Unterhaltung
Irgendetwas stimmt mit Reginas Körper nicht.
Irgendetwas stimmt mit Reginas Körper nicht.
Dienstag, 09. Januar 2018

Vorsicht, bissig!: "Human Meat": Mörder, Kannibale, Zombie

Von Thomas Badtke

Millionen Zombie-Fans fragen sich: Was war vor "The Walking Dead" und "Fear the Walking Dead"?. Wie wurden die Untoten zum Leben erweckt? Der Film "Human Meat" zeigt eine Möglichkeit auf und überzeugt dabei durch Blut und Tiefe.

Regina (Carly Oates; "Guides") steht voll im Leben: Medizinstudium geschafft, hervorragende Karrierechancen und dazu noch einen Freund, der sie heiraten will und dafür nur noch den passenden Moment für den richtigen Antrag sucht. Klar, dass man das feiern muss! Nur: Nach der Partynacht ist nichts mehr wie vorher.

Die junge Frau ist kurzzeitig tot. Auf der Party ging Kokain um. Regina hat es als Einzige nicht vertragen, ist auf dem Klo zusammengeklappt und nur durch das schnelle und beherzte Eingreifen ihrer Freunde hat sie überlebt. Der Schock sitzt allen in den Knochen.

Vegan ist out

Jung und voller Fleischeslust: Regina.
Jung und voller Fleischeslust: Regina.

Regina hat diese Nacht verändert: Sie mag kein normales Essen mehr. Statt nach Toast und Ei oder nach frischem Obst verzehrt sie sich nun nach rohem Fleisch. Je blutiger, desto besser. Am besten noch menschlich.

Dass sie in einem Krankenhaus arbeitet, kommt ihr dabei entgegen. Ihr Freund weiß Bescheid, hilft ihr, wo er kann, ohne zu verstehen, was mit seiner Freundin los ist. Regina selbst beginnt, ihre Veränderungen zu dokumentieren. Sie stellt fest, dass ihr Körper neben dem Heißhunger auf rohes Fleisch zudem eine ebenso unnatürlich anmutende Wundheilungskraft aufweist. Sie schneidet sich tief in die Hand und kurze Zeit später ist von dem Schnitt nichts mehr zu sehen.

Fleischfressern gehört die Zukunft

Selbstzweifel, Selbstaufgabe, Psychatrie - das kann doch nicht alles gewesen sein ...
Selbstzweifel, Selbstaufgabe, Psychatrie - das kann doch nicht alles gewesen sein ...

Was für ein riesiges Potenzial für die Menschheit sie in sich trägt! Aber Regina merkt auch, dass ihr Verlangen nach Menschenfleisch immer stärker wird. Dass sie seit Wochen nicht mehr geschlafen hat. Dass ihr Blutdruck im Keller und ihr Puls kaum noch spürbar ist.

Als sie einen Pizzaboten tötet und isst, zieht Reginas Freund die Reißleine und stellt sich mehrere Fragen: Was ist aus seiner geliebten Freundin geworden? Eine Mörderin? Eine Kannibalin? Ein Zombie? Regina zumindest selbst glaubt Letzteres.

Sie landet in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik. Dort versuchen die Ärzte ihr klarzumachen, dass sie an einer Form der Schizophrenie leidet. Regina weiß es besser. Sie geht davon aus, dass in ihrem Kopf ein Pilz nistet, der irgendwann seine Sporen freisetzen und so weitere Menschen infizieren wird. Er muss durch das Party-Koks in ihren Körper gelangt sein - und da es die anderen Feierfreunde nicht erwischt hat, speziell sie als Wirtin auserkoren haben.

Bloody Shrooms

"Human Meat" ist bei Tiberius erschienen.
"Human Meat" ist bei Tiberius erschienen.

Klingt strange? Klingt weit hergeholt? Nur auf den ersten Blick. Im November 2017 lief ein "Tatort", der auf eine ähnliche Thematik abzielte - die Wirkung chemischer Schadstoffe auf das menschliche Gehirn. Im "Tatort: Böser Boden" wurden die Bürger rasend, drehten offenbar durch, nachdem durch Fracking der Boden verseucht wurde. Am Ende blieben viele Fragen offen.

Das gilt ebenso für "Human Meat" (englischer Originaltitel: "Pretty Dead"). Auch hier kann nur vermutet werden, dass der "Schadstoff" - diesmal ein Pilz - von außen und durch Zufall in Reginas Gehirn gelangte. Der Rest aber ähnelt sich. Wenn die "Tatort"-Macher noch einen Schritt weitergegangen wären, vielleicht mutiger oder provokanter, das Thema zu Ende gedacht hätten, wären auch in einem ARD-Topkrimi zur besten Sendezeit am Sonntagabend Zombies über die Bildschirme gewankt.

So martialisch sich der Beititel von "Human Meat" anhört - "Mörder, Kannibale, Zombie" -, ist der Film dann aber nicht. Klar fließt Blut, aber Regisseur Benjamin Wilkins fokussiert voll und ganz auf die Entwicklung der Figur Regina. Die "Nahrungsaufnahme" der mehr und mehr zur Untoten mutierenden Frau werden knapp und im Zwielicht gehalten.

Vielmehr ist es das Ringen Reginas, herauszufinden, was und warum das alles mit ihr mit ihr passiert, was den Film vorantreibt. Das Ende ist dann Hollywood-like. Als Zuschauer wünschte man sich, dass die "Fear the Walking Dead" und "The Walking Dead" ein entsprechend hochwertiges Prequel bekämen. Das würde "Human Meat" adeln, verdient hätte der Film es.

"Human Meat" bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de