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"Hostel" trifft "Saw" "Killer Ink" geht tief unter die Haut

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Der Künstler pflegt eine ganz besondere Form des Tätowierens.

(Foto: Tiberius)

Dein erstes Tattoo vergisst du nicht - vor allem, wenn du es in Vilnius stechen lässt. Amy weiß das. Sie ist einfach an den falschen Künstler geraten. An einen, der eine jahrhundertealte Tradition fortführt. Makellose Haut ist dafür unerlässlich.

Die Haut ist das größte Organ des Menschen und für Tätowierer damit die ultimative Leinwand. Die japanischen Yakuza wissen das. Ihre Rücken zieren farbenprächtige, riesengroße Tattoos. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass manche Yakuza-Haut nach dem Ableben ihres Trägers eine andere Verwendung findet: Die Haut mit dem Tattoo landet als "Gemälde" an der Wand.

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Amys Haut ist perfekt für das neueste Werk des Künstlers.

(Foto: Tiberius)

Eine nette Geschichte, denkt sich Amy (Tiffany DeMarco;"Raze: Fight or Die"), als sie im Tattoo-Studio des Künstlers (Robert LaSardo; "Death Race", "Leon - Der Profi", "CSI: Miami") sitzt. Sie macht mit ein paar Freunden Partyurlaub im litauischen Vilnius. Es noch einmal so richtig krachen lassen, über die Stränge schlagen, bevor es dann zurück in die USA an die Unis geht und danach der Ernst des Lebens beginnt.

Immer wieder diese US-Touris

Amy war mit ihren Freunden in einer Disco, als die volltätowierte Uta (Sara Fabel) sie angesprochen hat. Amy, die sich eh ein Tattoo stechen lassen wollte, auch um eine Erinnerung an diesen Urlaub zu haben, ist schnell Feuer und Flamme. Uta lädt sie ins Tattoo-Studio des Künstlers ein. Mitten in der Nacht machen sich Amy und einer ihrer Freunde, der es auf Uta abgesehen hat, auf den Weg durch die schmalen und düsteren Gässchen der Altstadt.

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Uta und der Künstler: Begegnen will man den beiden nicht.

(Foto: Tiberius)

Im Studio erscheint der Künstler, charismatisch und ruhig spricht er mit Amy, während Uta mit Amys Begleiter im Haus verschwindet. Doch statt hemmungslosem und wildem Sex erwarten ihn Ketten und ein dunkles Kellerverlies. Amy bekommt von all dem nichts mit. Ihr Gespräch mit dem einfühlsamen Tattoo-Künstler zerstreut ihre letzten Zweifel und man einigt sich schnell auf ein Motiv. Kein Arschgeweih, kein Herz mit der Inschrift “Mum“, sondern etwas Gehaltvolleres. Der Künstler ist begeistert. Noch ein kleiner Drink für Amy und es kann losgehen.

Dann baumelt auch Amy plötzlich mit Ketten gefesselt im Kellerkerker des Künstlers. Der setzt eine Familientradition fort, wie er mit sonorer Stimme erklärt, die bereits Jahrhunderte alt ist - und die die menschliche Haut als ultimative Leinwand nutzt. Wurden die Tattoos auf den Rücken der Yakuza erst nach deren Ableben mitsamt der Haut abgezogen, geht der Künstler anders vor: Er zieht erst die Haut ab und sticht dann das Tattoo. Und Amys Haut ist für sein nächstes Bild absolut perfekt, denn sie ist makellos.

Ein Film, der unter die Haut geht

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Der Künstler bereitet sich auf sein blutiges Handwerk vor.

(Foto: Tiberius)

Menschen bei lebendigem Leib die Haut abziehen? Da meldet sich schnell die FSK zu Wort. Das tat sie auch bei "Killer Ink" (Original: "Parlor"), dem Debüt des australischen Drehbuch- und Regieduos Devon Downs und Kevin Gage. Ungekürzt durfte der Film nicht erscheinen. Mehrere Minuten wurden deshalb herausgeschnitten. "Killer Ink" geht dennoch unter die Haut.

Das liegt aber nicht nur an den Torture-Szenen. Punkten kann der Film vor allem mit der schauspielerischen Intensität der beiden Bösewichte. LaSardos Charisma kann sich der Zuschauer nicht entziehen. Und auch Fabels sadistische Ader hinterlässt ihre Spuren. Sie gibt sozusagen die Auszubildende des geheimnisvollen Tattoo-Künstlers, ohne jedoch dessen abgeklärte Ruhe zu besitzen. Sie ist aufbrausend, jähzornig und schnell auf die Palme zu bringen.

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Die Finnin Sara Fabel spielt Uta.

(Foto: Tiberius)

Utas aufbrausende Art lässt zunächst noch Hoffnung auf ein Überleben aufkommen, denn ein Fluchtversuch scheint zu glücken. Es bleibt beim schönen Schein.

Auch die anderen US-Touristen, die nach der Partynacht erst am nächsten Tag das Verschwinden der beiden Freunde bemerken und zunächst vermuten, dass sie sich irgendwo ein Zimmer genommen haben, um ungestört zu pimpern, landen irgendwann im Tattoo-Studio. Doch der Künstler bleibt cool, sagt, er habe die beiden in der Nacht gesehen, sie seien aber wieder gegangen.

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"Killer Ink" ist bei Tiberius erschienen.

(Foto: Tiberius)

Ein Tattoo an der Wand, das der Künstler Amys Freund aus dem Oberarm geschnitten hat und das vom Stil her einzigartig ist, lässt die verbliebenen US-Partypeople aber stutzig werden. Ein erneuter Besuch im Tattoo-Studio bahnt sich an - und damit auch ein überaus blutiges und vor Gewalt triefendes Ende des Filmes.

Bilder für die Ewigkeit

Ja, bei "Killer Ink" hätte auch Eli Roth auf dem Regiestuhl sitzen können. Parallelen zu seinem "Hostel"-Torture-Porn sind nur allzu offensichtlich. Gleichwohl man bei "Killer Ink" einen künstlerischen Aspekt nicht absprechen kann, will heißen: Der Film hat durchaus so etwas wie eine Story und reiht nicht Gewaltszene an Gewaltszene aneinander. Der Zuschauer bekommt Zeit, auch einmal durchzuatmen.

Die braucht er auch, denn wenn der Künstler sein Skalpell ansetzt, sind starke Nerven beim Zuschauer gefragt. Der Genrekenner erinnert sich dann auch gleich an "Saw", wo sich ein Protagonist den eigenen Fuß absägt. Die Atmosphäre von "Killer Ink" ist entsprechend düster und den ganzen Film über unheilschwanger. Daran ist der unterschwellig daherkommende Score nicht ganz unschuldig.

Ein weiteres und letztes Ausrufezeichen setzt das Ende von "Killer Ink": Das eröffnet sowohl die Möglichkeit eines Pre- als auch diverser Sequels. Immerhin ist die Haut ja auch das größte Organ des Menschen und bietet jede Menge Platz für wunderschöne Bilder - die unter die Haut gehen und bleibenden Eindruck hinterlassen. Aber: Dein erstes Tattoo wirst du nie vergessen, dieses Regiedebüt und die Köpfe dahinter auch nicht.

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Quelle: n-tv.de

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