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Marokkaner, Gangster, Kickboxer Der "Wolf" kämpft sich durch

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Majid (M.) scheint keine Angst zu kennen.

(Foto: Capelight)

Majid ist jung, kriminell und aggressiv. Schulabschluss? Fehlanzeige. Wenn es Probleme gibt, löst er sie mit den Fäusten. Er träumt vom schnellen Geld und einem BMW. Als der türkische Mafia-Boss und Box-Promoter Hakan auf ihn aufmerksam wird, scheint sein Weg klar.

"Wie ist das eigentlich, jemand zu Brei zu schlagen? Hm?" "Ich spür nichts. Manchmal muss es sein. Wenn einer den Harten macht oder so, dann muss ich ihn alle machen. Sonst geht’s nicht weiter. Ich kann nicht in den Spiegel gucken", sagt Majid (Marwan Kenzari) lapidar. Davor hat er den schwarzen Begleiter seiner Freundin, einen kleinen Drogendealer wie er denkt, übel zusammengeschlagen. Tessa (Bo Maerten) ist seine Freundin. Sie gehört ihm. Daran hat sich auch nach einem sechsmonatigen Aufenthalt im Gefängnis nichts geändert. Nun ist Majid wieder frei, auf Bewährung, zurück in den rauen Straßen Utrechts.

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Majid will schnelles Geld und Reichtum, aber keine ehrliche Arbeit.

(Foto: Capelight)

Er kämpft sich durchs Leben. Hängt hier mal mit seinem besten Kumpüel Adil (Chems Eddine Amar) rum, einem Dummschwätzer und Großmaul vorm Herrn. Gemeinsam drehen sie kleine Dinger und träumen vom großen Geld. Der 3er BMW hat hier noch seinen Reiz. Aber zu Beginn muss ein Motorrad reichen, das auch noch nach Mofa aussieht. Aber ein bisschen daran gefriemelt und schon fährt die Karre 90.

Andere Zeiten, andere Sitten

Majids Bewährungsauflagen sehen vor, dass er in einem Blumengroßhandel arbeitet - wie einst sein Vater. Der kam vor 30 Jahren aus Marokko in die Niederlande. Er arbeitete hart, damit es seine Söhne Hamza, Majid und Tarik einmal besser haben sollen. Majids ältester Bruder Hamza schlägt dann auch den Weg seines Vaters ein: harte, ehrliche Arbeit. Gebracht hat ihm das aber nichts, denn er liegt mit Krebs im Krankenhaus. Majid besucht ihn oft und sieht, wie er dahinsiecht, ohne Chance auf Besserung. Tarik ist noch ein Kind, leicht beeinflussbar, aber er hört auf seinen Vater. Majid tut das nicht.

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"Wolf" ist bei Capelight auf Blu-ray und DVD erschienen.

(Foto: Capelight)

Er taucht nur ab und an zu Hause auf, bringt seiner Mutter etwas Geld, versteckt den Rest im Zimme r seines kleinen Bruders. Mit seinem Vater gibt es nur Stress. Majid wird sogar handgreiflich. Das führt dazu, dass Majid vom Vater verstoßen wird.

Durchboxen und ...

Und wieder rastet Majid aus. Wenn er ein Problem hat, löst er es mit Gewalt. Mit brutaler Gewalt. Als Kind ist er über das Judo zum Kickboxen gekommen. Er könnte auch damit reich werden. Spätestens dann als der türkische Mafiosi Hakan (Cahit Olmez) auf ihn aufmerksam wird. Er ist auch Box-Promoter. Und so bietet er Majid gutbezahlte Jobs an, nimmt ihn mit in die Türkei, zeigt ihm, was er sich, der "kleine Kümmeltürke" von einst, aufgebaut hat: Er besitzt mehrere Hotels.

Aber auch mit Hakan verscherzt es sich Majid. Schuld ist wieder einmal sein Temperament. Und so läuft es am Ende auf den letzten großen Kampf seines Lebens hinaus, einen Kampf, der sich bereits zu Filmbeginn erahnen ließ. Aber das Ende ist völlig offen.

... durchhalten

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Im Kickboxring schafft es Majid bis zum Profikampf.

(Foto: Capelight)

Das offene Ende ist es dann auch, dass das Drama des niederländischen Regisseurs Jim Taihuttu besonders macht. Der Film muss nicht in den Niederlanden spielen. Taihuttus Majids gibt es auch in nahezu jeder deutschen Großstadt: Keinen Schulabschluss, auf der Suche nach Anerkennung, schnellem Geld und Wohlstand rutschen sie ins kriminelle Milieu ab. Die wenigsten schaffen es dort wieder heraus.

Taihuttu gibt Majid mehrmals die Möglichkeit dazu: Dank seines Vaters hat er im Blumengroßmarkt die Chance, sich hochzuarbeiten. Das ist mühsam, zeitraubend und reich wird man davon auch nicht. Aber es ist ehrliche Arbeit. Majid entscheidet sich dagegen. Er könnte Profi-Kickboxer werden. Das Talent dazu hat er zweifelsohne. Er muss dennoch hart trainieren, zwei Mal am Tag, sagt sein Trainer. Aber auch das schafft Majid nicht. Das die Beziehung zu Tessa in die Brüche geht, wenn man sie überhaupt als Bezeiehung bezeichnen kann, ist selbsterklärend.

Authentisch

So bekommt Majid zwar immer wieder eine Chance auf ein besseres Leben aufgezeigt, aber früher oder später verbaut er sie sich wieder. Als Zuschuer wünscht man Majid zu Filmbeginn noch ein Happy End. Doch die Sympathien für ihn nehmen ab, je mehr Gewalt ins Spiel kommt. Majid kann nicht aufhören, wenn jemand bereits am Boden liegt.

Warum das so ist, lässt Taihuttu offen - wie so vieles. Dadurch erspart er sich die Sozialkritik oder eine schärfere Charakterzeichnung der Hauptdarsteller. "Wolf" begleitet vielmehr Majid, zeigt ein paar Wochen seines Lebens, gezeichnet in Schwarz, Weiß - und tristestem Grau. Aber das macht den Film ehrlich und bei aller Gewalt auch authentisch und sehenswert.

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Quelle: ntv.de