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The voodoo, who do "Ich sehe deinen Tod, Jessabelle!"

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Jessabelle muss einen Blick in ihre Vergangenheit werfen, um ihr Leben zu retten.

(Foto: Koch Media)

Jessabelle kehrt nach einem Autounfall, bei dem sie ihren Verlobten und ihr ungeborenes Kind verliert, in ihre Heimat nach Lousiana zurück. An den Rollstuhl gefesselt, wird sie mit einer düsteren Kreatur konfrontiert - und mit Videos ihrer toten Mutter.

Eigentlich ist Jessabelles (Sarah Snook; "Steve Jobs") Leben schon schwer genug. Bis über beide Ohren verliebt und schwanger will sie mit ihrem Freund zusammenziehen, doch auf der Fahrt in ihr neues Heim rast ein Lkw in die Fahrerseite des Autos. Jessabelles Freund stirbt, sie selbst verliert das Kind und ihre Fähigkeit zu gehen. Die Ärzte sagen zwar, sie habe Glück gehabt und dass sie in ein paar Monaten wieder laufen werde können. Aber bis dahin heißt es Reha - und dafür muss die junge Frau in ihre Heimat in ein Kaff nach Louisiana zurückkehren. Und zu ihrem Vater Leon (David Andrews; "Fight Club", "World War Z").

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Ein Bild aus glücklicheren Zeiten, aber der Schein trügt.

(Foto: Koch Media)

Die letzte Begegnung der beiden liegt Jahre zurück, die sich aber wie Jahrzehnte anfühlen. So richtig gut ist die Chemie zwischen Vater und Tochter nicht, was wohl auch am frühen Tod von Jessabelles Mutter liegt. Sie hatte einen Hirntumor, wollte sich aber nicht behandeln lassen, wohl auch um das Leben ihres Babys nicht zu gefährden. Jessabelles Vater scheint seiner Tochter deshalb die Schuld am Tod seiner geliebten Ehefrau zu geben.

Eine unheimliche Begegnung

Zurück in der schwülen Hitze Louisianas wird Jessabelle auch noch im alten Zimmer ihrer Mutter einquartiert. Das liegt im Erdgeschoss - ein Vorteil, wenn man an den Rollstuhl gefesselt und auf die Hilfe eines nicht gerade begeisternden Vaters angewiesen ist. Das wird Jessabelle schnell klar. Aber als wäre die ganze Situation für sie nicht schon schwierig genug, bekommt sie in der ersten Nacht im Bett ihrer Mutter vor sich hin träumend unheimlichen Besuch.

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In aller Ruhe ein Bad nehmen? Keine gute Idee ...

(Foto: Koch Media)

Eine düstere Gestalt bewegt sich krabbelnd durchs Zimmer auf sie zu, scheint in ihren Geist eindringen zu wollen. Schreckliche Bilder tauchen vor Jessabelles innerem Auge auf. Bilder, auf die sie sich keinen Reim machen kann.

Magic people, voodoo people

Ablenkung versprechen einige gefundene Videoaufnahmen ihrer Mutter, die diese vor der Geburt Jessabelles aufgenommen hat. Die Freude Jessabelles darüber hält aber nicht lange an: Ihre Mutter hat ihrer Tochter die Karten gelegt. "Ich sehen deinen Tod, Jessabelle!", haucht sie ihr im Video entgegen. Jessabelle ist geschockt.

Was ist hier los? Die düstere Gestalt kehrt jede Nacht zu Jessabelle zurück. Als ihr Vater die Videoaufnahmen verbrennen will, weil er sie für "Hokuspokus" hält, verschließt sich wie von Geisterhand die Schuppentür und Leon wird so ein Opfer der Flammen. Jessabelle muss hilflos mit ansehen, wie ihr Vater verbrennt.

Doch das scheint nur ein Teil einer Geschichte zu sein, deren blutigen Anfänge weit zurückliegen. Jessabelle will der Vergangenheit auf den Grund gehen. Sie muss es, denn sonst wird auch sie Teil von ihr und das Geheimnis um ihre Familie nie gelöst. Ein erster Hinweis ist eine in den Sümpfen vor ihrem Elternhaus treibende Puppe. Dann findet sie ein Grab mit ihrem Geburtsdatum. Und darum herum baumeln zahllose Voodoo-Gebilde von den dürren Ästen der Bäume. Jessabelle erinnert sich, dass ihre Mutter Mitglied in einer Kirchengemeinde war … Liegt darin etwa der Schlüssel zum Familiengeheimnis? Die Lösung für ihre Probleme? Die Rettung vor der Prophezeiung ihrer Mutter?

"Saw"-Regisseur lässt es leise gruseln

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"Jessabelle" ist bei Koch Media auf DVD und Blu-ray erschienen.

(Foto: Koch Media)

Die Lösung auf diese Fragen liefert der subtile Horror-Grusel "Jessabelle" erst ganz am Ende - aber das dann äußerst gekonnt. Klingt der Plot anfangs nach einem klassischen Haunted-House-Found-Footage-Streifen, von denen es in den vergangenen Jahren eine ganze Menge gegeben hat, so weist der Film des "Saw 6"- und "Saw 3D"-Regisseurs Kevin Greutert durchaus neue Spannungselemente auf.

Da wäre etwa die an den Rollstuhl gefesselte Jessabelle. Ein Wegrennen vor dem ihr nach dem Leben trachtenden Geist aus der Vergangenheit - wie bei anderen Filmen dieses Genres üblich - ist nicht möglich. Körperlich eingeschränkt, ist Jessabelle auf Hilfe angewiesen, die sie von ihrem alten Schulfreund Preston (Mark Webber; "13 Sins") bekommt. Der mittlerweile Verheiratete hegt allerdings immer noch Gefühle für seine alte Highschool-Flamme - Rollstuhl hin oder her. Ärger mit seiner Frau ist da programmiert.

Aber auch der Voodoo-Aspekt ist eine wohltuende Abwechslung im subtilen Grusel-Einerlei so manches Genre-Vertreters. Die Macht des Voodoo ist für viele Menschen auch im 21. Jahrhundert nicht greifbar. Und genau das sorgt für so manchen über den Rücken gleitenden Schauer beim Zuschauer.

Prädikat: Blumhouse Productions

Dass bei "Jessabelle" auch Genre-Ikone Jason Blum ("Sinister"-Reihe, "Paranormal Activity"-Safa, "Insidious"-Reihe, "The Purge"-Filme) mit seiner Produktionsfirma Blumhouse seine Finger mit im Spiel hat, sorgt für ein gewisses positives Grund-Grusel-Niveau. Da hat einer ein Näschen für diese Art von Filmstoff und den beweist er auch wieder bei "Jessabelle" äußerst gekonnt. Liest man als Zuschauer den Namen Blum als Produzenten, kann man getrost zugreifen.

Gleichzeitig gilt aber auch festzuhalten, dass "Jessabelle" kein bahnbrechender Überflieger geworden ist, kein Film also, von dem man in zehn Jahren behaupten wird, dass er ein Klassiker sei. Er ist vielmehr grundsolide, und das ist positiv gemeint. Viele Gruselelemente hat man als Genre-Fan bereits x-Mal gesehen, andere sind dagegen neu. Manchen kann man aber auch einfach nicht oft genug begegnen: So sieht die Gestalt, die Jessabelle heimsucht, der japanischen "Ring"-Kreatur nicht unähnlich. Ihre kriechende Fortbewegung unterstreicht diesen Fakt noch. Dass sie zudem auf Jessabelle ihren schleimigen Mageninhalt erbricht, kommt ebenfalls gut an.

Das ist aber auch der einzige Ekelaspekt, den "Saw"-Filmer Greutert den Zuschauern zumutet. Sonst kommt sein neues Werk eher handzahm daher. "Torture Porn" wie in der "Jigsaw Killer"-Reihe sucht man bei "Jessabelle" vergebens. Vielleicht liegt aber gerade auch darin der kleine Makel, der aus einem gutgemachten Genre-Durchschnitt mit zwei bis drei Highlights einen Film mit dem Niveau macht, ein Genre-Klassiker zu werden oder ein neues Subgenre ins Leben zu rufen. Ja, es ist schon kein einfaches Leben …

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Quelle: n-tv.de