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Was Man(n) findet ... "Darlin" weckt das Wilde in dir

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Wer "Darlin'" geschaut hat, sollte dann auch "The Woman" ansehen.

(Foto: Capelight)

Ein Mädchen - zerlumpt, heruntergekommen, stumm und aggressiv - wird angefahren. Es landet im Krankenhaus, dann in einem Kinderheim der Kirche. Der Bischof will sie zähmen, zum Sprechen bringen. Er riecht bereits das große Geld. Aber das Mädchen ist nicht allein.

Es ist eine Szene, wie sie sich tagtäglich in Krankenhäusern abspielt: Ein Obdachloser schleicht durch die von Neonröhren in kaltweißes Licht getauchten Gänge, auf der Suche nach ein wenig Wärme. Aber es ist wie immer: Er wird entdeckt und freundlich gebeten, das Hospital zu verlassen. Der Obdachlose scheut den Ärger und geht. Vor dem Eingang ein letzter Blick zurück, ein ungutes Gefühl: Wird er beobachtet? Bumm. Das Alltägliche platzt wie eine Kaugummiblase. Der Obdachlose wird Zeuge, wie ein Mädchen direkt vor dem Eingang des Krankenhauses angefahren wird. Er ruft noch etwas - und verschwindet.

Das Mädchen landet im Krankenhaus, offenbar nicht schwer verletzt, aber bewusstlos. Als sie wieder zu sich kommt, sieht sie mitleiderregend aus: Dreckig, zerlumpt, heruntergekommen - als ob sie direkt aus dem Wald kommt. Ihr Blick ist verstörend und aggressiv. Die Augen funkeln in einem wilden Gesicht, umgeben von zerzausten und verfilzten Haaren. Dass sie ab da von allen nur Darlin' (Lauryn Canny; "Amber") genannt wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Ein großer Plan

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Darlin' in der Kirchenschule: eine harte Nuss.

(Foto: Capelight)

Das Krankenhaus, vor dem Darlin' urplötzlich und wie aus dem Nichts aufgetaucht ist, gehört der Kirche. Und der zuständige Bischof (Bryan Batt; "Mad Men") hat sofort eine großartige Idee: Er will Darlin' in ein Heim stecken, das ebenfalls der Kirche gehört und dessen Schließung droht, wegen chronischen Geldmangels. Der Bischof denkt medial: Macht er aus dem völlig verwilderten und stummen Geschöpf ein gläubiges Mitglied der Gesellschaft, das sich zudem verbal artikulieren kann, ist der Fortbestand des Heims auf Ewigkeit gesichert.

Was der Bischof allerdings nicht weiß: Darlin' ist vor einigen Jahren als kleines Mädchen von einer Frau in den Wald mitgenommen worden und dort aufgewachsen. Und die Frau hat nicht vor, Darlin' der Welt da draußen einfach so zu überlassen.

Hush little Darlin', don't say a word

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"Darlin'" ist bei Capelight auf DVD, BD und 4K erschienen.

(Foto: Capelight)

Na, klingelt da etwas? Es ist schon ein paar Jahre her, zugegeben. Aber da gab es doch einen Film, in dem ein Mann eine Frau entdeckt, die völlig allein und verwahrlost in einer Höhle vor sich hin vegetiert. Er nimmt sie mit nach Hause, kettet sie in seinem Keller an und zeigt sie auch seiner Familie. Am Ende fließt eine Menge Blut. Aber was sich wirklich ins Gedächtnis einbrennt, ist diese Szene: Die Frau aus der Höhle nimmt das kleine Mädchen des Hauses an die Hand und gemeinsam gehen sie in den Wald. So endet "The Woman" von Regisseur Lucky McKee.

"The Woman" hinterlässt Eindruck - und ein flaues Gefühl in der Magengegend. Was passiert mit dem kleinen Mädchen? Jahrelang bleibt die Frage unbeantwortet. Dann liefert die schottische Regisseurin Pollyanna McIntosh mit "Darlin'" die Antwort oder besser: eine Antwort.

Die Frau hat dem Mädchen damals nichts getan. Das hoffte man als Zuschauer von "The Woman". Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Die perfekte Ausgangsposition für McIntoshs Nachfolgefilm. Der liefert dem Zuschauer aber nicht den direkten Anschluss, sondern vollführt einen mehrjährigen Sprung. Der Plot ist dann eine Mischung aus Coming-of-Age-Drama, gesellschaftskritischem Kirchen-Bashing und hat dabei auch etwas Märchenhaftes.

Die Gewalt bricht sich erst am Ende von "Darlin'" Bahn. Damit punktet McIntosh unzweifelhaft. So teilweise ruhig die Erzählweise des Films bis dahin, so kraftvoll und explosiv ist das Ende. "The Woman" lässt grüßen - und hoffen, dass die Reihe fortgesetzt wird. Denn: "Darlin'" ist nicht allein.

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Quelle: ntv.de