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Bohannon (M) kehrt in der vierten Staffel von "Hell on Wheels" nach Cheyenne zurück. Da hat sich einiges verändert.
Bohannon (M) kehrt in der vierten Staffel von "Hell on Wheels" nach Cheyenne zurück. Da hat sich einiges verändert.(Foto: WVG Medien)
Freitag, 24. April 2015

"Hell on Wheels" ist das Gesetz: Der Wilde Westen, völlig zügellos

Von Thomas Badtke

Die transkontinentale Eisenbahn wird gebaut - koste es, was es wolle. Der Südstaatler Bohannon verfällt diesem Jahrhundertprojekt. Er ist nicht der Einzige. Es fließt Blut, Menschen sterben. Der Wilde Westen ist zurück - und das ist gut so.

Mit Produktionen wie "Breaking Bad" oder "The Walking Dead" hat der US-Kabelsender AMC maßgeblichen Anteil am neuen Goldenen Zeitalter der Fernsehserien. Das Erfolgsgeheimnis: Die Serien brechen mit den klassischen Seherfahrungen der Zuschauer - statt über 90 Minuten wie beim klassischen Hollywoodfilm werden ihre Handlungsstränge über ganze Staffeln hinweg ausgebreitet. Damit wird eine Erzähltiefe generiert, die man sonst nur von Romanen kennt.

Im Mittelpunkt stehen die Protagonisten mit all ihren kleinen Fehlern und Macken, die sie so menschlich machen und ihre Handlungen für den Zuschauer nachvollziehbar. Er kann sich in die Person hineinversetzen und fiebert umso mehr mit ihr mit. "Realistische Charaktere" heißt das im Fachjargon. Eine AMC-Serie, die all diese Vorzüge bis ins kleinste Detail in sich vereint, ist "Hell on Wheels".

Die vierte Staffel von "Hell on Wheels" ist wie die vorherigen bei WVG als DVD und Blu-ray erschienen.
Die vierte Staffel von "Hell on Wheels" ist wie die vorherigen bei WVG als DVD und Blu-ray erschienen.(Foto: WVG Medien)

Das Jahrhundertabenteuer transkontinentaler Eisenbahnbau bietet die Rahmenhandlung für die kleinen und großen Triumphe und Wild-West-Dramen. Und das kommt an: Seit 2011 läuft die Serie erfolgreich, die vierte Staffel erscheint jetzt in Deutschland bei WVG auf DVD und Blu-ray.

Mormonen und der liebe Staat

Der Südstaatler Cullen Bohannon (Ansons Mount) hat seinen Rachefeldzug gegen die Mörder seiner Familie endgültig abgeschlossen. Sein Augenmerk gilt nun voll und ganz dem Eisenbahnbau, genauer dem Streckenbau der Union Pacific durch den Wilden Westen. Allerdings hat es ihn in ein Mormonen-Fort verschlagen, wo er eine Frau zwangsheiraten musste, die ein Kind von ihm erwartet. Klingt alles ganz brauchbar, selbst in der damaligen Zeit, aber sein großer Widersacher aus der Vergangenheit ist ebenso vor Ort: "Der Schwede" (Christopher Heyerdahl) hat sich als Mormonen-Bischof im Fort eingenistet, den richtigen Bischof hat er kurzerhand umgebracht.

"Doc" Durant bekommt einen neuen mächtigen Gegenspieler.
"Doc" Durant bekommt einen neuen mächtigen Gegenspieler.(Foto: WVG Medien)

Während Bohannon nun für die Mormonen arbeiten muss, geht es beim Eisenbahnbau nur schleppend voran. Ein krachender Winter mit Eis und Schnee ist dabei das kleinste Problem. Indianerangriffe und die große Politik machen dem Eisenbahn-Enthusiasten Thomas "Doc" Durant (Colm Meaney) zu schaffen. Immer wieder gibt es neue Probleme. Sein derzeit größtes heißt John Campbell (Jake Weber).

Den hat man von ganz oben geschickt. Er ist der vorläufige Gouverneur Missouris - und er macht es sich in Cheyenne bequem. Cheyenne ist Durants zweites Baby. Hier soll einmal eines der größten Eisenbahn-Drehkreuze entstehen und Durant hat alle Fäden in der Hand: Das Land gehört ihm, die meisten Gebäude ebenso irgendwie, nichts geht ohne sein Okay - bis Campbell kommt, um für "Ordnung" zu sorgen und das "Gesetz" und die "Zivilisation" an diesen gottverlassenen Ort zu bringen.

John Campbell macht "Doc" Durant das Leben schwer.
John Campbell macht "Doc" Durant das Leben schwer.(Foto: WVG Medien)

Das wirbelt das Leben in der kleinen Western-Stadt gehörig durcheinander. Mit seinem handverlesenen Team lässt es Campbell gleich mehrfach krachen: Der Saloon wird "verstaatlicht", ein Mann, der einen Falschspieler erschossen hat, kurzerhand gehängt und natürlich bezirzt er die örtliche Zeitungsverlegerin, um ein Auge auf die Medienlandschaft zu haben.

Der Ärger wird aber noch größer, als Bohannon endlich die Flucht aus dem Mormonen-Fort gelingt und er nach Cheyenne zurückkehrt. Diese Stadt ist schon nicht groß genug für zwei Alpha-Männer, aber wenn dann noch ein Dritter auftaucht, ist Ärger programmiert. Und den gibt es dann auch - in typischer Wildwest-Manier.

Neue Charaktere, alte Bekannte

"Der Schwede" ist so verrückt wie immer - und auch so gefährlich.
"Der Schwede" ist so verrückt wie immer - und auch so gefährlich.(Foto: WVG Medien)

Die vierte Staffel von "Hell on Wheels“ wartet mit einigen Schocks für treue Fans auf. Klar, auch in den vorherigen Staffeln musste man den Tod liebgewonnener Darsteller verkraften. Daran führt auch diesmal kein Weg vorbei. Neue Protagonisten machen den Verlust dann wett - und sorgen wieder einmal für neue Sichtweisen: Galt bisher einzig und allein das Gesetz des Stärkeren, mischt sich nun mit dem Staat eine nach außen hin harmonisierende Macht ein, deren Skrupellosigkeit die von Durant noch um ein Vielfaches mehr übertrifft.

Menschenleben sind nun gar nichts mehr wert, scheint es. Dafür wird die Moralkeule kräftig geschwungen - etwas, das bis in die heutige Zeit in den USA fester Bestandteil der Gesellschaft geworden ist. So taucht ein homosexueller Cowboy auf - er überlebt nicht.

Und der Inbegriff des Söldners wird definiert: Sydney Snow (Jonathan Scarfe). Im Bürgerkrieg einst an der Seite Bohannons geritten, lässt er sich kurzerhand von der neuen Macht im Land zum Marshall ernennen und wird so die rechte Hand Campbells. Eine Hand allerdings, die dieser nie unter Kontrolle bekommt. Selbst Kirchen brennen. Und was macht man mit Händen, die einem nicht gehorchen wollen? In "Tanz der Teufel" greift man zur Kettensäge, in "Hell on Wheels" werden aus Feinden plötzlich Verbündete - für einen begrenzen Zeitraum versteht sich.

Und Durant? Der wird bei all dem immer mehr zum Sympathieträger der Serie - neben Bohannon, versteht sich. Und wer kann von sich schon behaupten, das Tun eines gnadenlosen Kapitalisten gutheißen zu können? Man entdeckt doch immer wieder neue Seiten an sich selbst. Danke, liebes Fernsehen!

Kongenialer Cliffhanger

Danke auch für den kongenialen Cliffhanger am Ende der vierten Staffel. Selten hat ein solcher so viel Lust auf die nächste Staffel gemacht. Die fünfte wird dann auch den Abschluss der "Hell on Wheels"-Saga liefern. Er wird glorreich sein - und wieder neue und faszinierende Seiten des Wilden Westens offenbaren. Zur Hölle nochmal!

"Hell on Wheels": Wie alles begann ...

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Quelle: n-tv.de