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"Fear comes home" Bleib versteckt! Bleib ruhig! Bleib am Leben!

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Wenn es nur ums nackte Überleben geht, kann man sich da Menschlichkeit noch erlauben?

(Foto: Tiberius)

Eine Plage rafft die Menschheit binnen kürzester Zeit dahin. Die Überlebenden kämpfen Tag für Tag ums Überleben. Familienvater Jack hat dafür eine eiserne Regel. Als seine kleine Tochter diese bricht, scheint das Ende nahe. Fear the apocalypse - im Heimkino.

Es geht schnell. Sehr schnell. Zu schnell. Für alle: Eine Seuche verschlingt die Welt, wie wir sie kennen. Ohne Gegenmittel können auch die Regierungen nichts tun, um ihre Bürger zu schützen. Binnen kürzester Zeit ist die Erde vom Gros der Menschen befreit. Wer bisher am Leben ist, kann morgen schon tot sein. Jack (Carter Roy; "Found Footage 3D") ist sich dieser Situation nur allzu bewusst, denn Frau Nell (Amy Ruthberg; "Daredevil") und Tochter Birdie (Eva Grace Kellner) sind noch am Leben. Das ist alles, was momentan noch zählt.

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Die Angst ist bei "Fear comes home" allgegenwärtig.

(Foto: Tiberius)

Jacks Leben ist von einer eisernen Regel bestimmt:"Bleib versteckt! Bleib ruhig! Bleib am Leben!" Was so simpel klingt, gestaltet sich in der Realität schwierig. Die kleine Birdie will raus in den Garten, um zu spielen. Nell fällt zusehends die Decke auf den Kopf. Und so muss Jack seine beiden Liebsten immer wieder mit harschen Worten in die Schranken weisen, sie daran erinnern, worum es letzten Endes Tag für Tag geht: um ihr nacktes Überleben.

Der kleinste Fehler kann tödlich sein

Die Familie hat sich in einem Haus verschanzt. Strom gibt es nicht mehr. Nahrung und Wasser sind ebenso knapp wie Benzin, Batterien oder Medikamente. Jack muss daher immer wieder raus in eine todbringende Umwelt. Die Seuche, die Plage, der Virus - er kann überall lauern. Ebenso wie Plünderer oder marodierende kleine Banden. Sie leben nicht nach Jacks eiserner Regel, sondern nach dem Recht des Stärkeren. Deshalb soll Birdie nicht im Garten spielen. Deshalb soll seine Familie möglichst ruhig sein. Wird die Familie entdeckt, ist das ihr sicheres Todesurteil.

Bei all diesen Gefahren versucht Jack menschlich zu bleiben. Und so gehören zu der kleinen Familie auch der Freund Kyle (Chris Kies; "A Little Closer") und ein Fremder, den Jack mit einem gebrochenen Bein auf der Straße aufgegabelt und damit vor dem sicheren Tod bewahrt hat: Russell (Sebastian Beacon; "Bull"). Drei Männer, eine Frau, ein Kind, ein Haus - und der Versuch, auch in den schrecklichsten Zeiten Moral und Würde nicht über Bord zu werfen.

Dann passiert, was früher oder später passieren musste: Jack ist unterwegs, Nell erlaubt Birdie, ein paar Minuten im Garten frische Luft zu schnappen. Das Mädchen wird entdeckt und schon bald belagert eine Bande das Haus. Es sind zu viele, erkennen Jack und Kyle. Eine Flucht erscheint als einziger Ausweg. Russell hat auch schon eine Idee, wo es hingehen könnte: ein Ort, der Hoffnung und Rettung gleichermaßen verspricht. Wo es Schutz geben soll, ebenso wie Nahrung, Wasser und Medikamente. Russells Bruder soll dort leben. Und nach einem kurzen Feuergefecht ist die kleine Gruppe Überlebender auf dem Weg ins Ungewisse - und Jacks eiserne Regel gilt nicht mehr.

Passt perfekt in die Corona-Zeit

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"Fear comes home" erscheint am 30. April digital und ab 7. Mai auf DVD und BD.

(Foto: Tiberius)

Was Regisseur Andrew Robertson ("The Battle for Georgia") mit "Fear comes home" (im Original: "The Mansion") geschaffen hat, ist ein Apokalypse-Horrorthriller par excellence. Die Stimmung ist bereits ab der ersten Minute beklemmend: düstere Vorstadthäuser, völlige Dunkelheit, absolute Stille. Als Zuschauer weiß man sofort: Hier stimmt etwas nicht. Was folgt, sind ein paar Minuten der Aufklärung: Man hört von etwas, das plötzlich über die Menschheit hereingebrochen ist, das ihr keine Chance zur Gegenwehr gelassen hat. Danach dreht sich alles ums nackte Überleben.

Bei "Fear comes home", der bereits 2013 fürs Kino erschien, fühlt sich der Zuschauer an Genrehits wie "28 Days Later", "The Walking Dead", "The Purge" oder auch den späteren "You're Next" erinnert. Dabei kann sich Hauptdarsteller Carter Roy durchaus mit Größen wie Cillian Murphy oder Ethan Hawke messen.

Regisseur Robertson wirft zeichnet mit seinem Film aber nicht nur eine postapokalyptische Düsternis. Er wirft mit dem Plot auch die Frage auf: Kann ich mir beim Kampf ums Überleben so etwas wie Menschlichkeit oder einen moralischen Kompass leisten? Oder schieße ich mir damit letzten Endes nicht selbst ins Knie? Robertsons Antwort ist eindeutig: Man kann nicht, man muss! Nur weil Jack Russell rettet, kann dieser seine Zweifel über den geheimen Zufluchtsort ausräumen, denn Russell kennt den Ort, hat ihn schon gesehen, war schon dort. Nur durch Russells Rettung hat Jacks kleine Familie am Ende eine Chance, zu überleben.

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"Fear comes home" ist daher wie für die derzeitige Zeit gemacht: Er ist ein Appell an Solidarität, an menschliches Miteinander, an Moral. Großes Heimkino eben.

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Quelle: ntv.de