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Früher war alles besser "Schloss des Schreckens" lädt zum Gruseln

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Ja, so ein altes englisches Gemäuer in der Nacht bei Kerzenschein: Da könnte jeder Schatten, jede kleinste Bewegung die Grusel-Fantasie beflügeln.

(Foto: Capelight )

Ein englischer Landsitz Ende des 19. Jahrhunderts, zwei Waisen und eine junge Gouvernante: Mehr braucht es nicht für einen Horrorklassiker. Auch fast 60 Jahre nach seiner Entstehung sorgt "Schloss des Schreckens" für Gänsehautmomente - und offene Fragen.

Früher war alles besser. Diesem Satz wohnt gerade in den heutigen Coronavirus-Zeiten ein ganz besonderer Charme inne, in Erinnerung an die gute alte Zeit. Nicht die 2000er oder 1990er; nicht einmal die 1980er oder 1970er. Gemeint sind die 1960er. Damals, als Deutschland und ganz Europa wieder aufblühten und die harte Nachkriegszeit einem immer unbeschwerteren Blick in die Zukunft wich. DAS waren noch Zeiten! Die Kinos klein, die Filme schwarz-weiß - und das Horrorgenre setzte mit dem britischen "Schloss des Schreckens" ein bis heute nachwirkendes Ausrufezeichen.

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"Schloss des Schreckens" ist bei Capelight auf DVD, BD und als Mediabook erschienen.

(Foto: Capelight)

Es basiert auf der Erzählung "The Turn oft he Screw" von Henry James und adaptiert gleichzeitig das Theaterstück "The Innocents" von William Archibald. Archibald wirkte auch am Drehbuch des gleichnamigen Films mit, der hierzulande als "Schloss des Schreckens" firmierte. Neben Archibald wirkten John Mortimer und ein gewisser Truman Capote am Drehbuch mit und lieferten Regisseur Jack Clayton das perfekte Grundgerüst für sein schockierend-verstörendes Psycho-Meisterwerk, das der Verleiher Capelight nun als Mediabook wieder frisch auf den Heimkinomarkt bringt. Und auch 60 Jahre nach der Produktion hat "Schloss des Schreckens" nichts von seiner Faszination verloren.

Eine andere Zeit

James und Clayton entführen ins England vom Ende des 19. Jahrhunderts. Die junge Miss Giddens (Deborah Kerr; "Verdammt in alle Ewigkeit") wird als Gouvernante für die beiden Waisen Flora (Pamela Franklin) und Miles (Martin Stephens) engagiert. Der Onkel (Michael Redgrave; "Eine Dame verschwindet") der Kinder hat mit selbigen nichts am Hut. Er lebt in London und ist die meiste Zeit geschäftlich auf Reisen. Miss Giddens freut sich auf den Job und die Kinder, die auf einem entfernt gelegenen Landsitz untergebracht sind.

Als Miss Giddens dort eintrifft, ist sie überrascht: von der Schönheit der Natur, der schieren Größe des Hauses, das einem Schloss gleichkommt und auch von der süßen Flora, die ihr unbeschwertes Kindesdasein in der Natur in vollen Zügen zu genießen scheint. Auch die in die Jahre gekommene Haushälterin Mrs. Grose (Megs Jenkins) macht einen netten Eindruck auf Miss Giddens. Schöne heile Welt.

Psychospiele oder Wirklichkeit?

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Welches Geheimnis verbirgt sich hinter den Mauern des "Schloss des Schreckens"?

(Foto: Capelight)

Doch die bekommt schnell erste Risse. Zwar verdrängt Miss Giddens lange, dass ihre Vorgängerin bei der Ausübung ihrer Arbeit ums Leben gekommen ist. Doch als Floras Bruder Miles auf dem Landsitz eintrifft, merkt Miss Giddens schnell, dass irgendetwas nicht stimmt. Sie sieht immer wieder einen Mann, dessen plötzliches Erscheinen ihr Angst einjagt. Laut Mrs. Grose dürfte Miss Giddens diesen aber gar nicht sehen, denn auch er ist schon seit geraumer Zeit tot. Er starb in einer bitterkalten Winternacht, sturzbetrunken sei er auf der Steintreppe vor dem Haus unglücklich gestürzt, hätte eine blutende Wunde am Kopf davongetragen und sei erst am nächsten Morgen tot aufgefunden worden - von Miles, der daraufhin lange gebraucht habe, um den Anblick zu vergessen. Zudem sei der Mann, der alte Hausverwalter, so etwas wie der Ersatzvater von Miles gewesen. Allerdings, so Mrs. Grose, sei der Mann auch ein abgrundtief böser Mensch gewesen.

Miss Giddens erfährt, dass der alte Hausverwalter eine geheimnisvoll anziehende Wirkung gehabt haben soll, die nicht nur bei Miles, sondern auch bei ihrer Vorgängerin gewirkt habe. Sie sei ihm verfallen gewesen, sagt Mrs. Grose leise. Nichts anderes bei Miles.

Ein Gedanke reift in Miss Giddens Gehirn heran, wirft immer mehr Fragen auf: Geistert der alte Hausverwalter hier auf dem Landsitz herum? Hat er noch immer Macht über den kleinen Miles? Versucht seine Geliebte von einst, ihre Vorgängerin als Gouvernante, Besitz von Flora zu ergreifen? Ist sie, Miss Giddens, dazu auserkoren von Gott, die Kinder aus den Fängen des Bösen zu befreien? Wie soll sie das alles dem Onkel der Kinder in London erklären? Sie fasst einen Entschluss: Flora und alle Hausangestellten sollen den Landsitz verlassen. Nur sie und Miles sollen zurückbleiben. Miss Giddens will ihre ganze Aufmerksamkeit dem Jungen widmen und ihn direkt mit den Geschehnissen der Vergangenheit konfrontieren. Miles' Seelenheil als oberstes Gebot und Ziel.

Alles vom Feinsten!

Was nach spooky Geisterhorror der alten Schule klingt, ist in Wirklichkeit ein tiefgreifender und emotionaler Seelenstrip und Psychohorror at its best. Mit einem Anfang, der an Rosamunde Pilcher in einer vergangenen Zeit erinnert und am Ende mehr Fragen beim verstörten Zuschauer hinterlässt als Antworten. Dazwischen gibt es viele heute etwas krude anmutende Dialoge, wunderschöne Bilder einer unberührten Natur, einen schlossartigen Landsitz mit jeder Menge geheimnisvoller Zimmer und düsteren Ecken, die nur von flackerndem Kerzenschein spärlich erhellt werden.

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"Schloss des Schreckens" spielt mit den Erwartungen des Zuschauers. Sind die Kinder böse kleine teuflische Satansbraten? Oder sieht er mit Claytons Werk einen frühen Vorläufer von "Der Exorzist"? Oder ist alles gar nur Mumpitz? Einbildung? Fakt ist: Die Schauspielleistungen sind grandios, Geräusch- und Bildkulisse ein Traum in Streichern und Schwarz-Weiß. Und das Ende ist eines, das man in der heutigen Zeit, bei heutigen Filmen, überhaupt nicht mehr sieht. Es war eben alles besser früher. Vor Corona, Globalisierung, Kaltem Krieg und Hippiezeit. Damals eben.   

Quelle: ntv.de