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Nach der Apokalypse geht es nur noch ums nackte Überleben. Für Liebe ist da kein Platz. Oder?
Nach der Apokalypse geht es nur noch ums nackte Überleben. Für Liebe ist da kein Platz. Oder?
Dienstag, 22. Mai 2018

"Pretty Woman" meets Horror: "Hostile": Das Leben ist eine Hure

Von Thomas Badtke

Ein reicher Mann und eine wunderschöne, aber drogenabhängige Frau, die sich zudem prostituiert: Klingt nach "Pretty Woman"? Ist aber "Hostile" - keine schmalzige Liebesschmonzette, sondern ein apokalyptischer Horrorfilm allererster Güte.

Mal ehrlich, "Pretty Woman" ist klar ein Frauenfilm. Ein vornehm ergrauter Richard Gere, mit einer Menge Geld in den Taschen und guten Manieren - dazu Dauergrinserin Julia Roberts mit ihren langen Beinen in der Badewanne ... Ok, das hatte schon was! Dennoch: "Pretty Woman" ist ein Liebes- und damit ein Frauenfilm. Es gibt aber auch die Hardcore-Variante für die Männer: "Hostile".

Jack sieht Juliette und ist sofort in sie verliebt. Bei ihr dauert es etwas.
Jack sieht Juliette und ist sofort in sie verliebt. Bei ihr dauert es etwas.

Darin spielen Juliette (Brittany Ashworth; "The Crucifixion") und Jack (Gregory Fitoussi; "World War Z") die Hauptrollen. Juliette (Lebensmotto: "Das Leben ist eine Hure") ist drogenabhängig und trifft eines Tages in einer Galerie dessen Inhaber Jack. Der gut gekleidete, adrette Typ mit etwas mehr als einem Drei-Tage-Bart fängt an, mit der jungen Frau zu flirten: Es geht um "Bacon". Sie sagt, sie sei Vegetarier. Er meint darauf: Ok, aber ich meine den Maler. Ein paar lockere Sätze später befinden sich die beiden in seiner Wohnung, wobei das untertrieben ist, denn er besitzt die gesamte oberste Etage eines Hochhauses. Ein Penthouse. Sie trinken Whisky, reden und als er den ersten Versuch macht, sie zum Nächtigen zu überreden, bricht Juliette abrupt das Gespräch ab und verschwindet.

Es beginnt wie "Pretty Woman", ...

Jack ist perplex, fühlt sich von dieser "Aschenputtel"-Masche Juliettes aber auch angezogen. Also forscht er nach, folgt ihr, sieht, wie sie Geld von einem älteren Mann im Anzug entgegennimmt und wenig später in einem Haus verschwinden will. Er zeigt sich ihr, sie nimmt ihn mit nach drinnen. Juliette wohnt in dem Haus und sie prostituiert sich für Drogen.

Jack ist das egal. Er will sie retten. Er sperrt Juliette zum harten Entzug in sein Penthouse - und so kommt, was kommen muss: Als Juliette clean ist, verliebt sie sich in Jack. Der wiederum plant seine Zukunft bereits mit ihr und einem gemeinsamen Kind, mindestens. Juliette wird auch schwanger. Aber sie verliert das Kind, der jahrelange Drogenkonsum ist schuld. Und als Jack Juliette das vorwirft, ergibt ein Wort das andere und sie gehen im Streit auseinander. Keiner will den anderen je wiedersehen.

... und endet wie "Perfect Sense"

"Hostile" ist bei Splendid erschienen.
"Hostile" ist bei Splendid erschienen.

Das ist die Handlung von "Hostile", das Regie-Erstling von Mathieu Turi. Klingt nach viel Kitsch und noch mehr Gefühl und Tränendrüse? Ja, aber: Er erzählt die Liebesgeschichte von Juliette und Jack in Rückblenden aus der Sicht Juliettes. Die große Liebelei liegt in der Vergangenheit. Die Gegenwart ist eine ganz andere, verändert durch einen furchtbaren Terroranschlag, der in der Apokalypse endet - und der Jack direkt trifft. Durch ein Gas werden Kehlkopf und Luftröhre verätzt. Als Juliette ihn unter Tränen im Krankenhaus besucht, geht es zu Ende mit ihm. Das macht er ihr zumindest weis, weil er nicht weiß, was das Gas letzten Endes in und an ihm noch ausrichten wird.

In der Gegenwart fährt Juliette mit einem Auto durch eine unwirtliche, menschenverlassene Gegend, auf der Suche nach Essen. Sie ist Teil einer Gruppe Überlebender all der Folgen, die der Terroranschlag nach sich gezogen hat. Die Welt hat sich der Apokalypse hingegeben. Grauenhafte Kreaturen, Kannibalen-Zombies nicht unähnlich, jagen Juliet und die anderen.

Als Juliette auf einer ihrer Erkundungstouren irgendwo im Nirgendwo einen Unfall hat, das Auto sich überschlägt, sie einen offenen Beinbruch erleidet und Hilfe der Gruppe ausbleibt, erinnert sie sich immer wieder bruchstückhaft an ihre Beziehung mit Jack. Jack, dem sie nie die berühmten drei Worte sagen konnte - was sie nun bereut.

Endzeitlose Liebe

In der Nacht hört sie die schrecklichen Geräusche eines Kannibalen-Zombies, der um ihr Autowrack streicht. Julette hat Angst, zu sterben und will einfach nur überleben. Sie hat Jack noch nicht aufgegeben, auch wenn sie nach dem Krankenhausbesuch nie wieder etwas von ihm gehört hat. Als sie das nächste Mal im Hospital war, um ihn zu besuchen, war er einfach weg. Spurlos verschwunden. Der Kannibalen-Zombie greift an.

Nach und nach fügt sich Turis Filmplot zu einem erstklassigen Horror-Liebesfilm zusammen. Ja, ein Männerfilm! Man weiß als Zuschauer lange nicht, worum es eigentlich geht in "Hostile". Am Ende bleibt einiges unklar, der Hintergrund der apokalyptischen Katastrophe etwa. Aber gerade das überraschende Ende lässt einen mit einem wohligen Gefühl in der Magengegend zurück. Der Genrefan erinnert sich an "Perfect Sense" und denkt, wieso es nicht mehr Filme dieser Sorte gibt: Wenn schon ein Liebesfilm, dann bitte im Horror-Ambiente!

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Quelle: n-tv.de