Unterhaltung
Die Hexe hat Hunger.
Die Hexe hat Hunger.
Mittwoch, 09. Mai 2018

Es war einmal: "Die Hexe" holt eure Kinder!

Von Thomas Badtke

Als Jess das Haus aus dem 17. Jahrhundert erwirbt, um ein eigenes B&B zu eröffnen, ahnt sie von der düsteren Vergangenheit des alten Gemäuers nichts: Die Erstbesitzerin wurde der Hexerei bezichtigt und verbrannt. Das Haus gilt seitdem als verflucht.

Jess (Elise Couture) wünscht sich nichts sehnlicher, als ein eigenes Bed&Breakfast zu betreiben. Ein schickes Häuschen mit mehreren Gästezimmer, viele nette Leute, die eine Menge Geschichten zu erzählen haben - das wär's. Dan (Michael Reed) will dem Traum seiner hübschen, dunkelhaarigen Frau nicht im Wege stehen, und als sich die Möglichkeit ergibt, schlagen sie beide zu.

"Knusper Knusper Knäuschen ...": "Modernes" Hexenhaus
"Knusper Knusper Knäuschen ...": "Modernes" Hexenhaus

Bei dem Objekt ihrer Begierde handelt es sich um ein jahrhundertealtes Haus. Die Vorbesitzerin nutzte es bereits als B&B, muss aber wegen ihres Alters und Gesundheitszustands in eine Pflegeeinrichtung. Das Haus ist aber nicht nur deshalb preisgünstig - ein paar Instandhaltungsarbeiten und Aufhübschungsmaßnahmen sind fällig.

Es war einmal eine alte Hexe

Jess ist glücklich, ihr Traum hat sich erfüllt. Und gemeinsam mit Dan macht sie sich daran, das altehrwürdige Gemäuer wieder auf Vordermann zu bringen. Auf die Idee, dass der Preis so niedrig war, weil etwas mit dem Haus nicht stimmen könnte, kommt sie aber nicht. Ein nächtlicher Zwischenfall rüttelt sie etwas auf.

Als Jess' größter Wunsch in Erfüllung geht, verändert das ihr Leben von Grund auf - und nicht zum Besten.
Als Jess' größter Wunsch in Erfüllung geht, verändert das ihr Leben von Grund auf - und nicht zum Besten.

Jess und Dan schlafen friedlich nach getaner Arbeit, als sie ein Geräusch weckt. Sie schrecken auf. Jess schreit. Vor ihrem Bett sitzt die alte Vorbesitzerin und brabbelt etwas vor sich hin. Es klingt wie: "Passt auf die Kinder auf!" Dan fragt sich, wie die Alte ins Haus gekommen ist. Wie ist sie vom meilenweit entfernt liegenden Pflegeheim hierhergekommen? Und: Was soll der ganze Terz eigentlich? Eine wirkliche Antwort bekommen er und Jess nicht. Die Alte wird wieder ins Pflegeheim gebracht und Dan und Jess vergessen den nächtlichen Zwischenfall recht schnell.

Als Dan dann beruflich weg muss, bleibt Jess allein in dem Riesenhaus. Sie ackert weiter, schrubbt und putzt. Ein Zimmer hat es ihr dabei besonders angetan. Es weckt ihr Interesse an der Geschichte des Hauses und sie beginnt nachzuforschen: Das Haus stammt aus dem 17. Jahrhundert. Eine Hebamme wohnte darin, die, als mehrere Kinder verschwanden, der Hexerei bezichtigt und verbrannt wurde. Jess fällt der Satz der kauzigen Alten ein, die nun im Pflegeheim ihrem Ende entgegensieht. Aber es ist schon zu spät. Etwas Böses ist im Haus, war schon immer hier - und Jess beginnt, sich zu verändern.

Guter, alter Horror

"Die Hexe" ist bei Tiberius erschienen.
"Die Hexe" ist bei Tiberius erschienen.

Die Story von "Die Hexe" klingt erst einmal nicht nach "Hänsel und Gretel" der Gebrüder Grimm. Allerdings greift der Film der Regisseure Michael und Shawn Rasmussen (Autoren von John Carpenters "The Ward") zum altehrwürdigen Märchenstoff: Statt eines Pfefferkuchenhauses ist es nun ein B&B; statt der alten, verrunzelten Hexe mit Warzennase ist es eine bildhübsche junge Frau mit dunklem Haar. Brotkrumen wiederum sucht man vergebens.

"Die Hexe" ist kein Slasher-Movie, sondern punktet mit viel Suspense und klassischen Horrortugenden, die die Fantasie des Zuschauers stimulieren. Allerdings weckt das auch Erwartungen. Der eine oder andere Zuschauer könnte am Ende etwas enttäuscht sein. Zudem fallen kleinere Unstimmigkeiten auf: beispielsweise haben Dan und Jess einen Hund, der allerdings erst vergleichsweise spät im Film eingeführt wird, und dessen Rolle im weiteren Verlauf völlig im Unklaren bleibt. Die Rasmussens hätten ihn einfach weglassen sollen.

Dennoch: So wie Jess sich schon immer ein eigenes B&B gewünscht hat, wünscht sich der Zuschauer, dass es einen weiteren Nachfolgefilm geben sollte. Das Ende gibt es auf alle Fälle her.

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Quelle: n-tv.de