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Eine Firmenlegende am Abgrund "Red Army Hooligans" ist ein Drama

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Vlad weiß, wer Tony den lebensverändernden Schlag verpasst hat.

(Foto: WVG)

Wenn man als englischer Hooligan nicht zur Fußball-WM nach Russland darf, veranstaltet man sein eigenes Turnier. Tonys Firma hat diese Idee. Er selbst leidet an einem Hirnschaden und will nur eines: den Schuldigen dafür finden.

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ist Geschichte, Deutschland entthront und Frankreich ist Weltmeister. Der Gastgeber schlug sich überraschend gut, England auch. Zu Hooligan-Ausschreitungen kam es nicht, die Staatsgewalt hatte vorgesorgt. Genau an diesem Punkt setzt "Red Army Hooligans" an.

Irgendwo in einer englischen Stadt ärgert man sich, denn die WM findet ohne Tony (Jon-Paul Gates; "The Howling") und den Rest seiner Firma statt. Ausreiseverbot aus England, Einreiseverbot in Russland. Dumm gelaufen. Aber Tony juckt das nicht wirklich. Er hat ein ganz anderes Problem. Jeden Morgen trinkt er seinen Kaffee und fragt seine Frau Jem (Sharon Lawrence), ob er schon seine Zähne geputzt hat. Danach fragt er sie, ob ihre gemeinsame Tochter Bridget schon zur Schule unterwegs ist. Und zum krönenden Abschluss kündigt Tony jedes Mal an, einen kurzen Spaziergang machen zu wollen: Der tue ihm bestimmt gut, sagt er.

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Tony (r.) ist bei den "WM-Feierlichkeiten" seiner Firma nur eine Randnotiz.

(Foto: WVG)

Jems schaut dann immer kurz weg, unterdrückt ihre Tränen und küsst Tony. Er ist nicht derselbe Mann, den sie einst geheiratet hat. Bei einem Kampf seiner Firma hat er einen Schlag auf den Hinterkopf bekommen, war bewusstlos. Sein Hirn schwoll an, er musste operiert werden. Sein Gedächtnis ist mehr oder weniger hin. Jem sagt ihm immer, dass sei so seit zehn Monaten und es werde irgendwann besser. Tony hat das bereits nach wenigen Minuten wieder vergessen.

Die Jungs aus seiner Firma schauen regelmäßig vorbei, versuchen ihn aufzumuntern, halten ihn auf dem Laufenden, bekommen aber auch mit, wie es wirklich um Tony steht. Zur Fußball-WM in Russland, zu der sie nicht reisen dürfen, wollen sie eine bekannte Gruppe russischer Hools in ihre Heimat holen und in einem kleinen Dreikampf gegen sie antreten. Tony ist dabei ein gern gesehener Gast, denn auch die Russen - allen voran deren Anführer Vlad (Earl Ling; "Stagger") - wissen, wie es um die "Legende" bestellt ist.

Kein klassischer Hooligan-Film

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"Red Arny Hooligans" ist bei WVG auf DVD und BD erschienen.

(Foto: WVG)

Es ist angerichtet: England vs. Russland. Zur Auflockerung ein Fußballspiel, danach ein Pokerturnier mit einem amerikanischen Stargast und zum Abschluss steigen die jeweils besten Kämpfer in einen Boxring und messen sich. Klingt irgendwie nach Ringelpietz mit Anfassen und so gar nicht nach Hooligan-Film?

Da ist etwas dran. Wer bei "Red Army Hooligans" einen Streifen á la "A.C.A.B." erwartet, wird enttäuscht. Selbst einem Vergleich mit der auf Mainstream getrimmten "Hooligan"-Reihe aus Hollywood hält der FSK-16-Film des Regisseurs Stephen M. Smith ("Essex Boys") nicht stand. Der Titel "Red Army Hooligans" leitet komplett in die Irre. Die dritte Halbzeit? Blut? Hass? Nein. "Red Army Hooligans" ist ein Drama.

Ein Drama mit überzeugendem Hauptdarsteller

Im Mittelpunkt steht eben jener Tony und seine Krankheit, die das Leben seiner Familie nicht nur seit Monaten durcheinanderwirbelt, sondern bereits seit zehn Jahren. Tony findet das heraus, als eine Frau mit Kind in seinem Haus auftaucht und es sich dabei nicht um eine Nachbarin und Freundin Jems handelt, sondern um seine Tochter. Tony ist Opa - und sein Hirnschaden irreparabel. Er wird daran sterben.

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Tony weiß nicht, was er sagen soll. Jem erklärt ihm mit einer Seelenruhe, dass sie diese Situation bereits mehrmals durchlebt haben. Er war schon öfter an genau diesem Punkt, aber einen Tag später erinnerte er sich an nichts mehr. Tony weiß, er muss nun schnell handeln, denn das einzige was jetzt zählt, ist herauszufinden, wer für seinen erbärmlichen Zustand verantwortlich ist. Er muss den Mann finden, der ihm diesen Schlag zugefügt hat.

Die Jungs seiner Firma halten dicht. Vlad nennt auch keinen direkten Namen, aber er liefert Tony den einen Hinweis, den er braucht. Und so kann er dem Mann, dem Schuldigen, kurz darauf in die Augen schauen. Folgt nun der ultimative Fight auf Leben und Tod? Nein, denn Tonys "Schläger" ist wie er ein Opfer einer Hooligan-Auseinandersetzung: irreparables Nervenleiden in den Gliedmaßen. Erst Gehstock, dann Rollstuhl, dann der Tod als ein Häufchen Elend.

Dieses Ende von "Red Army Hooligans" kommt überraschend. Der Kloß im Hals sitzt. Dass die Aufmachung des Films eher an ein B-Movie erinnert und ihm jedwede Hochglanz-Optik abgeht, verstärkt dieses Gefühl noch. Zudem spielt Jon-Paul Gates die Rolle der gebrochenen Firmen-Legende äußerst überzeugend. Das ist das, was am Ende von "Red Army Hooligans" im Kopf bleibt. Wen interessiert schon der Weltmeister?

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Quelle: n-tv.de

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