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Kannibalismus im 20. Jahrhundert "Ghoul" - Legende vom Leichenesser

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Wer geht schon freiwillig in das Haus eines mutmaßlichen Kannibalen?

(Foto: Tiberius)

Als Filmcrew sucht man nach der perfekten Story, einem geheimnisvollen Menschenfresser beispielsweise. Jenny und ihr Team werden in der Ukraine fündig. Sie landen im Haus des "Schlächters von Rostow". Doch der hat seine eigenen Pläne.

Kannibalismus im 20. Jahrhundert? Das klingt doch nach einem prima Filmprojekt. Die junge Dokumentationsfilmcrew, bestehend aus Jenny (Jennifer Armour), ihrem Freund Ryan (Paul S. Tacy; "Bloomers") und Ethan (Jeremy Isabella; "Wheels"), denkt genau das - und landet nach ersten Recherchen in der Ukraine. Dort herrschte Anfang der 1930er-Jahre eine so große Hungersnot, dass es immer wieder Meldungen über Menschen gegeben haben soll, die sich durch das Essen von Menschenfleisch ihr Überleben gesichert hätten. Es heißt, es sei mit menschlichen Koteletts gehandelt worden.

Vor Ort landet das Team irgendwo abseits der Zivilisation. Sie hören von einem ominösen Ort, an dem in letzter Zeit immer wieder Menschen verschwunden sind, ja sogar von einem Mörder namens Boris, der Kannibale sein soll und dafür mehrere Jahre im Gefängnis saß. Er ist wieder auf freiem Fuß - und die Dokufilmer wittern ihre Chance. Sie machen ihn ausfindig, was irgendwie leichter ist als gedacht - und er lädt sie in sein Haus ein. Es steht irgendwo im Wald, weit weg von anderen Häusern.

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Mit den Besuchern des vermeintlichen Kannibalen-Hauses will der Zuschauer nicht tauschen.

(Foto: Tiberius)

Jenny, Ryan und Ethan machen sich auf den Weg. An ihrer Seite sind ihr Reiseführer Waleri, die Dolmetscherin Katarina (Alina Golowliowa) und eine örtliche Hexe. Diese scheint mehr über den Ort zu wissen, an dem die Gruppe sich nach einer recht langen Fahrt nun befindet. Boris, der Jenny seine Geschichte erzählen wollte, taucht nicht auf und so verbringt die Filmcrew die Nacht in seinem Haus.

Wenn dich ein Mörder in sein Haus einlädt

Es dauert nicht lange und die ersten mysteriösen Dinge passieren: Die dem Dachboden lagernden Stiefel von Boris verschwinden, ebenso wie eine geheimnisvolle Kiste. Dann geht das Licht plötzlich aus, der Generator draußen am Haus ist aber nicht defekt - es scheint, als ob jemand einen Verbindungsstecker herausgezogen hat. Die gute Laune der Hausinsassen verfliegt, als sie ein Quija-Brettmuster in Boris Wohnzimmertisch entdecken. Nun ist es Inna (Inna Belikowa), die Hexe, die die Gruppe erschaudern lässt.

Sie erzählt etwas von einem Fluch, einem Geist. So soll Boris einst nur getötet und Menschenfleisch gegessen haben, weil es ihm ein seit Jahrzehnten im Haus lebender Geist befohlen habe. Die Gruppe dürfe das Haus nicht verlassen, sonst würde jeder sterben, sagt sie ruhig am Tisch sitzend. Jenny und der Rest glauben ihr nicht - vorerst. Aber sie stellt Nachforschungen an, findet heraus, wem das Haus einst wirklich gehörte: Andrej Romanowitsch Tschikatilo, besser bekannt als der "Schlächter von Rostow". Er soll einst mehr als 50 Menschen getötet und ihr Fleisch gegessen haben. Es heißt, er habe das nur gemacht, weil sein Bruder einst auf genau die gleiche Art und Weise als Kind ums Leben kam.

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"Ghoul" ist bei Tiberius auf DVD und BD erschienen.

(Foto: Tiberius)

Nun ist guter Rat teuer: Einerseits sind sich Jenny, Ryan und Ethan der Gefahr bewusst, in der sie sich allesamt befinden. Andererseits: Wenn sie Chikatilos Geist irgendwie "interviewen" könnten, wären ihnen Ruhm und Reichtum sicher. Als die ersten Opfer zu beklagen sind, tritt an die Stelle der Gier nach Geld der pure Überlebenswille. Aber da scheint es schon zu spät zu sein, denn mit einem wie Tschikatilo ist nicht gut Kirschen essen.

Wenn die Untertitel nur nicht wären

Das ist die Story von "Ghoul - Die Legende vom Leichenesser". Der Film des Regisseurs Petr Jakl, der sich bisher vor allem als Schauspieler ("Alien vs. Predator", "xXx", "Eurotrip") einen Namen gemacht hat, verbindet dabei Suspense-Grusel, Wackelkamera-Aufnahmen und Slasher-Elemente gekonnt zu einem Horrorstreifen, der auch davon lebt, dass er irgendwo tief in den ukrainischen Wäldern spielt und nicht in der Umgebung Hollywoods.

Die Story, die anfangs ein wenig konstruiert erscheint, hat einige Twists zu bieten und sorgt vor allem am Ende für Spaß bei Genrefans. Davor gibt es handelsübliche Kost: Waldaufnahmen im Dunkeln; völlige Stille, die plötzlich durch ein Quietschen oder Klopfen gebrochen wird; eine tote schwarze Katze; Dinge, die verschwinden und plötzlich an anderer Stelle wieder auftauchen; Sex zwischen den Protagonisten; eine schrullige Alte, die allein schon den Film sehenswert macht.

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Nervig sind allerdings die teilweise in Ukrainisch gehaltenen Dialoge, die durch Untertitel aufgefangen werden. Das tötet beim Zuschauer des Öfteren die Stimmung. Am Ende überwiegt bei "Ghoul" aber deutlich das Positive. Und wer weiß, vielleicht bekommt der eine oder andere Zuschauer ja Lust auf ... nein, nicht Menschenfleisch, Lust auf weitere eigene Recherchen rund um das Thema Kannibalismus im 20. Jahrhundert.

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Quelle: n-tv.de

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