Unterhaltung
Gestatten: Oberst Herzog, Nazi-Zombie
Gestatten: Oberst Herzog, Nazi-Zombie(Foto: Splendid)
Montag, 31. März 2014

"Dead Snow 2: Red vs. Dead": Nazis, Zombies, Eins, Zwei, DIE!

Von Thomas Badtke

Wenn du deine Freundin aus Versehen mit einer Axt tötest, du dir selbst mit einer Kettensäge den Arm abschneidest und mit ansehen musst, wie ein Trupp Nazi-Zombies all deine Freunde tötet - können die Dinge eigentlich nicht mehr schlimmer werden, oder? Weit gefehlt ...

Norwegen ist bekannt für seine Fjorde, für die Elche und seine Skistars wie Marit Björgen oder Ole Einar Björndalen. Aber der bekannteste Sohn des Landes heißt Tommy Wirkola. Tommy who? Zugegeben, abseits der Fantasy Filmfest Nights, die jedes Jahr in sieben deutschen Großstädten Fantasy- und Horror-Nerds von ihren Spielekonsolen und Online-Rollenspielen in die Kinos lockt, ist Wirkola kein gängiger Name.

In Norwegen ist er aber ein Star - ein Superstar, der bereits seinen Durchbruch in Hollywood geschafft hat. Für das Film-Mekka schlechthin drehte der Norweger den 80-Millionen-Blockbuster "Hänsel & Gretel: Hexenjäger" mit Gemma Arterton ("Byzantium") und Jeremy Renner. Der Film spielte weltweit mehr als 260 Millionen Dollar ein. Das spricht für Wirkola.

Vor den "Hexenjägern" machte sich Wirkola bereits schon einmal auf die Jagd. In "Dead Snow" ließ es Wirkola im hohen Norden seines Landes so richtig krachen. Eine Gruppe junger Medizinstudenten zieht sich für ein Spaßwochenende in eine abgelegene Blockhütte am Oxfjord zurück, nicht ahnend, dass unter den Schneemassen der Region Hunderte Nazi-Soldaten auf ihre Wiedererweckung unter der Führung ihres Obersts warten.

Der Rest der Story ist schnell erzählt: Im Zweiten Weltkrieg führte Oberst Herzog mit seinen Soldaten ein hartes Regiment, Leidtragende waren die Norweger der Region im Norden. Nach Unmengen unmenschlicherer Torturen griffen die Einwohner zu den Waffen und machten zu Hunderten mit Mistgabeln und Äxten Jagd auf den Oberst und seine Leute. Der konnte natürlich irgendwie entkommen, mitsamt seinem angehäuften Kriegsschatz, einer kleinen Truhe mit Gold. Die Norweger nahmen an, der Oberst samt seiner Männer sei im dem eisigen Bergen umgekommen. Naja, nicht ganz ...

Als der Medizinstudent Martin mit seinen Freunden die Goldtruhe Herzogs in der Blockhütte findet, ist ihr Schicksal besiegelt. Kampflos schenken die jungen Norweger ihre Leben zwar nicht her, am Ende des Films schafft es aber nur Martin zurück in die Zivilisation, beraubt um seinen rechten Arm, den er sich selbst mit einer Kettensäge eigenhändig abgetrennt hat, nachdem ein Nazi-Zombie seine Beißer genüsslich darin vergraben hat. Ende.

Welcome back!

Dabei könnte man es als Regisseur belassen. Die meisten würden das auch tun. Tommy Wirkola denkt nicht daran. Nachdem er mit "Dead Snow" einen Achtungserfolg erzielt hat und Hollywood auf ihn aufmerksam wurde, macht er sich an "Dead Snow 2: Red vs. Dead". Wer den ersten Film gesehen hat, weiß, dass er kaum zu übertreffen ist. "Dead Snow" hat alles, was ein zünftiger Horrorfilm braucht: junge Darsteller, hübsche Frauen, Gekreische, jede Menge schwarzen Humor und noch mehr Filmblut. Das ganze eingebettet in eine wunderschöne Schneelandschaft und begleitet von klassischer Musik aus der "Nussknacker"-Suite und norwegischem Heavy Metal. Aber: "Dead Snow 2: Red vs. Dead" legt noch einmal eine blutige Schippe drauf.

Martin wacht in einem Krankenhaus auf und sein abgetrennter Arm ist - nachgewachsen: Ein Zombie-Arm, wie ein neunmalkluger kleiner Junge aus den Vereinigten Staaten feststellt, dessen Mutter während des Urlaubs eine Lebensmittelvergiftung heimgesucht hat. Der Kleine kennt sich aus, denn er ist Fan der "Zombie Zquad (ZZ)". Dahinter steckt ein dickbebrillter US-Zombie-Nerd mitsamt seinen zwei durchaus ansehnlichen weiblichen Begleitungen. Als sie Martins Arm auf einem Handyfoto sehen, wissen sie, was zu tun ist. Eine kurze Diskussion zur Gefährlichkeit der Mission und zur Entfernung USA-Norwegen und die Zquad ist unterwegs, um Martin und ganz Norwegen zu helfen.

Nicht totzukriegen

Martin hat Hilfe auch dringend nötig. Oberst Herzog will nämlich nicht nur seinen Goldschatz komplett zurück, sondern auch seine Mission aus dem Zweiten Weltkrieg erfüllen. Nachdem ein Kriegsschiff der Deutschen vor der norwegischen Küste versenkt wurde, soll Herzog den Ort des Geschehens ausradieren. Dort wohnen mehrere tausend Menschen. Herzog macht sich auf den Weg, rekrutiert unterwegs neue Zombies, klaut einen alten Reichswehr-Panzer aus einem Museum und auf geht’s.

Martin und die Zombie Zquad sind klar in der Unterzahl. Da erinnert man sich an einen russischen Oberst, der mit Herzog noch eine Rechnung offen hat. Der Russe und seine Leute wurden einstmals von Herzog hinterhältig abgeschlachtet, im Eis Norwegens sind ihre Körper aber gut erhalten - und Martin hat die Fähigkeit, sie mit Hilfe seines Zombie-Arms zum untoten Leben zu erwecken. Und kurz darauf beginnt eines der blutigsten Zombie-Gemetzel aller Filmzeiten.

Danke, Tommy Wirkola!

War "Dead Snow" witzig und blutig, ist "Dead Snow 2: Red vs. Dead" witziger und blutiger. Ein Gag jagt den anderen: Es gibt Zombies, die Gefühle zeigen, Dorftrottel-Polizisten, und einen richtigen Panzer! Es bleibt zu hoffen, dass der Film den Weg in die deutschen Kinos schafft. Wenn nicht, dürften DVD und Bly-ray ein Verkaufsschlager werden.

Tommy Wirkola gehört ein Denkmal gesetzt, denn er hat - mit Anleihen bei "Tanz der Teufel" - mit den beiden "Dead Snow"-Filmen ein neues Genre geschaffen, das der Nazi-Zomedy. Und man darf gespannt sein, was das Hirn des gerade 34-Jährigen filmisch noch so auf Lager hat.    

Quelle: n-tv.de