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Blut sollte der Zuschauer abkönnen, wenn er sich "Savaged" anschaut.
Blut sollte der Zuschauer abkönnen, wenn er sich "Savaged" anschaut.(Foto: Ascot Elite)
Freitag, 09. Mai 2014

"Rape & Revenge" vom Feinsten: Hart, härter, "Savaged"

Von Thomas Badtke

Das Leben der hübschen Zoe endet grausam. Rednecks überfallen und vergewaltigen sie. Danach verscharren sie Zoe in der Wüste. Ein alter Schamane findet die junge Frau. Mit einem heiligen Ritual holt er sie zurück ins Leben. Doch nicht nur sie.

Wenn ein Engel zur Hölle fährt, wird er zum Dämon, heißt es. Zoe (Amanda Adrienne) ist das beste Beispiel. Die junge blonde Frau ist taubstumm, gleichzeitig aber hilfsbereit und gutherzig. Sie kann keiner Fliege etwas zuleide tun und will mit dem Auto ihres Vaters, einem Pontiac GTO, zu ihrem Freund fahren. Keine einfache Reise, sie muss quer durch die Staaten, auch durch New Mexiko.

Zoe ist einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.
Zoe ist einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.(Foto: Ascot Elite)

Doch dort passiert das Unfassbare. Als sie auf einem staubigen Highway entlangfährt, torkelt ein Mann vor ihr Auto. Sie kann aber ausweichen und hält an. Ein Pick-up taucht plötzlich auf, kreischende Männer darauf, die es auf den Mann abgesehen haben, den Zoe fast überfahren hätte. Sie sieht ihn hilflos auf der Straße liegen, ringt kurz mit sich und setzt ihren Wagen zurück, um dem Mann, einen Indianer, zu helfen. Ein tödlicher Fehler.

Der Pickup ist da, bevor Zoe mit dem schwer verletzten Indianer flüchten kann. Ruckzuck ist sie von den johlenden Rednecks umstellt, die sie anglotzen und sie kurzerhand mit einem Messer bedrohen. Zoe bricht in Tränen aus, denen ein Schock folgt, als einer der Rednecks den Indianer kaltblütig absticht. Zoe rennt weg, doch sie kommt nicht weit - der Anführer der Rednecks greift zum Revolver, die dritte auf sie abgefeuerte Kugel streckt Zoe nieder.

Leg dich nicht mit Zoe an

In Zoes sterbenden Körper fährt ein Indianergeist - und gemeinsam rächen sie sich blutig.
In Zoes sterbenden Körper fährt ein Indianergeist - und gemeinsam rächen sie sich blutig.(Foto: Ascot Elite)

Als sie wieder zu sich kommt, liegt sie mit Stacheldraht gefesselt auf einem Bett irgendwo in einem Blechverschlag in der Wüste. Sie sieht grauenvoll aus: Sie wurde geschlagen, misshandelt und mehrfach vergewaltigt. Der Anführer der Rednecks stellt sich vor, sein Name sei West, sagt er, ein direkter Nachkomme eines der größten Indianerschlächters aller Zeiten. Der Stolz darauf ist ihm anzusehen, als er Zoe die Sammlung Indianerschädel zeigt, die sein Clan im Laufe der Jahrhunderte gesammelt hat. Einer fällt besonders auf, denn er hat auf dem Wangenknochen eine schwarze Tätowierung - es ist der Schädel von Mangas Coloradas, einem furchtlosen Apachen-Häuptling.

Die Rednecks bekommen ihr Fett weg.
Die Rednecks bekommen ihr Fett weg.(Foto: Ascot Elite)

Zoe kann nicht mehr klar denken. Sie will fliehen, als die Rednecks in einem Nebenraum pokern. Sie schafft es, sich die Stacheldraht-Fessel abzustreifen, doch weit kommt sie nicht. Einer der Rednecks verfolgt sie, sticht sie von hinten nieder und verscharrt ihren dem Tod geweihten Körper ohne große Sorgfalt im Wüstenboden. Sollen sich doch die Wüstentiere noch an ihr schadlos halten. Ein Fehler.

Ein alter Schamane findet sie. Er versucht mit einer alten mysteriösen Beschwörung, Zoes Leben zu retten. Doch dabei gelingt es dem Geist Mangas Coloradas, in Zoes Körper zu fahren, von ihr Besitz zu ergreifen. Und ab da ist Zoe kein Engel mehr, sondern ein Dämon. Und dieser sinnt auf Rache, blutige Rache - nicht nur für Zoes Tod, sondern auch für die zahllosen vom West-Clan gemeuchelten Indianer. Ein Rednecks-Schlachtfest nimmt seinen Lauf.

"Rape and Revenge" at it's best

"Savaged" ist bei Ascot Elite erschienen.
"Savaged" ist bei Ascot Elite erschienen.(Foto: Ascot Elite)

Dieses Schlachtfest dürfte es auch sein, das die FSK dazu bewogen hat, "Savaged" für die 18er Version um rund eine Minute zu kürzen. Bei Ascot Elite gibt es aber auch eine "Uncut"-Variante dieses dem "Rape and Revenge"-Genres zuzuordnenden Films. Und zugegeben, der Film ist wirklich hart. Es dauert nicht lange, bis es richtig zur Sache geht.

Die Sympathien sind dabei von Anfang an klar verteilt: Wenn ein taubstummes liebenswertes Mädchen von rassistischen Rednecks angegriffen, vergewaltigt und getötet wird, weiß der Zuschauer sofort, für welche Seite sein Herz schlägt. Das hat zur Folge, dass die Brutalität des ultraharten Rachetrips etwas abgemildert wird. Wenn es durch und durch rassistische und abgrundtief bösartige Rednecks sind, die plötzlich ihre eigenen Gedärme in Händen halten, lacht man fast darüber. Das klingt zwar hart, aber genau durch diese Art der Zuschauer-Sympathie-Fokussierung auf Zoe gelingt es dem Regisseur Michael S. Ojeda, etwas Schärfe aus dem Film herauszunehmen. Der eine oder andere Witz auf Kosten der Rednecks tut sein Übriges.

Trotzdem bleibt der Film knallhart, und wer ihn sich anschaut, sollte sich dessen bewusst sein. Genügend Zuschauer dürfte er auf alle Fälle finden, denn das "Rape and Revenge"-Genre erlebt derzeit seinen mindestens zweiten Frühling. So wurde beispielsweise "I Spit On Your Grave" erfolgreich wiederbelebt. "Savaged" ist keinen Deut schlechter.

Das liegt wiederum vor allem an der Hauptdarstellerin. Dass sie taubstumm ist, vergisst der Zuschauer fast während des Films. Und dennoch sind es die Bewegungen und Kopfhaltungen, die einen dann immer wieder daran erinnern, dass die Heldin dieses Gemetzels ein Handicap hat. Den Namen Amanda Adrienne sollte man sich auf jeden Fall merken - "Savaged" übrigens auch.

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Quelle: n-tv.de