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Selbstmord für Dummies "Dead in a Week" - or die trying!

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Mit dem Moped auf der Flucht vor einem Auftragskiller: William und Ellie.

Ascot Elite

Wie begeht ein Engländer Selbstmord? Vergiften? Erhängen? Von der Brücke springen? Am besten: ein Auftragskiller! Der Vertrag ist schnell unterschrieben, also: Let's get dying. Dumm nur, wenn man plötzlich leben will. Als Film ein Brüller!

Es ist eine düstere Nacht - und dem durchaus angemessen, was William (Aneurin Barnard; "Dunkirk") vorhat. Der junge Mann will seinem Leben ein Ende setzen. Ein tödlicher Sprung in die Tiefe soll es sein. Also steht er da, sinniert noch etwas - und wird dumm von der Seite angequatscht. Ein älterer Mann verwickelt William in ein Gespräch, welches der gar nicht mehr führen will. Ein richtiger Wortwechsel kommt deshalb nicht zustande, am Ende drückt der ältere Mann William eine Visitenkarte in die Hand und verschwindet in die Nacht. William steckt sie ein - und springt.

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Mit einer Kugel ins Jenseits befördert: Bei Auftragskiller Leslie kostet das zwei Tausender.

(Foto: Ascot Elite)

Wie die letzten gefühlt zehn Male davor auch überlebt William seinen Selbstmordversuch unverletzt. Das kann doch einfach nicht sein. Wieder zu Hause in seinem kleinen Appartement angekommen, dreht er den Gashahn auf. Nächster Versuch - allerdings hat er die Rechnungen nicht bezahlt. Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren. Doch stattdessen befördert er die Visitenkarte hervor: "Willst du deinem Leben ernsthaft ein Ende setzen, brauchst du professionelle Hilfe!"

Lass mal 'nen Profi ran!

William ruft die Nummer auf der Visitenkarte an. Der ältere Mann meldet sich, sie verabreden sich zu einem Treffen. Bei dem Mann handelt es sich um Leslie (Tom Wilkinson; "Michael Clayton", "Grand Budapest Hotel"), einen in die Jahre gekommenen Auftragskiller. Der hat seine jährliche Quote noch nicht erfüllt, was bedeutet, dass er in Rente gehen müsste, also ist Leslie ganz heiß auf Williams Leben. William wiederum ist verblüfft, dass er einem wirklichen Killer gegenübersitzt.

Die beiden gehen das Thema "Leben beenden" nun professionell an: Wie soll es sein? Ein Heldentod vielleicht? Also bei der Rettung eines Kindes abnippeln, unter dem Applaus von herumstehenden und zuschauenden Menschen? Das wär's! Aber das kostet, wie Leslie sagt, Organisation und so. William hat aber nur 2000 Pfund. Und so wird es ein Schuss, den William nicht kommen sieht und der irgendwann in den kommenden sieben Tagen erfolgen wird. Ein paar Unterschriften noch und alles ist wasserfest eingetütet. William ist erleichtert.

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William und Ellie: Siouod? Liebe!

(Foto: Ascot Elite)

Aber er hat die Rechnung nicht mit dem Typen da oben über den Wolken gemacht. Denn plötzlich erhält William einen Anruf. Der junge Selbstmord-Scheiterer hat ein Buch über seine diversen Versuche geschrieben und nun ist ein Verlag ganz heiß darauf. Ein Ratgeber á la "Selbstmord für Dummies". Bei einem Treffen mit der Verlagsassistentin Ellie (Freya Mavor; "The Lady in the Car with Glasses and a Gun") und deren Chef fällt der tödliche Schuss. Aber er trifft nicht William. Ellies Chef kippt tot vom Stuhl.

Leslie hat einen Fehler gemacht, den Falschen erschossen. Dass auch der einen Vertrag über sein Abtreten bei der Killer-Gilde abgeschlossen habe, sei da zweitrangig, macht Leslies Chef Harvey (Christopher Eccleston; "Doctor Who"") ihm klar. Leslie solle seinen Fehler doch bitte schnellstmöglich in Ordnung bringen, sonst drohe ihm nicht mehr nur die Rente, sondern gleich das vorzeitige Ableben, so Harvey konsequent. Leslie geht wieder an die Arbeit - aber nun ist es William, der sich in Elle verliebt hat und vom Vertrag zurücktreten will. "Dead in a Week"? Ach nee, lieber nicht.

Very british

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"Dead in a Week" ist bei Ascot Elite erschienen.

(Foto: Ascot Elite)

"Dead in Week"? Auf jeden Fall - wenn es um den Film geht. Regisseur Tom Edmunds ("Is this a Joke?") hat damit erneut hervorragende Arbeit abgeliefert. Wer bei "Dead in a Week" nicht lacht, ist wahrscheinlich wirklich schon tot. Auf jeden Fall ist ihm nicht mehr zu helfen. Und das wäre schade, denn Edmunds Streifen ist voll britischen, schwarzen Humors - und damit genau das Richtige an diesen trüben, sonnenlosen November- und Dezembertagen.

Aber nicht nur der reine Plot überzeugt, auch die schrulligen Charaktere sind es, mit denen "Dead in a Week" punkten kann. Da wäre natürlich William, der sich nach all den gescheiterten Selbstmordversuchen schon für unsterblich hält, bis es zu einer Schießerei kommt. Da wäre Ellie, die von ihrem Job gelangweilt ist, nun aber für William und dessen Überleben brennt. Harvey als oberster Boss der britischen Killergilde, der keinen Spaß versteht, aber Leslie mit dem Geschenk einer vermeintlich teuren und exklusiven Armbanduhr den Ruhestand schmackhaft machen will. Und natürlich Leslie, der nach wie vor für seinen Job brennt, auch wenn zu Hause eine Frau auf ihn wartet, die mit ihm um die Welt reisen will und nach 36 Jahren Ehe einfach genug davon hat, Sofakissen zu stricken.

Dieser Fülle an schrägen Charakteren setzt Edmunds mit dem britischen Hollywoodstar Wilkinson als alterndem Auftragskiller noch die Krone auf. Mal ehrlich, "Dead in a Week" kann nur in England spielen. Nur auf der Insel gelingt es, sich über ein so ernstes Thema wie Suizid derart lustig zu machen. Was fehlt, ist ein dezenter Warnhinweis am Filmanfang, doch besser auf Chips oder andere Knabbereien während des Schauens zu verzichten - nicht dass man etwas in den falschen Hals bekommt und deshalb erstickt. Es sei denn, man heißt William und hat vor, seinem Leben ein Ende zu setzen.

Dead in a Week (oder Geld zurück) [Blu-ray]
EUR 14,99
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Quelle: n-tv.de

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