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Elvis, Junkies und Paul Walker "Gangster Chronicles": Purer Wahnsinn!

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Drei Junkies, die Gangster spielen wollen. Paul Walker verbirgt sich hinter Clownsmaske rechts.

(Foto: Universum Film)

Was haben der Mann einer seit Jahren spurlos verschwundenen Frau, ein erfolgloses Elvis-Double und zwei Möchtegern-Rassisten auf Methadon gemeinsam? Sie sind alle Suchende und eine Pfandleihe spielt dabei Schicksal. Cruel crime comedy at it's best!

Wozu gibt es Pfandleihen? Man gibt dort etwas in Zahlung, wertvoll oder nicht, und erhält Bares dafür. So einfach ist das. Aber langweilig ist der Job eines Pfandleihers ganz und gar nicht. Alton (Vincent D'Onofrio; "Full Metal Jacket") weiß davon ein Lied zu singen.

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Der Pfandleiher Alton kann eine Menge skurriler Geschichten erzählen.

(Foto: Universum Film)

Jeden Tag schleppt er sich mehr oder minder gut gelaunt in seinen Laden irgendwo in einem Kaff in Louisiana. Als ein heruntergekommener Typ ihm eine alte Schrotflinte andrehen will, handelt er ihn gekonnt herunter und gibt ihm 20 Dollar dafür - und wird damit zum Ausgangspunkt der ersten kruden Geschichte des Episodenfilms "Gangster Chronisches", dessen Originaltitel "Pawn Shop Chronicles" irgendwie passender gewesen wäre.

Die 20 Dollar setzt der heruntergekommen aussehende Vernon (Lukas Haas; "Inception") in Benzin um, um mit seiner alten Karre zu einem geheimen Treffpunkt auf einer Waldlichtung zu kutschieren. Dort angekommen, gerät er sofort mit Raw Dog (Paul Walker; "Fast & Furious"-Reihe, "Hours") aneinander, denn die beiden Meth-Junkies wollten maskiert und mit der Flinte in der Hinterhand ihren allseits bekannten Drogendealer überfallen und erleichtern.

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Paul Walker als Meth-Junkie Raw Dog in einer seiner letzten Filmrollen - er prodizierte "Gangster Chronicles" mit.

(Foto: Universum Film)

Stattdessen wird Vernon vom dritten Möchtegern-Gangster Randy (Kevin Ranking; "Hulk") über den Haufen gefahren - und so machen sich Raw Dog und Randy allein auf den Weg zum Haus des Dealers. Dabei diskutieren die beiden Rednecks high über ihre Rolle als Rassisten und warum sie eigentlich doch keine Juden oder Schwarzen hassen. Diesem verbalen Feuerwerk folgt ein weiteres, diesmal handfestes, im Haus ihres Dealers Stanley - als der tot geglaubte Vernon quicklebendig mit einem neuen Gewehr auftaucht. Kawumm, ein Feuerwerk der guten Laune!

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben ...

Genauso macht es im Kopf des gerade frisch verheirateten Richard (Matt Dillon), als er in der Pfandleihe von Alton den Ehering seiner ersten Frau entdeckt. Dass dieser 17.000 Dollar wert ist, schert ihn nicht. Seine Frau ist vor Jahren spurlos verschwunden, er will einfach nur wissen, warum. Und so quetscht er erst den Pfandleiher aus, folgt dem ihm offenbarten Weg, der dann aber immer länger und zunehmend gewalttätiger wird - bis Richard im abgelegenen Haus von Johnny Shaw (Elijah Wood) endet.

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Richard hat Johnny Shaw gefunden - er ist für das Verschwinden seiner ersten Ehefrau verantwortlich.

(Foto: Universum Film)

Richards große Liebe ist nicht da, entfährt es Johnny durch seine mit Angelschnüren geöffneten Lippen. Ein Hammer saust herab, ein Morgenstern schwingt drohend durch die Luft. Johnny gibt klein bei. Richard findet seine Frau in einem leeren Silo hinter dem Haus. Sie kauert nackt und völlig verdreckt in einem Käfig. In einer Scheune sind wie Legehennen auf der Stange weitere rund zwei Dutzend Frauen auf engstem Raum eingesperrt. Ebenfalls nackt, ebenfalls völlig heruntergekommen.

Richard befreit sie alle und will mit seiner Frau wieder nach Hause fahren, schließlich ist sie seine große Liebe. Doch davon will die nette Dame nichts wissen. Sie sei Johnnys Nummer eins, jammert sie, dürfe zwei Mal in der Woche für jeweils 30 Minuten ins Haus. Das wolle sie nicht verlieren. Richard verliert dagegen fast seine Fassung - und später erst eine Menge Blut und dann sein Leben. Liebe ist halt doch vergänglich.

Der King "in the Ghetto"

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Brendan Fraser mimt einen Elvis-Verschnitt, der seine Seele für einen guten Gig verkauft.

(Foto: Universum Film)

Auch der in die Jahre gekommene Ricky (Brendan Fraser; "Mumien"-Reihe) kann davon ein Lied singen, mit Elvis -Timbre versteht sich, denn er ist Wiedergeburt des King of Rock'n'Roll. Leider denkt nur er so, entsprechend leer sind seine Taschen und so gibt ihm seine Freundin den Laufpass. Dass das genau vor einem Riesen-Auftritt auf dem örtlichen Jahrmarkt passiert, setzt Ricky zusätzlich zu. Ein Friseurbesuch soll sein inneres Gleichgewicht wiederherstellen, also versetzt er in der Pfandleihe ein goldenes Amulett (was natürlich dem King höchstpersönlich gehört hat!), um ihn bezahlen zu können.

Als der Gig dann dennoch in die Hose zu gehen droht, nimmt er kurzerhand ein ihm zuvor unterbreitetes Angebot eines komisch aussehenden Mannes an - und verkauft ihm seine Seele. Was danach folgt, wird die piefige Kleinstadt irgendwo im Nirgendwo Louisianas nicht so schnell vergessen.

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"Gangster Chronicles" ist bei Universum als Blu-ray und DVD erschienen.

(Foto: Universum Film)

Ein solch ins Mikrofon gehauchtes und mit vollendeten Hüftschwüngen versehenes "Amazing Grace" hat die Welt noch nicht gesehen. Ebenso wie das plötzlich einsetzende Feuerwerk in einem Haus in der Nähe - und die nahezu gleichzeitig auftauchenden nackten und verdreckten Frauen, Zombie-Damen nicht unähnlich.

Starensemble völlig abgedreht

"Gangster Chronicles" ist der absolute Wahnsinn - und ein Wahnsinn mit Methode: Zum einen heißt das Hirn dahinter Adam Minarovich ("The Walking Dead"). Zudem führt in dem von Paul Walker mitproduzierten Film Wayne Kramer ("Running Scared") Regie. Und zum anderen ist der Episodenfilm, der auch als eine Art Hommage an "Pulp Fiction" gesehen werden kann, gespickt mit Hollywood-Charaktergesichtern: Dillon, D'Onofrio, Fraser - und Walker, für den "Gangster Chronicles" einer seiner letzten gedrehten Filme gewesen ist.

Die lose Verquickung der einzelnen Geschichten sorgt für Wiedersehensfreude und Aha-Effekte gleichermaßen und gefällt deshalb absolut. Der Film ist witzig, teilweise urkomisch, dann wieder nachdenklich, aber auch ultrahart. Elijah Wood alias Johnny Shaw weiß ein Lied davon zu singen. Das Abdriften ins Comichafte nimmt "Gangster Chronicles" dabei aber etwas die Schärfe.

Was am Ende bleibt, ist ein "Wow!", ein Grinsen im Gesicht des Zuschauers - und die Frage: Wo ist denn hier in der Gegend die nächste Pfandleihe?

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Quelle: n-tv.de

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