Unterhaltung
Die Details! Die Details sind wichtig!
Die Details! Die Details sind wichtig!
Freitag, 10. November 2017

Eleanor, mehr als "die Frau von": "Es wird kein Mann Sie glücklich machen"

Dass unter dem Namen Coppola erfolgreiche Filme gedreht werden, bewies bislang nicht nur Regie-Legende Francis Ford, sondern ebenso Tochter Sofia. Neu ist jedoch, dass nun auch Eleanor Coppola Platz auf dem Regiestuhl genommen hat: Mit 81 Jahren bannt die Ehefrau von Francis und Mutter von Sofia ihr Spielfilmdebüt "Paris kann warten" auf Celluloid. Es ist eine Beziehungs-Geschichte - und Ähnlichkeiten mit dem eigenen Leben Coppolas sind gar nicht mal so rein zufällig: Im Anschluss an einen Geschäftstermin in Cannes wollen sich Hollywood-Produzent Michael Lockwood (Alec Baldwin) und seine Frau Anne (Diane Lane) ein paar freie Tage im Süden Frankreichs gönnen.

Michael hat noch keine Ahnung, wie sehr seine Frau diese Fahrt genießen wird.
Michael hat noch keine Ahnung, wie sehr seine Frau diese Fahrt genießen wird.

Doch Michael wird in Budapest verlangt. Anne kann oder will ihn auf diesem Trip nicht begleiten und findet in Jacques (Arnaud Viard), dem französischen Geschäftspartner von Michael, einen Fahrer, der nur zu gern seine Chauffeurdienste anbietet, schließlich sind es nur ein paar Stunden Fahrt nach Paris. Aber Jacques hat es alles andere als eilig und lässt keine Gelegenheit aus, der attraktiven Amerikanerin die Vorzüge Südfrankreichs nahe zu bringen - und hemmungslos in seinem Cabrio mit ihr zu flirten.

Anne bleibt zunächst auf Distanz, fühlt sich von den Avancen ihres lebenslustigen Begleiters aber durchaus geschmeichelt. Bald schon muss sie sich eingestehen, dass sie es genießt, mit Jacques durch das Land zu reisen. Aus dem kurzen Trip werden schließlich zwei Tage, in denen sich die beiden immer näher kommen.

Im Interview mit Eleanor Coppola erfahren wir mehr über ihre Hauptdarstellerin, die wunderbare Diane Lane, ob die Geschichte Parallelen zu Coppolas wirklichem Leben an der Seite einer Regie-Legende aufweist, und was ihre nächsten Pläne sind.

Die Familie: Eleanor, Sofia, Francis Ford.
Die Familie: Eleanor, Sofia, Francis Ford.(Foto: REUTERS)

n-tv.de: Mrs Coppola, Ihr Film heißt "Paris kann warten" - gibt es Dinge im Leben, die auf keinen Fall warten können? 

Eleanor Coppola: (lacht) Die Idee an dem Film war, dass man sich mal Zeit nimmt. Wir kleben alle an unseren Telefonen, sind gefangen in Terminen, lernen Zeitmanagement, und dabei träumen wir alle davon, endlich auszubrechen. Um die Momente des Lebens zu genießen. Meine Botschaft ist: Lasst das Leben nicht an euch vorbeirauschen! Man sollte sich wirklich mal Zeit nehmen. Für einen selbst und für seine Lieben. Für ein Glas Wein, einen Museumsbesuch, ein Eis (lacht). Es sind die kleinen Dinge, die einen glücklich machen, so abgedroschen das klingt.

Der Film transportiert das auf jeden Fall, er entschleunigt.

Oh, danke, dann habe ich da ja etwas richtig gemacht (lacht).

Andere Länder andere Sitten, ist so ein Sprichwort, kennen Sie das auch?

Oh ja, und es ist stimmt auch.

Was hat Sie so an Frankreich fasziniert, dass Ihr erster Spielfilm dort beheimatet ist?

Alles riecht besser in Frankreich ...
Alles riecht besser in Frankreich ...

Das Essen! Wissen Sie, die Erdbeeren haben ein ganz andere Farbe, sie schmecken ganz anders, besser, süßer. Auch die Blumen duften besser, nicht wie ein Kühlschrank, sondern so, wie Blumen riechen müssen. Ich denke außerdem, dass die europäische Kultur ganz anders ist. Man nimmt sich mehr Zeit, zumindest habe ich diesen Eindruck in Frankreich und Italien, in Deutschland kenne ich mich leider nicht so gut aus. Ihr Europäer kümmert euch darum, dass der Käse echt ist, und nicht so etwas Labbriges, das nach Plastik aussieht.

Wann waren Sie denn das erste Mal in Frankreich?

Als ich noch ins College ging. Da war ich ein Jahr in Frankreich. Muss 1959 gewesen sein oder so. Und dann war ich immer wieder da. Leider spreche ich trotzdem überhaupt keine Fremdsprache.

Gemeinsam im Auto zu sitzen hat etwas sehr Intimes, finde ich: Man sitzt länger nebeneinander, ohne sich wirklich bewegen zu können, und bewegt sich dennoch fort, in eine gemeinsame Richtung.

Oh ja, ich liebe das! Man kann sich gut kennenlernen, denn obwohl man sich so nah ist, guckt man sich ja nicht an, weil man auf die Straße achtet. Und dann erzählt man sich vielleicht Dinge, die man sonst nicht erzählen würde. Sehr interessant (lacht). Das ist eine emotionale Freiheit, die man sonst nur ganz selten hat.

Wie jetzt - zwei Tage bis nach Paris?
Wie jetzt - zwei Tage bis nach Paris?

Man ist in einer Kapsel, isoliert vom Rest der Welt.

Am besten ist es dann noch, wenn man keinen Empfang hat und das Telefon nicht klingelt. Man kann vollkommen aus seinem Leben ausbrechen.

Die Situation - Mann übernimmt wortwörtlich das Steuer, er zeigt den Weg, er bestimmt, wo und was gegessen wird, wo übernachtet wird, er kauft aber auch Erdbeeren am Wegesrand, Blumen, macht Komplimente - ist das nicht der heimliche Traum einer jeden Frau?

(lacht) Ich denke, eine Frau wünscht sich einen Mann, der aufmerksam ist, der ihre Wünsche von den Augen abliest, dessen Welt sich nur um sie dreht, der aus einer beiläufigen Bemerkung herausliest, was die Frau wirklich will - aber wann ist Ihnen das das letzte Mal passiert?

Oh, naja, ich denke, Sie erzählen da ein Märchen.

Das stimmt wohl (lacht).

Sich einfach mal die Zeit nehmen - gar nicht so leicht.
Sich einfach mal die Zeit nehmen - gar nicht so leicht.

Irgendwann bricht die Realität sich wieder ihre Bahn, zum Beispiel, weil er einmal in der Stunde anhält zum Rauchen.

Ja, das ist nicht sonderlich romantisch.

Sie haben Diane Lane in ein fantastisches Licht gesetzt. Warum Diane Lane? Wobei die Frage eigentlich heißen müsste: Warum nicht Diane Lane in allen anderen Filmen auch?

Sie ist einfach brillant! Frauen in ihrem Alter (Anm.d.Red.: Diane Lane ist 52 Jahr alt) spielen sonst immer die Mutter. Ich wollte ihr eine andere Möglichkeit geben. Sie hat eine Qualität, die anderen Frauen - aus jedem Blickwinkel - sagt: "Ich bin eine von euch". Man kann sich mit ihr identifizieren. 

Ich finde sie großartig seit "Streets of Fire", das war 1984. Sie macht sich in meinen Augen jedoch viel zu rar.

Ja, ich denke, sie hat sich ihre Rollen immer ganz genau ausgesucht. Sie spielt aber auch viel Theater.

Die Idee, Fotos zu machen - was Diane Lane die ganze Fahrt über tut - und sie dann quasi im Vergleich mit Gemälden zu zeigen - wie sind Sie darauf gekommen?

Ich habe versucht, ein paar Details aus meinem Leben einfließen zulassen, und Fotos mache ich auch ständig. Ich liebe es, so etwas Charakteristisches einzufangen. Zum Beispiel Stoff. Ich kaufe überall auf der Welt Stoff. Aber ich drifte vom Thema ab, Entschuldigung. Ich könnte ewig über Stoff sprechen.

Sie haben eine große Familie - wie wichtig ist gutes Essen für Sie?

Wir haben ja italienische Wurzeln, deswegen ist gemeinsames Essen wichtig. Auch gemeinsam kochen ist gut. Als Sofia sechs war, sind wir umgezogen in eine Gegend, in der wir keinen TV-Empfang hatten, das war eine tolle Zeit, fast wie eine Kommune. Wir waren jedenfalls sehr oft gemeinsam an einem Tisch, die ganze Familie.

Wie sehr hat Ihre Familie Sie inspiriert und unterstützt, nun bei einem Film Regie zu machen?

Ich habe ja schon viele Dokus gedreht, und ganz ehrlich gesagt, werde ich wohl keinen Science-Fiction-Film mehr drehen (lacht), aber dieser Film jetzt, der war mir so nahe. Es ist eine Menge von mir in dem Film (lächelt). Und ganz viel hat meine Tochter mich auch mit ihrem Film "Lost in Translation" inspiriert, muss ich sagen. Darin wurden auch viele Erlebnisse von ihr verarbeitet. Und jetzt habe ich eben ein paar meiner eigenen Geschichte mit sehr viel Fantasie ausgeschmückt, und daraus einen Film gemacht über eine Frau in der Mitte ihres Lebens, die über vieles nachdenken und sich neu sortieren muss. Heraus kommt dabei, dass sie allein dafür verantwortlich ist, ob sie glücklich ist oder nicht. Wissen Sie, man hat immer die Wahl. Aber es wird kein Mann sein, der ihr Leben perfekt macht!

Mit Eleanor Coppola sprach Sabine Oelmann

"Paris kann warten" erscheint am 10.11. auf DVD und BluRay, auf Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de