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Auf Menschenjagd an US-Grenze "Desierto": Willkommen im Land der Freiheit!

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Jeffrey Dean Morgan brilliert in der Rolle des schießwütigen Rednecks Sam.

(Foto: Carlos Somonte)

14 Mexikaner wollen in die USA flüchten. Sie müssen durch die Badlands, ein unwirtliches Stück Land, bei sengender Hitze. Aber das ist nicht ihr größtes Problem - das heißt Sam, hat ein modernes Jagdgewehr und einen Bluthund an seiner Seite.

Alle Flüchtlinge weltweit eint die Sehnsucht nach einem besseren Leben. Für sich selbst, aber mehr noch für ihre Kinder. Während Europa über Lösungen diskutiert, zieht Donald Trump das Thema in den US-Präsidentschaftswahlkampf: Wenn es nach ihm geht, soll künftig eine Mauer Mexiko von den USA trennen. Das löst das Migrantenproblem bei Weitem nicht, ist aber populistisch - und kommt vor allem bei den großmäuligen US-Rednecks an. Rednecks wie Sam (Jeffrey Dean Morgan; "Possession", "Texas Killing Fields").

Sam lebt am Rand der Badlands, einem unwirtlichen US-Grenzgebiet zu Mexiko. Wüste, Hitze, Dreck. Das ist seine Heimat. Sein einziger Freund ist Tracker, eine Maschine von einem Jagdhund. Er hört auf jedes von Sams Worten. Die Polizei tut das nicht.

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Die tödliche Hatz ist eröffnet.

(Foto: Maria Grinda)

Als er einem Polizisten von Spuren mehrerer mexikanischer Migranten berichtet, die er während einer Kaninchenjagd entdeckt hat, nimmt der das nur achselzuckend zur Kenntnis. Danach will er wissen, ob Sam für sein Jagdgewehr einen Waffenschein hat. Nach einem kleinen Wortwechsel steigen beide Männer in der sengenden Hitze von fast 50 Grad wieder in ihre Wagen und fahren davon - jeweils mit Verwünschungen für den anderen auf den Lippen.

Tödliche Hetzjagd

Die Spuren, auf die Sam gestoßen ist, gehören zu einer Gruppe Mexikaner, die in den Badlands gestrandet sind. Ihr Bus, der sie ins gelobte Land fahren sollte, hatte zuvor den Geist aufgegeben. Von da an irren die elf durch die Gegend. Rennend, ohne Pause, einem besseren Leben entgegen.

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Moises gibt den Widerpart von Sam in "Desierto".

(Foto: Ascot Elite)

Sie stoßen auf Sam, der "seine Heimat" nun eigenhändig verteidigt. Aus sicherer Entfernung knallt er einen nach dem anderen ab - wie Kaninchen. Die Flüchtenden haben keine Chance. Nur eine kleine Gruppe, die bei dem eingeschlagenen Tempo doch mal eine Pause macht, entkommt. Vorerst. Doch Tracker hat ihre Fährte bereits aufgenommen. Und so geht die tödliche Hetzjagd in der Hitze der Badlands weiter.

Der junge Moises (Gael Garcia Bernal; "Die Reise des jungen Che") zeigt dabei den größten Überlebenswillen. Er war bereits einmal im "gelobten Land". In Oakland wartet sein kleiner Sohn auf ihn. Das reicht als Ansporn und Moises versucht alles, um Tracker und Sam zu entkommen. Eine reelle Chance hat er nicht, also muss er sie nutzen.

Ein überragender Jeffrey Dean Morgan

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"Desierto" erscheint am 21. Oktober bei Ascot Elite.

(Foto: Ascot Elite)

Das ist der Plot von "Desierto" und er könnte aktueller nicht sein. In Mexiko sterben jedes Jahr Tausende in den Drogenkriegen. Eine Flucht in die USA verspricht Sicherheit, vielleicht sogar Arbeit, ein besseres Leben. Schleuser reiben sich die Hände. Ob die Migranten am Ende in den Staaten ankommen, ist den meisten von ihnen egal - ihr Geld nehmen sie sich im Voraus.

Die große Politik interessiert das Problem nur am Rand. Das Ganze ist zu weit weg von Washington, Trump hin oder her. Umso höher ist es dem mexikanischen Regisseur JJonas Cuaron anzurechnen, dass er sich des Themas angenommen und es sehenswert in Szene gesetzt hat. Cuaron schrieb auch das Drehbuch zu "Desierto", seinem ersten Film.

Es wird mit Sicherheit nicht sein letzter gewesen sein. Zu stark, zu aufwühlend, zu fesselnd kommt "Desierto" dafür daher. Als Zuschauer ist man von der ersten bis zur letzten der knapp 90 Minuten mittendrin: Man hofft, man bangt, man flucht, man zittert, man betet. Man fühlt schlicht und einfach mit. Mit Moises. Mit den anderen Flüchtenden.

Dass man als Zuschauer selbst Sam eine sympathische Seite abgewinnen kann, so komisch das auch klingen mag bei einem kaltblütigen Mörder, liegt allein an der schauspielerischen Leistung Jeffrey Dean Morgans. Heruntergekommen, mit Jeans, Cowboyhut und moderner Jagdflinte mimt er den US-amerikanischen Redneck par excellence. Die Gesellschaft hat ihn fallenlassen. Das Leben ist an ihm vorbeigezogen, hat ihn ausgelacht. Und dennoch: Das wenige, was er hat, verteidigt er bis aufs Letzte. Die Sehnsucht nach einem besseren Leben - sie steckt eben in jedem von uns.

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Quelle: ntv.de