallplatten versiegelt. Nach draußen kann die Familie nicht und im Inneren beginnt der Fernseher plötzlich herumzuspinnen: Auf allen Kanälen flimmert das gleiche Programm. Nur ein Satz leuchtet vor dem schwarzen Hintergrund: "Im Haus bleiben, weitere Anweisungen abwarten".

Was ist hier los? Ein Terroranschlag? Ein Angriff? Tony weiß, wer hinter all dem steckt: die Regierung. Irgendetwas ist passiert und die Regierung hat alles abgeriegelt, sie gewissermaßen unter Quarantäne gestellt - zum Schutz. So muss es sein!

Dann flimmern weitere Nachrichten über den Bildschirm und auch über den Computer. Handy und Festnetz sind tot. Nick und die anderen starren auf die Bildschirme: Das Essen sei kontaminiert. Sie selbst auch. Sie sollen sich nackt ausziehen und mit Haushaltsreiniger dekontaminieren. Es folgen Spritzen, die wie von Geisterhand durch eine schwarze Röhre in das Haus gelangt sind. Die Spritzen seien zum Impfen da, lesen sie auf dem Fernsehbildschirm. Aber die Spritzen sind bereits benutzt. Annji, Krankenschwester, warnt vor den Folgen verunreinigter Spritzen und Kanülen.

Tony will davon nichts wissen: Wenn die Regierung sagt, impfen, dann wird auch geimpft! Selbst die hochschwangere Kate wird dazu überredet, Nick und Annji dazu genötigt. Tony hat Annji eh bereits auf dem Kieker - wenn es sich um eine Epidemie handelt, hat sie sie bestimmt ins Land und ihr Haus eingeschleppt. Die aggressive Stimmung heizt sich weiter auf, als plötzlich der Großvater im Sessel aufschreit, krampft, Blut spuckt und zusammenbricht. Eine Folge der Impfung?

Gefährliche Glotze

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"Controlled" (Tiberius) erscheint am 4. April auf DVD und BD.

(Foto: Tiberius)

Tony weiß Bescheid: Sein Großvater war schon zu schwach für die Impfung. Sein Tod hat nichts mit der möglicherweisen Verunreinigung der Spritzen zu tun. Und wer etwas anderes behauptet, kann ja das Haus verlassen. Dass sich die Zahl der Familienmitglieder im weiteren Verlauf von "Controlled: Bewahren Sie Ruhe!" weiter reduziert, ist fast schon zwangsläufig. Was "Controlled" aber eigentlich sein soll, ob Horrorfilm, Familiendrama, Klamauk, Reality-TV oder Weihnachtsmärchen, bleibt ein Rätsel.

Regisseur Johnny Kervorkian ("Fractured") hält die Zuschauer so bei der Stange. Den Familienzwist, der dem ganzen Plot zugrundeliegt, stellt er überspitzt dar und offenbart dadurch Gesellschaftskritik mit dem Vorschlaghammer. Angst vor Zuwanderung, vor Neuem; der nie enden wollende Generationenkonflikt; die Rolle von Mann und Frau - alles findet seinen Platz. Und nicht zu vergessen: die Obrigkeitshörigkeit. Was die Regierung sagt, muss stimmen.

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"Controlled" ähnelt einem Kammerspiel, einem Experiment, dessen Protagonisten in die Enge getrieben werden, um zu sehen, was dann passiert. Das sorgt für Spaß beim Zuschauer, der auch das ein oder andere Mal kräftig schlucken muss ob des offen zur Schau gestellten Rassismus. Das Ende von "Controlled" ist dann allerdings verstörend, denn so viel sei verraten: Die Regierung steckt nicht hinter all dem. Außerirdische vielleicht? Oder doch ein Anschlag? Übernehmen die Medienkonzerne die Macht? Mal ehrlich, das haben sie doch schon längst. Und auch deshalb sollte man darauf achten, welchen Stellenwert man der Glotze in seinem Leben einräumt. Ein kleiner Test: "Im Haus bleiben, weitere Anweisungen abwarten" ...

Quelle: n-tv.de

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