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Madrider Polizei im Einsatz: Ein Serienkiller vergewaltigt und ermordet alte Frauen.
Madrider Polizei im Einsatz: Ein Serienkiller vergewaltigt und ermordet alte Frauen.(Foto: INDEED FILM)
Dienstag, 29. Mai 2018

"Die Morde von Madrid": Der Terror beginnt mit einer toten Frau

Von Thomas Badtke

Madrid in brütender Hitze: Ein Einbruchdiebstahl entpuppt sich als Vergewaltigung und Mord. Das Besondere: Die Tote ist Rentnerin und religiös. Sie bleibt nicht das einzige Opfer - und gerade jetzt steht der Papst-Besuch an.

Als die beiden Kommissare Alfaro (Roberto Alamo; "Die Haut, in der ich wohne") und Velarde (Antonio de la Torre; "Kings of the City") zu einem Tatort mitten in der Madrider Innenstadt gerufen werden, geht die Polizei noch von einem Einbruchdiebstahl aus, bei der eine alte Frau unglücklich ums Leben gekommen ist: gestürzt von der Treppe, als sie dem Dieb entkommen will. Doch warum ließ der die prall gefüllte Schmuckschatulle zurück und begnügte sich mit dem Kleingeld aus dem Portemonnaie?

Alfaro brennen schon mal die Sicherungen durch.
Alfaro brennen schon mal die Sicherungen durch.(Foto: INDEED FILM)

Velarde stutzt - und stellt eine Frage, die alles verändert: "Wurde die alte Frau vergewaltigt?" Ein kurzer Blick und die Antwort ist klar: "Ja!" Velarde und Alfaro schauen sich entgeistert an: Wer vergewaltigt eine Rentnerin? Die Obduktion deutet auf einen psychisch gestörten Mann hin, der auch noch überdurchschnittlich bestückt zu sein schein.

Mehr als nur ein Mord

Velarde und Alfaro beginnen zu ermitteln, Alfaro widerwillig, denn er hat private Probleme und die Dienstaufsicht sitzt ihm wegen seines ungezügelten Temperaments im Nacken. Velarde, der wegen seines Stotterns von seinen Kollegen nicht für voll genommen wird, hängt sich dagegen rein, macht Überstunden, befragt die Nachbarn der Toten. So kommt heraus, dass sie Katzen hasste, am Tatort aber ein Schälchen Milch stand. Und: Die verwitwete Frau hatte seit ein paar Wochen einen Verehrer, den aber niemand im Haus sonst zu Gesicht bekommen hat.

"Die Morde von Madrid" sind bei Alive erschienen.
"Die Morde von Madrid" sind bei Alive erschienen.(Foto: INDEED FILM)

Dann taucht die nächste tote Frau auf. Wieder handelt es sich um eine ältere Dame, wieder wurde sie vergewaltigt. Nun beginnt sich auch Alfaro für den Fall zu interessieren: Treibt ein Serientäter in der Stadt sein Unwesen? Und wenn ja: Hat es etwas mit dem anstehenden Papst-Besuch zu tun?

Mehr als nur ein "Tatort"

Zwei Kommissare, die unterschiedlicher nicht sein könnten; ein Mordserie, die nicht an die Öffentlichkeit dringen darf; ein brütend heißer Sommer in Madrid, der Polizei und Bürger an den Rand des Wahnsinns treibt: Regisseur Rodrigo Serogoyen ("Stockholm") packt all das in einen Thriller, der wie ein normaler Sonntagabend-Krimi beginnt, sich am Ende aber als waschechter Thriller entpuppt.

Getragen wird "Die Morde von Madrid" von der immer unheimlicher werdenden Atmosphäre. Wie bei "Falling Down" mit Michael Douglas ahnt der Zuschauer, dass alles auf einen großen Knall hinausläuft, dessen Auslöser nur ein kleiner Tropfen sein muss: ein Ausraster Alvaros zur falschen Zeit, am falschen Ort, bei der falschen Person; ein unbeabsichtigter Fehler des mordenden Psychopathen; Velarde, der sich in etwas verrennt.

"Die Morde von Madrid" dürfte vor allem den Zuschauern gefallen, die die härteren "Tatort"-Versionen mögen - wie etwa "Wer jetzt allein ist" mit dem Dresdner Duo Karin Gorniak und Hennie Sieland. Auch "Criminal Minds"-Fans kommen auf ihre Kosten. Und dennoch ist Serogoyens Film mehr, besser, geht tiefer, ist berührender, erschreckender, kurz: eigenständig, ja eigenwillig.

Eigenwillig deshalb, weil Serogoyen auf das hollywoodeske Happy End pfeift und sich und dem Film damit bis zum Ende treu bleibt. Das sorgt für Zwiespalt, ist aber der einzig richtige Weg, um "Die Morde von Madrid" zu einem besonderen Film zu machen - einem Thriller, der ganz harmlos beginnt, bis ein Ermittler eine nicht ganz alltägliche Frage stellt.

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Quelle: n-tv.de