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Wie würdest du reagieren? "Mein Bruder ist ein Serienkiller"

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Bowlingtaschen können auch artfremd verwendet werden. Marty beweist das seinem einzigen Freund David, als der sich über ihn lustig macht.

(Foto: Meteor Film)

Der zwölfjährige Marty ist ein Außenseiter. In der Schule gemobbt und drangsaliert, flieht er in die imaginäre Welt von Superhelden-Comics und Horrorfilmen. Als er aber das blutige Geheimnis seines großen Bruders entdeckt, wird das Böse plötzlich Realität.

"Mein Bruder bewahrt einen Menschenkopf in seinem Wandschrank auf. Alle paar Tage ist es ein neuer Kopf. Normalerweise ist es der Kopf einer schwarzen Frau, aber eines Tages hatte er den Kopf eines weißen Mannes da drin." Worte, die einen erschaudern lassen, wenn man sie aus dem Mund eines Zwölfjährigen hört. Völlig gelassen und ruhig ausgesprochen, mit leichten Klaviertönen untermalt. Es ist der markante Beginn des Indie-Horrorfilms "Found - Mein Bruder ist ein Serienkiller".

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Der Film ist bei Meteor Film auf DVD und Blu-ray erschienen. Auch als "Uncut".

(Foto: Meteor Film)

Den Fund, der sein Leben durcheinanderwirbelt, macht Marty (Gavin Brown) rein zufällig, als er sich die Bowlingkugel seines großen Bruders Steve (Ethan Philbeck) ausleihen will, um mit seinem Freund David bowlen zu gehen. Was würdest du tun, wenn du herausfindest, dass dein Bruder ein Serienkiller ist? Marty reagiert nicht panisch, obwohl er fast geweint hätte. Er ist überrascht, dass niemand etwas gerochen hat. Aber verraten hat er das Geheimnis seines Bruders auch niemandem. Schließlich ist Martys Leben auch so schon kompliziert genug.

Marty ist nett, ein schüchterner Junge. Er liebt Superhelden-Comics, liest sie und zeichnet selbst. Denkt sich mit seinem Freund immer wieder neue Figuren aus. Und Marty liebt Horrorfilme. Seine Mutter findet das verstörend, schließlich ist ihr "kleiner Liebling" ja erst zwölf. Martys Vater sieht im Hobby seine Sohnes nichts Verwerfliches. Er geht ab und an sogar ins Kino mit ihm, um sich Horrorstreifen anzuschauen. Wegen all dem hat Marty in der Schule aber keinen leichten Stand: Er wird gemobbt, gehänselt und verprügelt. Aber das ändert sich mit seinem geheimnisvollen Fund schlagartig.

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In Steves Zimmer findet Marty auch eine Gasmaske ...

(Foto: Meteor Film)

Marty hat Angst vor Steve - und wird gleichzeitig angezogen von ihm und dessen blutigen Hobby. Und Steve? Er gibt den großen Bruder, kümmert sich um Martys "Schulproblem" auf seine Art. Er sagt Marty auch, dass er sich wehren soll, lieber mal zuschlagen. Was soll schon passieren? Und Marty hört Steve zu, fasziniert und abgestoßen zugleich. Wie konnte Steve zu einem Massenmörder werden? Was hat ihn dazu gemacht? Wann ist es passiert? Wird es mich auch treffen?

Als Marty sich bei Steve einen Horrorfilm aus dessen umfangreicher Sammlung aussuchen darf und dabei zufällig auf den Slasher "Headless" stößt, scheinen alle Fragen beantwortet zu sein und der Grund dafür gefunden, warum Steve ist, wie er ist. Aber mal ehrlich: Das wäre doch wohl zu einfach, oder?

Horrorfilme töten keine Menschen!

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Szene aus dem Film-im-Film "Headless"

(Foto: Meteor Film)

"Ich habe schon eine Menge Horrorfilme gesehen, aber die Dinge, die man da sieht, kommen nicht an die Wirklichkeit heran", sagt Marty auch zu Beginn des Films. Und er spricht damit Millionen Horrorfilmfans auf der Welt aus der Seele, die sich mit den Vorurteilen der Gesellschaft Horrorfilme betreffend herumschlagen müssen. Nur weil man Horrorfilme mag, Slasher liebt oder darauf steht, wenn das Kunstblut in rauen Mengen fließt, heißt das noch lange nicht, dass man einen an der Klatsche hat - oder gar ein Serienkiller in einem schlummert und nur darauf wartet, aus dem Dunkeln ans Licht zu treten.

Deshalb ist "Found" auch kein klassischer Horrorfilm, eher ein Coming-of-Age-Drama mit Horror-Attitüde - und einer kleinen, aber wohl durchdachten Besonderheit. Der Streifen des Regisseurs Scott Schirmer, der auf dem gleichnamigen Roman von Todd Rigney basiert, greift auf das beliebte Stilmittel des Films-im-Film zurück. "Headless" ist der wahre Horrorfilm, eine Hommage an die 1970er, 1980er Slasher-Reißer, und auch der Grund für die FSK18-Einstufung. Rau, ehrlich, direkt  und kompromisslos - das ist "Headless", der gerade wirklich verfilmt wurde.

Rau, ehrlich, direkt - das ist auch "Found", ein absolut sehenswertes Genre-Kleinod. Der Film soll weniger als 10.000 Dollar gekostet haben. Da bleibt nicht viel Spielraum für aufwändige Effekte. Auch für tiefgreifende Studien zum Thema "Sind Horrorfilme schädlich?" ist da - zum Glück - kein Platz. Da muss man improvisieren. Das gefällt und lässt den Film auf dem Boden bleiben. Ruhig, Brauner, ruhig, eben.

Unaufgeregt - wie der kleine Marty selbst. Er ist von Anfang bis zum Ende der Sympathieträger, was allerdings zugegebenermaßen nicht schwer ist. Man muss sich als Zuschauer nur selbst die Frage stellen: Was würdest du tun, wenn du herausfindest, dass dein Bruder ein Serienkiller ist? Ich für meinen Teil bin fein raus: Ich habe eine Schwester.

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Quelle: n-tv.de

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