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Mi der Nacht kommen der Wind, die Fußspuren - und die nackte Panik.
Mi der Nacht kommen der Wind, die Fußspuren - und die nackte Panik.(Foto: Ascot Elite)
Freitag, 17. Januar 2014

Das tödliche Geheimnis des "Devil's Pass": Achtung, Sie betreten Russlands Area 51!

Von Thomas Badtke

Neun russische Bergsteiger sterben im Februar 1959 im Ural. Sie sind teilweise nackt, ihre Schädel eingeschlagen. Einem Toten fehlt die Zunge. Ihre Kleidung ist verstrahlt. Von offizieller Seite starben sie eines natürliches Todes. US-Studenten wollen dem "Unglück am Djatlow-Pass" auf den Grund gehen. Ein tödlicher Fehler.

Blick auf ein Zelt der Bergsteigergruppe, wie es die Rettungskräfte 1959 vorfanden.
Blick auf ein Zelt der Bergsteigergruppe, wie es die Rettungskräfte 1959 vorfanden.(Foto: Wikipedia)

Im Februar 1959 begeben sich neun russische Bergsteiger auf eine Expedition in die Wildnis des nördlichen Urals. Ihr Ziel ist der Otorten-Gipfel. Die Route über den Cholats-Jakul (Toter Berg) dorthin fällt unter die Kategorie III, den höchsten Schwierigkeitsgrad damals zu dieser Jahreszeit. Alle neun sind erfahrene Skiläufer und Bergsteiger. Alle neun werden zwei Wochen später tot gefunden. Das "Unglück am Djatlow-Pass", benannt nach dem Leiter der Expedition Igor Djatlow, beschäftigt auch 55 Jahre später noch die Öffentlichkeit.

Die US-amerikanische Filmstudentin Holly sieht 2008 eine Reportage über das "Unglück am Djatlow-Pass". Sie ist sofort fasziniert von dem Thema. Ihre Professorin kennt den mysteriösen Vorfall ebenfalls. Sie hört erstmals davon, als sie auf den fiktionalisierten Bericht des russischen Journalisten Juri Jarowoi stößt, der Titel: "Der höchste Schwierigkeitsgrad". Sie erklärt das "Unglück vom Djatlow-Pass" zum Studienprojekt - und Holly ist auf Anhieb Feuer und Flamme. Gemeinsam mit dem befreundeten Filmstudenten Jenson, der Tontechnikerin Denise sowie den beiden erfahrenen Bergführern Andy und JD startet sie ebenfalls eine Expedition in die Wildnis des Urals, um den Geheimnissen und Ungereimtheiten rund um den mysteriösen Tod der Djatlow-Gruppe auf die Spur zu kommen.

Yeti, Außerirdische, Militär

Und davon gibt es genug. Jenson kennt sie alle. Offiziell sind die neun russischen Bergsteiger eines natürlichen Todes gestorben. Immer wieder ist von Hyperthermie-Demenz die Rede. "Paradoxes Entkleiden" nennt Jenson das verächtlich: Die Betroffenen fühlen sich plötzlich überhitzt, verkennen ihre Umgebung und ziehen sich aus. Bei Temperaturen um minus 30 Grad, wie sie im Februar 1959 in der Unglücksregion herrschen, absolut tödlich.

Nach einer Lawine erfrieren? Bei minus 30 Grad kann das passieren.
Nach einer Lawine erfrieren? Bei minus 30 Grad kann das passieren.(Foto: Ascot Elite)

Diese These wird auch unterstützt dadurch, dass einige der gefundenen Bergsteiger-Leichen keine Schuhe oder Socken tragen. Für Jenson ist diese Erklärung aber Mumpitz, schließlich müssten alle neun Bergsteiger gleichzeitig davon betroffen gewesen sein. "Absolut unwahrscheinlich", versichert der Hobby-Verschwörungstheoretiker.

Ebenso unwahrscheinlich für Jenson: der Tod der gesamten Gruppe durch die Folgen einer Lawine. Dafür spricht zwar, dass die Zelte der Bergsteiger von innen aufgeschlitzt waren. Auch die Tatsache, dass einige der Bergsteiger innere Verletzungen aufweisen, denen zwar eine enorme Gewaltanwendung vorausgegangen sein muss, äußerlich es auf diese Verletzungen aber keinerlei Hinweise gegeben hat, stützt diese These. Zudem gibt es nirgendwo Kampfspuren. Jensons Killerargument dagegen: Die Bergsteiger werden weit entfernt von ihren Zelten gefunden. Zudem ist die Kleidung einiger Bergsteiger radioaktiv verseucht. Zwei haben eingeschlagene Schädel, bei einem Toten fehlt die Zunge. Sie wird weit entfernt gefunden.

Mischt das Militär mit? Verschwörungstheoretiker glauben fest daran.
Mischt das Militär mit? Verschwörungstheoretiker glauben fest daran.(Foto: Ascot Elite)

Jensons Lösung des Falls: Das russische Militär steckt hinter dem Tod der neun. Ein Beleg dafür: Der Journalist Jarowoi stirbt bei einem Autounfall. Klarer Fall von Vertuschung von ganz oben. Für den Bergführer Andy ist dagegen der Yeti schuld. Auch das Wort Außerirdische macht die Runde in der Gruppe. Mythen und Verschwörungstheorien, denen die Studenten auf den Grund gehen wollen.

Am Ende sind auch sie alle tot. Gefunden wird nur ihr Filmmaterial. Es kommt sofort unter Verschluss. Doch der Webseite Conspira-Leaks gelingt es, an die Aufzeichnungen heranzukommen. Die Bilder sind unfassbar!

Die Wahrheit ist gefährlich

"Devil's Pass" ist bei Ascot Elite auf DVD und Blu-ray erschienen.
"Devil's Pass" ist bei Ascot Elite auf DVD und Blu-ray erschienen.(Foto: Ascot Elite)

Willkommen in Russlands Area 51! Willkommen im Found-Footage-Film "Devil’s Pass" des Regisseurs Renny Harlin ("Stirb langsam 2", "Cliffhanger"). Hier werden reale Ereignisse wie das "Unglück am Djatlow-Pass" gekonnt mit Fiktion und Fantasie gemixt. Das Ergebnis stimmt, erinnert an "Apollo 18" und "The Bay". Der Zuschauer weiß bis zu einem gewissen Punkt nicht, was ist real, was nicht. Die im Großen und Ganzen vollkommen unbekannte Darstellerriege unterstützt diesen Eindruck noch.

Ihre Reise ins Ungewisse spickt der Regisseur mit Interviews, etwa mit einer Überlebenden der Rettungsteams von 1959. Sie lebt zurückgezogen, erzählt etwas von elf Toten. Selbst das russische Nachrichtenfernsehen wird involviert, berichtet von dem mysteriösen Verschwinden einer Gruppe US-amerikanischer Studenten, die den Geheimnissen des "Unglücks am Djatlow-Pass" auf der Spur war - und nun vermisst wird.

Daneben gibt es die für einen Found-Footage-Film typischen wackeligen Bilder, ein paar sexuelle Anspielungen (hey, es sind US-Studenten!) und natürlich die passenden Geräusche. Wenn der Wind nachts an einem einsamen schneebedeckten Berghang entlangpfeift und unbekannte Geräusche an die schlecht Schlafenden heranträgt; wenn mitten irgendwo im Nirgendwo dann am Morgen riesige Spuren nackter Füße rund um die Zelte verteilt sind, die aber plötzlich im Nichts verschwinden - dann wird die Panik greifbar, die die Studentengruppe erfasst.

Als dann auch noch eine Lawine den ersten tötet und auf die restlichen Studenten gefeuert wird ... Da kann schon mal die Fantasie mit einem durchgehen. Ein nur von außen verschließbares Stahltor mitten in einem Felsmassiv kommt da gerade recht. Aber Vorsicht: Manche Geheimnisse sollen nicht entdeckt werden. Manche Wahrheit soll nicht ans Tageslicht kommen.

Diese Stimmung transportiert "Devil's Pass" hervorragend. Über das Ende kann man zudem vortrefflich streiten. Aber am besten macht man das am Stammtisch und nicht online, die NSA liest schließlich mit - und was der Ami kann, können die Russen schon lang!

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Quelle: n-tv.de