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Sendan muss sich entscheiden: für die Menschen oder die Geheilten.
Sendan muss sich entscheiden: für die Menschen oder die Geheilten.(Foto: Splendid)
Dienstag, 05. Juni 2018

Nach der Plage kommt die Heilung: "The Cured" hat Zeug zum Zombie-Klassiker

Von Thomas Badtke

Frisches Blut fürs Zombie-Genre: Der Maze-Virus überrennt Irland, ein Heilmittel wird fieberhaft gesucht. Als es da ist, sind 25 Prozent der Infizierten bereits resistent. Die Regierung will sie töten lassen, aber das stößt den 75 Prozent Geheilten sauer auf.

Er ist da, der Anfang vom Ende der Welt: Jahrelang breitete sich das sogenannte Maze-Virus in ganz Europa aus. Die Infizierten werden aggressiv. Rasend vor Wut töten sie alles, was ihnen in die Quere kommt, egal ob Feind, Freund oder Familie. Besonders schlimm wütet der Virus in Irland, die Insel wird gewissermaßen von Maze überrannt - bis es in all dem Chaos gelingt, ein Heilmittel zu entwickeln. Es hilft 75 Prozent aller Maze-Fälle.

Ellen Page wertet "The Cured" auf.
Ellen Page wertet "The Cured" auf.(Foto: Splendid)

Das Problem daran: Die Geheilten können sich an alles erinnern, was sie während ihrer Maze-Infektion getan haben. In unkontrollierbaren, albtraumhaften Sequenzen werden sie immer wieder aus heiterem Himmel an ihre schrecklichen Taten erinnert. Nun, Jahre später, steht die letzte Welle der Geheilten davor, in die Gesellschaft reintegriert zu werden. Gleichzeitig denkt die Regierung darüber nach, wie man mit den 25 Prozent Resistenten umgehen soll. Die Bevölkerung ist gespalten: Die Resistenten sind eine potenzielle Gefahr, durch sie kann der Maze-Virus jederzeit wieder ausbrechen, wie die einen sagen. Sie fordern den Tod aller Resistenten. Die anderen sagen, dass einfach nur noch etwas Zeit fehle, bis auch für sie ein Heilmittel gefunden werden könne.

Neues Leben, alte Probleme

Genau in dieser Zeit wird Sendan (Sam Keeley; "Anthropoid") für geheilt erklärt, genauso Conor (Tom Vaughan-Lawlor; "The Infiltrator"). In der Gefangenschaft, während ihres Heilungsprozesses, sind die beiden Freunde geworden. Sie schwören, sich auch in ihrem neuen Leben beizustehen und aufeinander aufzupassen. Doch während Sendan bei Abbie (Ellen Page; "Hard Candy", "Juno", "Inception") und Luke bei der Familie seines toten Bruders unterkommt, stößt Conor bei seiner Familie auf Granit: Sein Vater will von ihm nichts mehr wissen, denn Conor hat seine Frau und eigene Mutter brutal ermordet, Vergebung ist von seinem Vater daher nicht zu erwarten.

Ist der unmenschliche Hunger auf Blut für immer gestillt?
Ist der unmenschliche Hunger auf Blut für immer gestillt?(Foto: Splendid)

Während Sendan versucht, ein normales Leben zu führen - so geht es eben, wenn alle Welt weiß, dass man grausame Dinge getan hat und der Maze-Virus vielleicht sogar wieder ausbrechen könnte -, so schlecht kommt Conor mit der Situation klar. Er fühlt sich nicht mehr als Mensch, er ist nun etwas anderes, Teil einer neuen Rasse. Und dass die Regierung seine "Brüder und Schwestern", die Resistenten, kaltblütig ermorden will, ist der Funke, der ihn zur Explosion bringt.

Conor gründet eine Untergrundorganisation, will mit Anschlägen den Anliegen der Geheilten und Resistenten Gehör verschaffen. Als das nicht gelingt, plant er, sich eines Resistenten zu bemächtigen und ihn auf die normalen Menschen loszulassen. Sendan soll ihm dabei helfen. Als er sich weigert und Conor verrät, rächt sich dieser äußerst perfide: Abbie erfährt, wer ihren Mann getötet hat. Nicht nur für sie bricht eine Welt zusammen.

"The Cured" überzeugt auf ganzer Linie

"The Cured" ist bei Splendid erschienen.
"The Cured" ist bei Splendid erschienen.(Foto: Splendid)

Spannend bis zum Schluss - und eigentlich auch darüber hinaus: Das ist "The Cured" von Regisseur David Freyne ("Passing"). Nach unzähligen Zombiefilmen, die immer nur den Ausbruch und das Umsichgreifen der Untoten-Epidemie behandeln, geht "The Cured" endlich weiter und findet einen neuen, vielversprechenden Ansatz: die Heilung der Zombies. Dass nicht alle genesen und es resistente Vertreter gibt, ist gewollt und gekonnt gleichermaßen und sorgt dafür, dass sich auch die Fans klassischer Zombie-Filme bei "The Cured" wohl fühlen.

Neben dem neuen Aspekt der Heilung sind es vor allem die ohne jedwede Vorwarnung hereinbrechenden Albtraumsequenzen, die den Zuschauer fesseln. Sie schocken mehrfach: meist erst akustisch, dann szenisch und mitunter blutig bildgewaltig. Daneben sorgen die mit Charaktertiefe ausgestatteten Figuren für die nötigen Sympathie- und Mitfieberwerte.

Am Ende kommt der Zuschauer nicht umhin, sich bei "The Cured" an Danny Boyles Klassiker und Meisterwerk "28 Days Later" zu erinnern. Das hat diverse Gründe, etwa: Beide Filme verbinden neue Ideen, Vorgehensweisen, starke Schauspieler und blutig-schicke Schockeffekte. Darüber hinaus sind beide Streifen auch nah an der Realität und durchaus gesellschaftskritisch.  Und natürlich: Auf "28 Days Later" folgte mit "28 Weeks Later" von Juan Carlos Fresnadillo ein starker zweiter Film. Das wäre auch "The Cured" zu wünschen, das Filmende gibt es durchaus her - und schließlich hat ja auch erst der Anfang vom Ende der Welt begonnen.

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Quelle: n-tv.de