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Nervensäge versus Zombies "Night of the living Deb" ist ein Brüller

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Immer wieder sehenswert: Zombies im Anmarsch.

Man nehme eine US-Kleinstadt, den 4. Juli und eine Bar. Dann lässt man eine angetrunkene, weibliche Nervensäge auf einen verlobten Typen los - Schnulze pur. Packt man Untote und Sarkasmus dazu, wird daraus der beste Zombiefilm des Jahres!

Selbst wenn die Zombiekalypse über die Erde schwappt, braucht der Mensch Zuneigung, ja manche sogar Liebe. Deb (Maria Thayer; "Nie wieder Sex mit der Ex") ist so jemand. Allerdings ist sie von ihrer Art her etwas schwierig: laut, direkt und kein Fettnäpfchen auslassend. Dennoch: Es ist 4. Juli, die gesamten USA feiern und Debs Alkoholspiegel reißt auch die letzte moralische Hemmschwelle nieder - die rothaarige Nervensäge quatscht in einer Bar den gutaussehenden Ryan (Michael Cassidy; "Argo", "Batman v Superman") an.

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Deb muss man einfach mögen - als Zuschauer.

Der Anfang ist gemacht. Da ahnt Deb aber noch nicht, dass das Ende der Welt bereits bevorsteht. Als Deb versucht, mit Ryan ins Gespräch zu kommen, taucht dessen Verlobte auf. Ein Wort ergibt das andere, die Stimmung kippt - und Deb wacht am nächsten Morgen mit einem Riesenkater auf. Und in Ryans Bett.

Der Anfang ist gemacht

Na immerhin, denkt sie, lächelt und bekommt mit, dass Ryan in einem anderen Zimmer telefoniert. Er versucht wohl gerade, den "Ausrutscher" zu erklären. Was soll's. Deb räkelt sich genüsslich im Bett, Ryan kommt herein, etwas peinliche Stille, die dann jäh durch Debs Stimme unterbrochen wird. Sie redet gern und viel. Ryan will einfach nur weg, faselt etwas von einer Familienfeier - und Deb davon, dass sie doch hier auf ihn warten könne.

Kurz gefasst: Er geht, sie dann auch. Doch auf dem Weg zu ihrem Auto sieht sie etwas Komisches auf der Straße: Ein Mensch versucht einen anderen zu beißen. Und es ist kein Einzelfall. Deb versucht sich kurz zu erinnern, was sie am Vorabend alles getrunken hat, aber ohne Ergebnis. Nun gerät auch Deb in das Visier dieser hungrig scheinenden Dinger. Und ehe sie sich versieht, ist sie auf der Flucht und Ryan an ihrer Seite. Tja, auch eine Zombiekalypse hat halt was Gutes!

Und wenn sie nicht gestorben sind ...

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"Night of the living Deb" ist bei Tiberius erschienen.

Übrigens auch für den Heimkino-Zuschauer, der "Night of the living Deb" in den Player eingelegt hat und anschaut. Klar, die ersten Minuten, als man fast nur Deb quasseln hört, muss man überstehen. Aber das geht. Man denkt an Charlie Harper aus "Two and a half Men" und einen Satz, den er immer gesagt hat, wenn eine Frau oder Alan ihm ein Ohr abgekaut hat: "Ich verstehe." Das hilft auch bei dem Film des Regisseurs Kyle Rankin ("Die Schlacht von Shaker Heights") und dann kann die Zombie-Party losgehen!

Deb wird dann auch ziemlich schnell sympathisch. Ja, es gibt auch liebenswerte Nervensägen. Deb ist eine davon. Vor allem ihr beißender Sarkasmus ist es, der das Pendel zur positiven Seite ausschlagen lässt. Schlagfertig, schwarzhumorig, eigentlich müsste sie eine Britin sein und "Night of the Deb" "Shaun of the Dead 2" heißen.

Das reicht als Lob für Rankins Film eigentlich bereits völlig aus. Aber "Night of the living Deb" kann auch mit der Story punkten. Deb und Ryan wollen zu seiner Familie, die verlässt am 4. Juli ihr Haus nie. Dass Ryan sich bei seiner Verlobten entschuldigen will, kratzt Deb nicht. Das blendet sie aus: "Ich verstehe."

Ryans Familie ist dann der nächste Kracher: Ein Kapitalist in Reinform als Vater, ein debil erscheinender Waffennarr als Bruder und die Mutter will nur das Beste für Ryan - und das ist nicht Deb. Dass Ryans Vater nicht ganz unschuldig ist an der Zombiekalypse; dass diese wiederum nicht durch Bisse verbreitet wird; dass das gute alte Trinkwasser eine Rolle spielt; und dass die Politik eine Mitschuld an dem ganzen Untoten-Desaster spielt, sorgt für ein gutes Bauchgefühl beim Zuschauer. Dass sich die Zombies sehen lassen können, ist mittlerweile Standard in dem Genre. Dass es medien- und gesellschaftskritische Ansätze gibt, rundet "Night of the living Deb" perfekt ab.

Wer also mal abseits des ganzen Zombieserien-Hypes einen erfrischenden, etwas andersartigen, humorig-sarkastischen Untotenfilm sehen will, ist bei "Night of the living Deb" hervorragend aufgehoben. Merke: Auch Nervensägen haben Zuneigung verdient!

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Quelle: n-tv.de

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