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Nicht ganz alltäglicher Horror "Slashed" liefert Organe auf Bestellung

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Erst die Leber? Oder vielleicht doch die Lunge?

(Foto: Tiberius)

Leber? Niere? Herz? Lunge? Milz? Egal, die beiden Brüder Corey und Jeffery liefern alles frisch und blutig. Ihre "Spender" sind jung, weiblich und hübsch. Doch dann soll Medizinstudentin Cindy unters Messer, aber die ist hart im Nehmen. Klingt nach Slasher-Horror, oder?

Es ist ein ernstes Thema, dem sich Autor, Regisseur und Produzent Rodney Wilson bei seinem neuen Werk widmet: Organhandel. Eine neue Niere? Ein frisches Herz? Vielleicht eine Lunge? Oder eine Milz? Wer nicht lange auf das Spenderorgan warten will, greift dafür in Wilsons Welt mächtig tief in die Tasche. Klar, dass Reiche dabei im Vorteil sind. Aber die Kunden selbst kennen die beiden Brüder Corey (Joe Bocian; "Longmire") und Jeffery (Brian Landis Folkins; "Hoax") nicht. Sie sind nur für die - wenn auch extrem gut bezahlte - Drecksarbeit zuständig: Sie schlitzen auf und holen raus, was gerade eben gebraucht wird.

Ihre "Spender" liefern die Organe dabei eher unfreiwillig: Bei dem Streit eines jungen Pärchens kommt plötzlich ein Messer ins Spiel, es wird unschön, Blut fließt und der Notarzt wird gerufen. Corey und Jeffery haben einen Krankenwagen, hören die nötigen Funkfrequenzen ab und wenn es passt, machen sie sich auf den Weg. Ein Rentner mit Rückenbeschwerden? Nein, dann doch die junge Frau, die laut ihrem Freund "in ein Messer gefallen ist".

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"Slashed" ist bei Tiberius auf DVD und BD erschienen.

(Foto: Tiberius)

Vor Ort wird der Freund abgewimmelt, die Verletzte in den Krankenwagen gepackt und ab geht die wilde Fahrt. Im Wagen selbst bekommt die Frau eine Sauerstoffmaske auf, aus der aber kein Sauerstoff, sondern ein Narkosemittel strömt. Dann geht alles sehr schnell: Skalpell raus, ein Schnitt, noch ein Schnitt, ein paar weitere hinterher und fertig ist das Organpaket. Frisch und blutig wird es kurz darauf an einen Abholer übergeben, und die beiden Brüder haben eine sechsstellige Summe auf ihrem Konto.

Und dann kam Cindy

Das gleiche Spiel planen sie, als der Notruf einer verletzten Wanderin hereinflattert. Cindy (Jenice Marshall; "Rock Paper Scissors") hat sich den Fuß verstaucht, vielleicht sogar gebrochen. Ihre zwei Freundinnen wollen sie in Krankenhaus begleiten, aber Corey und Jeffery wimmeln sie ab: Sie verlören sonst ihren Job, sagen sie. Die Mädels insistieren: Das ginge schon einmal, man könne auch helfen, schließlich studierten sie alle drei Medizin. Aber nichts da: Cindy landet auf der Pritsche im Krankenwagen, bekommt die Sauerstoffmaske übergestülpt, und ehe sie fragen kann, wozu das denn bitte gut sein soll, ist sie schon weggedämmert.

Als sie aufwacht, ist sie gefesselt, befindet sich in einem dunklen Raum. Dann ein Knacken, und grelles Neonlicht durchflutet den Raum und blendet sie. Es sieht aus wie in einem Operationssaal. Dann betritt Corey den Raum, im schnieken Arztkittel. Cindy will schreien, ist aber zu perplex. Wurde sie entführt? Wird sie jetzt vergewaltigt? Muss sie bald sterben?

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"Slashed": eine grausame Geschäftsidee.

(Foto: Tiberius)

Corey macht Cindy klar, dass es ihr gut gehen wird, solange sie auf seine Anweisungen hört. Dass er nur auf eine neue Liste von dringend benötigten Organen wartet, verrät er ihr erst einmal nicht. Dafür erzählt er ihr die eine oder andere erfundene Geschichte über sich, seinen Bruder, ihr früheres Leben. Er macht einen intelligenten Eindruck, Jeffery dagegen nicht. Er ist geistig zurückgeblieben und scheint, so denkt Cindy zumindest, der nettere der beiden Brüder zu sein, zudem sexuell total unerfahren.

Weißer Ritter statt weiße Holle?

Cindy wittert Morgenluft: Vielleicht kann sie Jeffery überzeugen, sich gegen seinen Bruder zu stellen. Aber die Familienbande hält, Blut ist dicker als Wasser - zumindest vorerst. Erst als Cindy Jeffery einen bläst, wendet sich das Blatt: Jeffery ist nun vernarrt in Cindy, schließlich ist sie die erste Frau, die sich sexuell auf ihn eingelassen hat. Es kommt, wie es kommen muss: Cindy gelingt es, sich zu befreien und zu fliehen.

Also muss ein neuer Organspender her: Der nächste Notruf kommt schnell, die Brüder machen sich auf den Weg - und werden vor Ort überrumpelt. Cindy und ihre beiden Freundinnen haben die beiden mit Tasern außer Gefecht gesetzt und wollen nun blutige Rache nehmen, direkt im OP-Saal der beiden Brüder. Das Skalpell ist frisch geschärft, da klingelt es plötzlich an der Tür.

"Slashed 2"?

*Datenschutz

So viel sei verraten: Der Postmann ist es nicht, aber der Klingelnde hat ein Angebot, das die drei Mädels nicht ablehnen können. Doch das ist Teil eines möglichen Nachfolgers von "Slashed: Aufgeschlitzt". Der Titel passt. "Slashed" ist Slasher-Horror, der aber über die Einbildungskraft und Vorstellungsschiene der Zuschauer in deren Gehirne fährt. Und so blöd es klingen mag: Als Zuschauer wechseln die Sympathien während des Films: Drückt man zunächst Cindy die Daumen, fiebert man dann gegen Ende vor allem mit Jeffery mit. Für ihn droht am Ende des Tages die Familienbande zum Verhängnis zu werden. Mitgefangen, mitgehangen.

"Slashed" hätte aber noch slashiger ausfallen können - und auch prominenter besetzt. "Julia X" mit "Herkules" Kevin Sorbo kommt dem geneigten Horrorfan da beispielsweise in den Sinn. Auch da kehrt sich das Machtverhältnis im Filmverlauf um. "Slashed" agiert nach dem Muster eines typischen Rape-and-Revenge-Streifens: Mädchen entführt, vergewaltigt und vielleicht noch mehr. Mädchen entkommt ihren Peinigern und zettelt einen Rache-Bodycount an, meist blutig und eiskalt serviert.

Soweit geht "Slashed" dann am Ende aber eben nicht. Das ist das Manko des Wilsonschen Streifens. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja Pläne für eine Fortsetzung. Organhandel ist schließlich ein lukratives Geschäft.

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*Datenschutz

 

Quelle: n-tv.de

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