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"The Night Train" - nur Legende? Ab in die mörderische Unterwelt Moskaus

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Wegrennen? Besser wäre es.

(Foto: Tiberius)

Unter den Millionenmetropolen der Welt tobt das Leben. Es existieren Tausende Kilometer dunkler Schächte, Röhren und Tunnel - auch unterhalb Moskaus. Das regt die Fantasie von Horrorfilmregisseuren an. Einsteigen zur letzten Fahrt des "Night Train".

Wer einmal in Moskau war, muss mit der Metro, der U-Bahn, gefahren sein. Die Besonderheit des rund 350 Kilometer umfassenden Systems mit mehr als 220 Stationen sind ihre äußerst tief gelegenen Tunnel und Bahnhöfe. Letztere erinnern wegen ihrer Architektur an königliche Paläste. Milliarden Menschen nutzen sie jedes Jahr. Sie wurde in den 1930ern eröffnet und danach immer weiter ausgebaut und erweitert.

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Eine U-Bahn-Fahrt ist lustig, eine U-Bahn-Fahrt ist schön, ja da kann man was erleben, in "The Night Train" kann man das sehen.

(Foto: Tiberius)

Um die Metro ranken sich auch viele Legenden. Eine davon handelt vom schwarzen Lokomotivführer: Nach einem U-Bahn-Unfall rettete er viele Fahrgäste aus seinem brennenden Zug und kam dabei selbst ums Leben. Nach seinem Tod wurde ihm die Schuld an dem Unglück in die Schuhe geschoben, weshalb er nun als Rache suchender Geist in den Tunneln der Moskauer Unterwelt wandelt. Laut einer anderen Legende wurde unterhalb Moskaus ein Atomkraftwerk zur Stromversorgung errichtet, aufgrund der zu hohen Strahlungsentwicklung aber recht schnell wieder abgeschaltet. Das Gerücht von mutierten Ratten macht dennoch die Runde. Und dann gibt es natürlich noch die Deutschen, die nach dem Krieg zu Zehntausenden bei der Erweiterung der Metro ihr Leben gelassen haben - von ganz oben abgesegnet. Auch ihre Geister sollen ihr Unwesen unterhalb der Millionenmetropole treiben.

Wenn eine U-Bahn spurlos verschwindet

Dass bei all diesen Legenden und der schieren Größe der Metro ab und an ganze Züge verschwinden sollen, verwundert da erst einmal nicht. Dass solche Geschichten von der politischen Führung unter der Decke gehalten werden, auch nicht. Dascha (Ana Wasilewa) und Artjom (Roman Ewdokimow) sehen sich deshalb auf sich gestellt, um ihre Freunde wiederzufinden, denn sie saßen in einem Zug, der urplötzlich verschwunden ist, mitten in der Nacht.

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Der Tod könnte im Untergrund bereits hinter der nächsten Ecke lauern.

(Foto: Tiberius)

Die beiden haben ein Video, das das beweisen soll. Es zeigt den Bahnsteig an der Endhaltestelle. Bei den aussteigenden Gästen sind ihre Freunde nicht dabei. Dascha und Artjom waren bereits an der vorletzten Station ausgestiegen. Nach der Endhaltestelle fuhr die Bahn weiter - und tauchte nicht wieder auf. Und so wenden sich die beiden an Egor, einen erfahrenen Bergmann. Der kennt alle Legenden und begleitet sie hinunter in die Moskauer Unterwelt.

Derweil nehmen ein paar Passagiere des verschwundenen Zuges ihr Glück selbst in die Hand, darunter ein weiblicher Manga-Fan (samt funktionstüchtigem Schwert), ein chinesischer Geschäftsmann und eben die beiden Freunde von Dascha und Artjom. Sie alle hatten eine Durchsage des Zugführers noch gehört, dann schmatzende Geräusche und dann Ruhe - ehe aus dem Wagen vor ihnen menschliche Schreie das Dunkel und die Stille zerreißen.

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"The Night Train" ist bei Tiberius erschienen.

(Foto: Tiberius)

Nun streunen sie suchend durch die mäandernden, düsteren Tunnel und Gänge irgendwo tief unterhalb der vor menschlichem Leben pulsierenden Oberfläche der russischen Hauptstadt. Eine Chance auf Rettung haben sie freilich nicht, denn irgendetwas ist ihnen auf den Fersen, hat ihre Witterung aufgenommen. Etwas, auf das auch bald Dascha, Artjom und Egor treffen. Etwas, das hungrig ist und wütend.

"Urban Explorer" trifft Clive Barker

Filme dieser Art müsste es eigentlich viel häufiger geben. Jede Metropole weltweit, egal ob Westen oder Osten, verfügt unter der Erde noch einmal über eine ähnlich große "Stadt", bestehend aus Abwasserkanälen, U-Bahn-Tunneln oder Versorgungsschächten. Oft ist die unterirdische Stadt sogar größer als ihr oberirdisches Pendant aus Straßen, Häusern und Einkaufszentren. Doch das sich damit bietende nahezu unerschöpfliche Story-Reservoir für Horrorfilme liegt brach, wird kaum oder nur zureichend genutzt.

"The Night Train" ist deshalb ein Muss. Der Film des Regisseurs Tichon Konew, der auch das Drehbuch schrieb, weckt Erinnerungen an Clive Barkers "Midnight Meat Train" und den deutschen Horrorfilm "Urban Explorer", der das Thema Berliner Untergrund, Nazi-Bunker und globaler Hipster-Tourismus zu einem gelungenen Horroraufguss verrührte. "The Night Train" kommt dabei etwas ausgereifter um die düstere Ecke, was daran liegen dürfte, dass Konew sich als Autor mit "Fürst der Finsternis" und "Final Take-Off" bereits sehenswerte Meriten verdient hat.

Dass "The Night Train" am Ende mit knapp 80 Minuten eher kurz geraten ist, kommt dem Film auch zugute: Die Story kann nicht abschweifen und bei all den Legenden, die sich um die Moskauer Metro-Unterwelt ranken, bleibt eine Verzettelung somit aus. Was den Zug samt Passagiere letzten Endes heimgesucht hat und ob es Überlebende gab, bleibt hier unerwähnt - und dient so der weiteren Legendenbildung.

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Quelle: n-tv.de

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