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Menschen- oder Monsterjagd Der "Wildling" ist der Letzte seiner Art

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Schau mir in die Augen ...

Capelight

Die kleine Anna lebt eingesperrt auf dem Dachboden eines abgelegenen Hauses. Damit sie nicht abhaut, erzählt ihr "Daddy" ihr die Geschichte des "Wildlings", der Kinder frisst. Dann wird das Haus gestürmt - und der wahre Horror beginnt.

"Möchtest du gerne eine Geschichte hören? Möchtest du, dass ich dir etwas über den Wildling erzähle? Seine Zähne sind laaang und spitz - genau wie seine Nägel, laaang und spitz. Und sein Haar ist laaang und schwarz, überall an seinem Körper. Willst du noch mehr hören?"

Der Horrorfan schreit: "Ja!" Das kleine Mädchen, das in seinem Bett liegend, die Decke bis unters Kinn gezogen, den Worten des an ihrem Bett sitzenden Mannes lauscht, schüttelt aber den Kopf. Sie hat die Geschichte schon zu oft gehört - von dem Wildling, der im Wald lebt und kleine Kinder frisst.

Ganz schön abgefucked!

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Anna muss ihren Platz im Leben erst noch finden.

(Foto: Capelight)

Die ersten paar Minuten des Films "Wildling" können verstören, vor allem wenn man Vater einer kleiner Tochter ist. Wieso erzählt dieser Mann, der offenbar der Vater des kleinen Mädchens ist und das er offenbar auch liebt, derartige Gruselgeschichten vor dem Schlafengehen? Ist das ein perverses Experiment? Psychische Folter? Seelischer Kindesmissbrauch?

Nichts von alledem und doch auch alles gleichzeitig: Anna (Bel Powley; "To Kill a Man") lebt eingesperrt in einem kleinen Zimmer auf dem Dachboden eines sehr abgeschieden gelegenen Hauses, völlig isoliert von der Außenwelt. Sie darf das Zimmer nicht verlassen, sonst holt sie der Wildling, wie der Mann, den sie nur als "Daddy" (Brad Dourif; "Herr der Ringe", "Chucky, die Mörderpuppe") kennt, ihr jeden Abend aufs Neue erzählt. So wächst Anna auf - in Angst, aber auch in Zuneigung für ihren "Daddy".

Doch irgendwann beginnt dieser Mann Anna Spritzen in den Unterleib zu geben. Das Mädchen weiß nicht wieso, aber ihr geht es von Mal zu Mal schlechter. Ihr "Daddy" versucht sie zu beruhigen, es werde alles wieder gut, aber Anna weiß, dass das eine Lüge ist. Als sie, mittlerweile zum Teenager gereift, innerlich mit ihrem Leben angeschlossen hat, geschieht das Wunder: Das Haus wird gestürmt und Anna befreit. Keinen Tag zu früh, wie bei einer ärztlichen Untersuchung Annas festgestellt wird. "Daddy" hatte ihr Hormone gespritzt, die die körperliche Reifung verhindern sollten - nur eine Spritze mehr und Anna wäre gestorben.

Ein Hollywood-Star gibt sich die Ehre

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Liv Tyler spielt den Sheriff, der einerseits Anna helfen will, sie andererseits aber auch jagen muss.

(Foto: Capelight)

Sheriff Ellen Cooper (Liv Tyler; "Herr der Ringe", "Armageddon") nimmt Anna erst einmal bei sich auf. Sie lebt mit ihrem jüngerem Bruder Ray allein, ihre Eltern sind tot. Ray kann mit Anna erst einmal nichts anfangen: Sie isst mit den Händen, sie sieht irgendwie verwahrlost, rau und wild aus. Aber nach und nach freundet er sich mit Anna an. Sie gehen zur Schule, wo Ray sie beschützt. Sie gehen zu Partys, wo Ray auf sie aufpasst. Annas Leben scheint endlich das eines normalen Teenagers zu werden.

Doch nach einer Party in der Nachbarschaft der Coopers verschwindet ein Junge spurlos. Kurze Zeit darauf wird seine Leiche gefunden. Verstümmelt, zerfetzt, als ob ein wildes Tier wie ein Wolf oder ein Bär sich über ihn in wilder Raserei hergemacht hätte. Doch weder Wölfe noch Bären waren in letzter Zeit gesichtet worden - und der Junge hatte sich mit Anna auf der Party unterhalten, sie war der letzte Mensch, den er vor seinem Tod begegnet war. Nur ist Anna kein Mensch.

Hochglanzoptik und viel Gefühl

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"Wildling" ist bei Capelight auf DVD, BD und als Mediabook erschienen.

(Foto: Capelight)

Spätestens jetzt wird "Wildling" von Regisseur Fritz Böhm von einem Coming-of-Age-Streifen zu einem klug gemachten Horrorfilm, der zwar mit Schockelementen und Blut aufwartet, aber noch vielmehr auf Gefühl setzt. Ray und Anna lieben sich. Ray hilft ihr bei der Flucht, auch Ellen empfindet Zuneigung zu dem Mädchen und deckt gleichzeitig dunkle Machenschaften einer Gruppe von Männern auf, zu der auch "Daddy" gehört. Nur hat dieser sich vor langer Zeit gegen die Gruppe gewandt und Anna und damit den letzten Wildling gerettet, denn er konnte kein kleines Mädchen töten. Doch nun sind Annas Urtriebe erwacht - und sie ist schwanger.

Als Zuschauer sympathisiert man mit Anna, den ganzen Film über. Zunächst, weil man denkt, dass der Mann alias "Daddy" sie entführt und weggesperrt hat und sie psychisch foltert. Dann ist man auf Annas Seite, weil sie die Außenseiterin in dem Ort ist, an der Schule, in der Nachbarschaft. Am Ende klopft das Herz, weil man will, dass sie überlebt, dass sie für all das, was passiert, nichts kann.

Dass "Wildling" in den Köpfen bleibt, ist ein Verdienst von Annas Rolle und der Schauspielkunst von Bel Powley. Gleichzeitig aber auch von der Regiearbeit Böhms und den anderen Darstellern, zu denen mit Liv Tyler eben auch ein Hollywood-Superstar gehört. Das passt und macht "Wildling" am Ende zu einem runden Horrorerlebnis, einer Mischung aus Coming-of-Age und "Teen Wolf". Und wer weiß, vielleicht ist die Geschichte über den "Wildling" ja noch nicht zu Ende erzählt ...

Wildling - 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook (+ DVD) [Blu-ray]
EUR 19,99
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Quelle: n-tv.de

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