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Tod schwingt mörderische Sense "#Screamers": mit Horrorclips zum Millionär

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Ein Clip, eine Frau, ein Schrei: Ungläubig schaut das gigaler.com-Team das eingereichte Horrorvideo.

(Foto: Tiberius)

Tom und Chris haben gigaler.com gegründet, eine Videoplattform nur mit Horrorclips. Als sie ein neues Video mit Snuff-Charakter zugespielt bekommen, wittern sie das große Geld. Sie machen sich auf die Suche nach den Urhebern. Ein tödlicher Fehler, wie der Film "#Screamers" zeigt.

Mit Videos im Internet Geld verdienen? Na, wenn es weiter nichts ist. Man braucht nur eine brillante Idee und der Rest findet sich von selbst. Tom (Tom Malloy) und Chris (Chris Bannow) sind genauso an die Sache herangegangen und nach ein paar Drinks und etwas Zeit steht am Ende die Webseite gigaler.com. Zu sehen gibt es da handverlesene Horrorclips. Die werden von Menschen auf die Plattform hochgeladen, die zum einen andere gern erschrecken und die zum anderen durchaus ein gewisses Maß an Geltungsbedürfnis verfügen. Tom und Chris greifen dann die Nutzerdaten ab, schalten Werbung und geben vor, durch Analyse und einen von ihnen entwickelten Algorithmus den perfekten Clip für jeden User zu finden.

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"Wow" - kann dieser Clip echt sein?

(Foto: Tiberius)

Was braucht es noch für den großen Durchbruch? Möglichst einen viral gehenden Clip, den man zuvor exklusiv eingekauft hat. Und das Glück scheint den beiden aufstrebenden Jungunternehmern hold zu sein: Ein Mitarbeiter, der den lieben langen Tag nichts anderes macht, als sich gruselige Videos anzuschauen, stößt auf einen Clip mit Potenzial. Eine Frau in einem Keller, gefangen, und dann ... Snuff? "Wow", denkt Tom, als er den Clip gezeigt bekommt. "Wow", denkt auch der ruhigere Chris, als er ihn sieht. Nun greift ein Rädchen ins andere: Das Horrorvideo landet auf gigaler.com und Tom setzt alle Hebel in Bewegung, um den Urheber des Clips herauszufinden.

Es gelingt, gelobt und gedankt sei der modernen Technik! Es gibt eine Adresse und eine Telefonnummer. Und noch besser: Als Tom dort anruft, meldet sich eine zurückhaltende Frauenstimme. Ein bisschen Small Talk, dann beendet die Frau das Gespräch abrupt, ein gewisser Francis sei zurückgekehrt und der dürfe das Gespräch nicht mitbekommen. Tom bringt die Frau gerade noch dazu, seine Telefonnummer für einen Rückruf aufzuschreiben.

Viraler Horror

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Am nächsten Tag hat der Clip auf gigaler.com bereits Berühmtheit erlangt - vor allem wegen der Kommentare der User. Einige von ihnen haben in der jungen Frau im Video die vor zwei Jahren plötzlich verschwundene Tara Rogers entdeckt. Tom und Chris lassen recherchieren und als sie auf ein altes Facebook-Video Taras stoßen, sind auch sie sicher, dass es sich bei der Frau in dem Video um Tara handeln muss.

Das wirft natürlich Fragen auf: Wenn es Tara ist, wieso schickt sie jetzt dieses Video? Wurde sie entführt? Aber weshalb kann sie jetzt plötzlich telefonieren? Wer ist dieser Francis? Tom und Chris wissen, dass sie nur vor Ort die Antworten auf alle ihre Fragen bekommen werden. Und keine fünf Sekunden später haben sie den Entschluss gefasst, Tara einen Besuch abzustatten. Gemeinsam mit zwei Mitarbeitern, Griffin und Abbi, machen sich Tom und Chris auf den Weg - mit einem durchaus mulmigen Gefühl in der Magengegend.

Irgendwie doch unheimlich

Das rührt von ihren weiteren Recherchen: Sie finden heraus, dass es sich bei Francis um einen Fan von Jack the Ripper handeln muss. Jack the Ripper alias Francis Tumblety soll, nachdem er 16 Prostituierte in London ermordet hat, vor der englischen Polizei nach Amerika geflohen sein. Dort lebte er zurückgezogen bis zu seinem Tod. Seine letzte Ruhestätte liegt nicht weit von der Adresse entfernt, zu der die vier Gigaleaner nun unterwegs sind, weil sie dort die Urheber ihres Horrorclips vermuten.

Und da ein bisschen Kultur zu jeder Reise gehört, statten die vier dem Grab von Francis Tumblety einen Besuch ab, Videokamera immer dabei und an. Zu diesem Zeitpunkt ahnt keiner von ihnen, dass nur wenige Stunden später ein nackter Kampf ums Überleben begonnen hat, ein aussichtsloser noch dazu. Der Film "#Screamers" schreit sich seinem Höhepunkt entgegen!

Eine Idee, die Schule machen könnte

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"#Screamers" ist bei Tiberius auf DVD und BD erschienen.

(Foto: Tiberius)

Viel Text für eine Story, die man auch hätte so zusammenfassen können: Startup-Guys finden Horrorclip, Dollarzeichen blitzen in ihren Augen auf und mit einem Exklusivvertrag wollen sie die Videoproduzenten an sich binden. Noch mehr aufblitzende Dollarzeichen. Dann ein Besuch vor Ort - und zack, der Tod schwingt seine mörderische Sense. Aber "#Screamers" hat eben etwas mehr zu bieten als nur diese Story.

Als Zuschauer will man am liebsten bei gigaler.com arbeiten. Man wird in den Arbeitsalltag von Tom, dem Visionär und Chris, dem Techniknerd, eingeführt. Lernt, dass Arbeit nicht alles und ein Kicker absolutes Muss einer hippen, aufstrebenden Garagenfirma ist. Man riecht förmlich das Blut, den Schweiß und die Tränen der unbezahlten, ausgebeuteten Praktikanten, die alles tun, um am Ende bei einem Börsengang dank ihrer paar Mitarbeiteraktien zum Millionär werden. Klingt nach den Endneunziger Jahren, nach Yahoo, Intershop, EM.TV. Oder eben nach Google, Facebook und Amazon.

So könnte "#Screamers" auch als Dokumentation für das öffentlich-rechtliche Bildungsfernsehen gedreht worden sein. Ist er aber dann doch nicht - zum Glück. Wobei der Film durchaus Bildungscharakter hat: Im Dunkeln das Grab eines Massenmörders aufsuchen? Keine gute Idee! In geheimnisvolle Häuser gehen, nur weil die Tür nicht verschlossen ist? Keine gute Idee! Sich von plötzlich loshupenden Autoalarmanlagen ablenken lassen? Keine gute Idee! Sich als Gruppe in einem Horrorfilm trennen? Genau: keine gute Idee!

Dann doch lieber mit Videos im Internet Geld verdienen. Vielleicht ja mit Kritiken zu Horrorfilmen? Nach "#Screamers" durchaus eine gutzuheißende Idee.

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Quelle: n-tv.de

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