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Von den Toten auferstanden "Jigsaw" will doch nur spielen

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"Jigsaw" ist alles andere als schmerzfrei.

(Foto: Photo: Brooke Palmer / (Studio n)

Ein Raum. Fünf Menschen. Ihre Köpfe stecken in Metallhelmen, die an eine Vorrichtung gekettet sind. Eine Stimme ertönt ... Jawohl, der "Jigsaw-Killer" ist zurück. Neue Rätsel, neue Tötungsmaschinen, neue Regisseure, neuer Hit?

Manche Filme brennen sich ins Gedächtnis ein. Meist deshalb, weil sie einfach originell sind oder ein neues Genre kreieren, vielleicht sogar einen Trend in der Filmbranche losschlagen. "Saw" ist so ein Film. 2004 ist er einer der Publikumsrenner bei den "Fantasy Filmfest"-Veranstaltungen - und legt den Grundstein für eine der erfolgreichsten Regisseurs-Karrieren der letzten Jahre. James Wan, der auch die Geschichte geschrieben hat, gelingt das gleiche Kunststück 2013 mit "The Conjuring" noch einmal. Zwischenzeitlich hat er dem Horror ab- und sich Hollywood-Action-Blockbustern verschrieben wie etwa der "Fast and Furious"-Reihe.

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"Saw" erschien bei Studiocanal.

Dass "Saw" beim Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, liegt an seinem Mix: Der Film verbindet bekannte Slasher-Elemente mit gewitztem Puzzle- und Mitdenk-Teilen. Der Film ist kein stumpfsinniges, vor Blut triefendes Schlachtfest, er ist vielmehr ein gewalttätiges, vor Blut triefendes Ratespiel. Der Zuschauer ist gleichermaßen gefordert wie gebannt. Die zudem aufgeworfene Fragen: Wie weit gehst du, um dein Leben zu retten? Würdest du dir selbst ein Körperteil absägen? Daher der Titel.

Der Überraschungshit, der in den USA knapp 40 Millionen Dollar an den Kinokassen eingespielt hat, wird zur Serie und bleibt dabei erfolgreich. Neue Rätsel, Foltermaschinen, Hintergründe zum Serienkiller sorgen für die nötige Abwechslung, wechselnde Regisseure  darüber hinaus für frisches Blut. Alles aber, ohne die Grundidee hinter "Saw" zu verraten. Die "Saw"-Reihe hat mittlerweile mehr als 450 Millionen Dollar eingespielt, der achte Film "Jigsaw" erscheint nun fürs Heimkino.

Jigsaw is back!

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"Jigsaw" ist bei Studiocanal erschienen.

Der achte Film? Ist ein Quereinstieg überhaupt möglich? Absolut! Klar ist es sinnvoll, schon einen der Vorgängerfilme gesehen zu haben, vielleicht sogar alle. Aber ein Muss ist das nicht. "Jigsaw, so der Titel des 90-Minüters, funktioniert für sich gesehen problemlos. Und im Film fließt deutsches Blut, Herzblut: Die  Zwillinge Michael und Peter Spierig, geboren in Niedersachsen, später nach Australien übergesiedelt, führten Regie und sind seit ihrem Debüt "Undead" ein fester Bestandteil der Horrorfilm-Community.

"Jigsaw" hat dabei Stärken und Schwächen. Tobin Bell alias John Kramer alias der "Jigsaw-Killer" ist wieder mit von der Partie. Für die Zuschauer der Vorgängerfilme durchaus eine Überraschung. Mehr sei an dieser Stelle dazu aber nicht verraten. Bells Präsenz sorgt dafür, dass man sich sofort heimisch fühlt, wie wenn man nach ein paar Jahren in der Fremde in seine Heimat zurückkehrt und alles sich so vertraut anfühlt, als wäre man nie weg gewesen. Bereits bei den ersten Tönen der Titelmusik lehnt man sich zufrieden zurück und lässt den Film auf sich wirken.

Die Suche nach einem neuen Kick

Das ist eine der absoluten Pluspunkte des Films. Die Hauptschwäche ist die, dass man mittlerweile weiß, was passieren wird: Mehrere Menschen wachen irgendwo auf, sind irgendwie gefesselt und müssen durch einen lebensgefährlichen Folter-Parcours und möglichst mit überraschenden Lebensbeichten ihrer Sünden der Vergangenheit den Weg in die Freiheit finden. Dass das nicht alle schaffen, liegt in der Natur der "Saw"-Reihe.

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Es beginnt mit einem Rätsel.

(Foto: Photo: Brooke Palmer / (Studio n)

Dass man als Zuschauer manche Charaktere sympathischer findet als andere, ebenso. Das weckt natürlich Erwartungen. Erwartungen, die nur komplette Neueinsteiger vielleicht nicht haben. Der Rest der Zuschauer vergleicht die Teile der Reihe zwangsläufig miteinander. Und dabei kann "Jigsaw" nur verlieren - zumindest zum Original-"Saw".

Der Nervenkitzel, etwas völlig Neues vor sich zu haben, fehlt. Damit haben auch andere Reihen zu kämpfen, beispielsweise "Conjuring", "Purge", "Final Destination" oder auch "Fast and Furious". Zwar könnte man die Folterungen noch steigern, die Schmerzgrenze erhöhen, aber dann wäre der Film eben nur noch ein ganz normaler überdrehter Slasher. Und genau das wollte "Saw" ja nie sein.

"Saw" bleißt das Maß der Dinge

Man erkennt das Dilemma, in dem die Spierig-Brothers steckten. Teilweise konnten sie es mit witzigen Details lösen, die zudem selbstironisch daherkommen: So taucht im Darknet eine "Jigsaw"-Fanpage auf, auf der Fans des Serienkillers Folterrätsel und -Vorrichtungen miteinander austauschen können. Ein bisschen CSI und Industrie 4.0 sind mittlerweile auch mit von der Partie. Und das Thema Irakkrieg darf natürlich auch nicht fehlen. Ebenso wenig wie der Überraschungstwist, der am Ende alles auflöst.

Der wiederum ist gut. Keine Frage. Vorahnungen hin oder her. Und so bleibt am Ende von "Jigsaw" ein durchaus positives Fazit: Ins Gedächtnis einbrennen wie der 2004er "Saw" wird sich der Film sicher nicht. Aber er bietet genügend Abwechslung, Nervenkitzel und Kurzweil, um die bis dato erfolgreichste Horrorfilm-Reihe am Leben zu erhalten.

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Quelle: n-tv.de

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