DVD

"Hidden in the Woods" Dieser Film macht keine Gefangenen

71987YuXmlL__SL1500_.jpg

Michael Biehn in einer seiner verabscheuungswürdigsten Rollen.

(Foto: Tiberius)

Ein abgelegenes Haus. Zwei Mädchen, ein Vater. Häusliche Gewalt, Missbrauch, Inzest, Drogen. Ein Liebesfilm wird das nicht. Regisseur Valladares macht daraus aber einen Film, der sich zu sehen lohnt. Wenn man die ersten 15 Minuten übersteht.

15 Minuten: In dieser Zeit muss sich der Zuschauer entscheiden, ob er "Hidden in the Woods" eine Chance gibt oder nicht. 15 Minuten: Mehr braucht das Werk von Regisseur Patricio Valladares nicht, um Bauchschmerzen und Unwohlsein beim Zuschauer auszulösen. Läppische 15 Minuten.

81MRQzAb8EL__SL1452_.jpg

Die drei Sympathieträger des Films.

(Foto: Tiberius)

In dieser Zeitspanne entführt "Hidden in the Woods" den Zuschauer in die chilenische Pampa. In ein abgelegenes Haus, in dem eine Familie wohnt: Vater, Mutter und ihre zwei kleinen Töchter. Zuerst stirbt die Mutter. Dann wird der Vater aggressiv, gewalttätig, er verprügelt und missbraucht seine älteste Tochter Ana. Die bekommt daraufhin einen geistig zurückgebliebenen Sohn.

Aber das ist noch längst nicht alles. Elf Jahre später leben die Mädchen und der Junge immer noch beim Vater. Der arbeitet für einen lokalen Drogenboss. Der hat auch ein Interesse an den Mädchen. Macht das dem Vater gegenüber auch sehr deutlich. Als dann zwei Polizisten bei dem Haus auftauchen und der Zuschauer die Rettung der Mädchen und des Jungen herbeisehnt, greift der Vater zur Kettensäge und am Ende gibt es ein Blutbad in Polizeiuniform, einen angeschossenen Vater und drei Kinder, die flüchten.

Die Welt ist schlecht

Das sind die ersten 15 Minuten von "Hidden in the Woods". Bei "True Detective" reicht das für eine ganze Staffel. Als Zuschauer hat man das Schlimmste nun überstanden, denkt man. Man bleibt dran, will wissen, ob die drei Flüchtenden es schaffen. Ob sie ihr altes Leben hinter sich lassen und ein neues beginnen können. Aber zunächst führt die Flucht sie in ein weiteres abgelegenes Haus, wo sie sich verschanzen. Einen Teil des Weges legen sie per Anhalter zurück, im Auto einer Frau.

71sm06JZngL__SL1500_.jpg

Wahnsinnig gute Darstellung, wahnsinnig böse Figur: Michael Biehn spielt den "Vater".

(Foto: Tiberius)

Der Vater hat inzwischen den Drogenboss angerufen und droht ihm damit, die Bullen auf den Hals zu hetzen und ihn ans Messer zu liefern, wenn er ihm nicht schleunigst hilft. Kein netter Zug nach all den Jahren der beidseitig gewinnbringenden Zusammenarbeit.

Der Drogenboss verspricht Hilfe und, macht aber gleichzeitig Jagd auf ihn. Der Vater erschießt noch ein paar Leute, ehe er im Knast landet. Der Drogenboss will an seinen Stoff ran und den Vater mit der Entführung der drei Kinder erpressen. Das wiederum stößt dem sauer auf. Nach einem Mordversuch flüchtet er und nun sind den beiden Mädchen und dem Jungen nicht nur die Schergen des Drogenbosses auf den Fersen, sondern auch noch ihr zu allem bereiter Vater. Das kann kein gutes Ende nehmen ...

Viel Gewalt und ein wenig Herz

81v1gh-tkRL__SL1203_.jpg

"Hidden in the Woods" ist bei Tiberius erschienen.

(Foto: Tiberius)

Insgesamt ist "Hidden in the Woods" rund 100 Minuten lang. Der Zuschauer hat nur Sympathien für die beiden Mädchen und den Jungen. Der Rest von Valladares Welt ist einfach nur böse. Egal, ob Mann oder Frau. Es wird geflucht, geschlagen, gefoltert, geschossen, gemordet - und geschnitten. Der Film kommt zwar als FSK 18 auf den Markt, insgesamt sollen ihm aber rund sechs Minuten fehlen. Teilweise sind die Schnitte sehr sichtbar gesetzt. So richtig störend ist das nicht.

Herauszuheben neben der schauspielerischen Leistungen, ja, das ist ernst gemeint, des Vaters (Michael Biehn; "Terminator", "Alien", "Abyss") und der ältesten Tochter Ana (Evie Thompson; "The Call - Leg nicht auf"), ist vor allem die Figur des Drogenbosses. Onkel Costello (William Forsythe; "The Rock", "The Devil's Rejects") heißt er, scheint auch verwandt mit der Familie zu sein und ist für die knackig-witzigen Dialoge verantwortlich, aller Gewalt zum Trotz. So erschießt er einen seiner Handlanger urplötzlich. Der Grund: "Ich hasse Typen, die zum falschen Zeitpunkt lachen." Das hat was. Ist aber auch der mit Abstand einzige Anflug von Humor in "Hidden in the Woods".

Der starke Tobak der Story - Missbrauch, Inzest, Drogenhölle, die ganze Welt ist schlecht - relativiert sich im Lauf des Films etwas. Blendet der Zuschauer die ersten 15 Minuten aus, bleibt ein Fluchtdrama mit schauspielerisch ansehnlichen Leistungen übrig - zugegeben, immer noch gewürzt mit einer Menge Gewalt und klar verteilten, fast schon platten, Rollenbildern.

Das Filmende kann der Zuschauer erahnen, liefert der Story dennoch einen gewissen Schluss-Kick. Den können aber nur all jene genießen, die sich nach den ersten 15 Minuten von "Hidden in the Woods" entschieden haben, dem Film eine Chance zu geben. Geben sie sich einen Ruck, es lohnt sich!

"Hidden in the Woods" bei Amazon bestellen

Quelle: ntv.de