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Brillante Serie, düstere Stimmung "The Killing"

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Holder (Kinnaman) und Linden (Enos): Mit einem vermissten Teenager fängt ihr erster gemeinsamer Fall an, eine Ende ist nach Staffel 1 von "The Killing" noch nicht in Sicht.

(Foto: Pandastorm)

Eine Polizistin muss in ihrem letzten Fall den Mord an einem Mädchen aufklären. Doch die Ermittlungen laufen aus dem Ruder, versinken im Sumpf aus politischen Ränkespielen, Vorurteilen und Mafia-Verbindungen. Drei Erzählstränge, zwei ungleiche Ermittler, eine grandiose Serie.

Wer an Seattle denkt, hat vielleicht Kurt Cobain, Grunge oder Jimi Hendrix im Kopf. Den meisten werden aber Tom Hanks und Meg Ryan einfallen und die Liebesschnulze "Schlaflos in Seattle": Ein kleiner Junge will seinem verwitweten Vater wieder eine Frau besorgen. Neben Hanks und Ryan, die danach zum neuen Hollywood-Traumpaar auserkoren werden, bleibt von dem Filmklassiker aber vor allem eines in Erinnerung: der Regen. Seattle, das ist Dauerregen - und graue, düstere, triste Stimmung, die an jeder Ecke wartet und die sich langsam durch die klamme Kleidung in deinen Körper frisst.

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Bedrückend und schön zugleich ist die Stimmung in "The Killing".

(Foto: Pandastorm)

Rund zwanzig Jahre später hat sich an diesem Bild der Stadt im Nordosten der USA, nahe der Grenze zu Kanada gelegen, nichts geändert. Das zeigt die TV-Serie "The Killing" eindrucksvoll. Wer auf Regen und deprimierende Grautöne, vor allem beim nahenden Herbst keine Lust hat, sollte um die AMC-Serie einen weiten Bogen machen- - selbst wenn er Krimi-Fan durch und durch ist. Allen anderen sei die in Deutschland bei Pandastorm auf Blu-ray und DVD erschienene erste Staffel wärmstens ans Herz gelegt. "The Killing" liefert Crime mit Gefühl und Seele!

Wie ein Stein im Wasser

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Sarah Linden im Einsatz: Auf ihren Instinkt kann sie sich verlassen.

(Foto: Pandastorm)

Im Vordergrund steht Detective Sarah Linden (Mireille Enos; "World War Z"). Sie ist alleinerziehende Mutter, eine einfache Kindheit hatte sie auch nicht. Linden musste sich durchboxen, ist ehrgeizig und verbissen. Sie ist ein Mädchen der Stadt, durch und durch. Dennoch will Linden der Liebe wegen ins sonnigere Kalifornien ziehen.

An ihrem letzten Arbeitstag in der Mordkommission der Polizei Seattle trifft sie zum einen auf ihren Nachfolger Stephen Holder (Joel Kinnaman; "RoboCop", "Safe House"), der vom Drogendezernat zur Mordkommission gewechselt ist. Er scheint das genaue Gegenteil von Linden zu sein: Sein Herz trägt er auf der Zunge, seine Klamotten könnten aber auch einem heruntergekommenen Junkie gut stehen.

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Rosie Larsen hat viele Geheimnisse. Eines kostete sie wohl das Leben.

(Foto: Pandastorm)

Zum anderen wird Linden aber auch mit dem Verschwinden einer Teenagerin konfrontiert, eines jungen Mädchens aus scheinbar geordneten Verhältnissen. Ihre Eltern haben sie am Freitag zum letzten Mal gesehen, als sie zu einer Schulparty wollte. Nun ist Montag. Linden bekommt den Fall noch aufs Auge gedrückt. Und der entpuppt sich als wahres Wespennest.

Linden findet die Vermisste. Sie liegt im Kofferraum eines in einem kleinen See versenkten Autos. Der Wagen gehört zum Fuhrpark des Wahlkampfteams um Stadtrat Darren Richmond (Billy Campbell; "Rocketeer"), der als Bürgermeister von Seattle kandidiert - und gute Chancen hat, das auch zu werden.

Aber damit noch nicht genug. Rosie Larsen, so der Name des Mädchens, ist tot. Sie wurde ermordet. Linden und Holder beginnen zu ermitteln. Linden verschiebt mehrmals ihre Abreise nach Kalifornien, wo ihr Verlobter mit den Hochzeitsvorbereitungen auf sie wartet. Noch. Lindens 13 Jahre alter Sohn wird ebenfalls vernachlässigt.

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Stan, Rosies Vater, hat eine dunkle Vergangenheit. Aber macht ihn das zum Mörder seiner Tochter?

(Foto: Pandastorm)

Doch je tiefer die Linden und Holder in den Fall eintauchen, desto verschwommener wird er. Wie der ständig auf sie niederprasselnde Regen kommen immer neue Details um den Mord heraus, führen das ungleiche Ermittlerduo in immer neue dunklere Gassen der Stadt und in immer tiefere Abgründe der menschlichen Seelen, die dort hausen. Der Fall wird zum nervenaufreibenden Dauereinsatz, Katz- und Mausspiel und politische Intrigen inklusive. Als Linden endlich am Ziel scheint, erhält sie einen folgenschweren Anruf …

Drei Handlungsstränge, zwei Ermittler, ein Fall

Wer denkt, dass nach 13 Folgen und 560 Minuten Spielzeit die TV-Serie "The Killing" damit ein Ende hat und der Mordfall Rosie Larsen gelöst ist, irrt gewaltig. Vielmehr taucht ein fantastischer Cliffhanger für die zweite Staffel auf, die Anfang Oktober in die deutschen Heimkinos kommt. Vier Staffeln gibt es insgesamt.

"The Killing" ist das US-Remake der dänischen TV-Serie "Verbrechen", die hierzulande besser als "Komissarin Lund“ bekannt ist. Und da der US-Sender AMC das Remake produziert hat, sind Spannung und eine hochwertige Inszenierung garantiert. Auf AMCs Konto gehen etwa auch "Mad Men", "The Walking Dead" oder "Breaking Bad".

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Mitch, die Mutter von Rosie, zerbricht fast am Tod ihrer Tochter.

(Foto: Pandastorm)

Dass das Remake gelungen ist, liegt in erster Linie an den drei Erzählsträngen, die immer wieder zusammengeführt und gegebenenfalls getrennt werden: So bieten die Ermittler dem Zuschauer ihre Sicht der Dinge. Daneben erhält er aber auch Einblick in die Psyche einer Familie, die unter Schock und Verlustängsten steht und lernen muss, damit umzugehen, einen liebevollen Menschen viel zu früh verloren zu haben. Und auch die politische Seite wird beleuchtet, denn Rosies Tod zieht weitere Kreise, als man denkt - die Aufklärung des Mordfalls ist ein politisches Faustpfand in der Bürgermeisterwahl. Im Gezerre um die Macht kann man keine Rücksicht auf Gefühle nehmen - und schon gar nicht auf Tatverdächtige.

Ein Remake, das sich wirklich lohnt!

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"The Killing" ist bei Pandastorm auf Blu-ray und DVD erschienen.

(Foto: Pandastorm)

Steht zu Beginn der Ermittlungen etwa ein reicher Ex-Freund von Rosie unter Tatverdacht, ist es wenig später ein Lehrer, der pikanterweise muslimische Freunde hat. Auch Rosies Vater Stan (Brent Sexton; "Flightplan") ist kein unbeschriebenes Blatt, arbeitete er einst doch für einen polnischen Mafia-Clan, war spielsüchtig und überschuldet. Ein Freund der Familie und dessen schräges Verhältnis zu seiner Mutter beschäftigt Linden und Holder ebenso wie die Rolle Richmonds, denn er kannte Rosie persönlich. Ein dubioser Hostessenring, die Schwester von Rosies Mutter … immer wieder gelingt ein Twist.

Die starke Figurenzeichnung ist ein weiterer Pluspunkt der Serie. Während der Ermittlungsarbeit geraten Linden und Holder immer wieder aneinander, reiben sich verbal, geben nach und nach aber eigene Geheimnisse preis und lassen den Zuschauer so ein Bild von ihren Charakteren zeichnen - frei nach dem Motto "im Auge des anderen siehst du den Splitter, aber nicht den Balken im eigenen". Enos, Kinnaman, Sexton sowie Michelle Forbes, die Rosies Mutter und Stans Ehefrau Mitch mimt, sind es dann letzten Endes auch, deren Schauspielleistungen den Zuschauer neben dem Plot bei der Stange halten.

Man entwickelt Sympathien, fühlt mit Rosies Eltern mit, kann Stans Ausraster und seinen Rückfall in längst vergessen und abgehakt geglaubte Zeiten verstehen, als er erfährt, dass der Lehrer sein Mädchen umgebracht haben soll.

"The Killing" beginnt mit dem Verschwinden eines Teenagers und endet (Staffel 1) in einem politischen Intrigensumpf. Dazwischen liegen jede Menge Charakterzeichnungen, Twists und der nie aufzuhören scheinende Regen. Er ist es, der dem ganzen Fall und der Serie das passende Ambiente liefert. "The Killing" hätte in Los Angeles, im sonnenverwöhnten texanischen Hinterland oder in den Sümpfen Louisianas einfach nicht so funktioniert wie in Seattle. Schlaflose neuneinhalb Stunden sind garantiert.

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"The Killing, Staffel 2" (erscheint am 9. Oktober 2014), bei Amazon bestellen

Quelle: ntv.de