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Wenn Tote wiederauferstehen "The Stranger" trägt den Virus in sich

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Martin ist krank.

(Foto: Tiberius)

Martin sucht nur seine Frau. Er hat sie 15 Jahre nicht gesehen, sie floh, als er sie schwanger verbrennen wollte. Nun hat er eine Spur, die ihn in eine Kleinstadt führt. Er muss Ana finden, denn sie könnte das Ende für die Menschheit bedeuten.

Das Fremde und Unbekannte übt eine große Anziehung nicht nur auf die Filmemacher des Horror-Genres aus. Nahezu jeder Mensch neigt bei einem Fremden, jemandem, den er zum ersten Mal sieht, der plötzlich in sein Leben tritt, zur Vorsicht. Man kennt ihn nicht. Man weiß nicht, warum er gerade jetzt auftaucht, kennt seine Beweggründe nicht. Vielleicht will er einem ja nichts Gutes. Vielleicht aber gerade das.

Als Martin (Cristobal Tapia Montt; "Feroz") in einer Kleinstadt plötzlich auftaucht und nach seiner verschwundenen Frau Ana (Lorenza Izzo; "Knock Knock") sucht, ahnt mancher Bewohner schon, dass mit diesem "Stranger" etwas nicht stimmt und er Unheil über die Stadt bringt. Als Martin erfährt, dass seine Frau tot ist, ist er hin- und hergerissen: Er hat sie abgöttisch geliebt. Er wusste aber auch, dass sie eine unheilbare, tödliche und hoch ansteckende Krankheit in sich trug. Ihr Tod mag für ihn schmerzvoll sein, für die Menschheit ist er aber eine Erlösung.

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Cristobal Tapia Montt - den Namen muss man sich merken - spielt Martin.

(Foto: Tiberius)

Martin kennt Anas Schicksal, denn er trägt den gleichen Virus in sich. Er wollte sie einst verbrennen, doch dann offenbarte sie ihm, dass sie schwanger sei. Sie nutzte den Überraschungseffekt, um zu fliehen. Als Martin nun vor Anas Grab steht, hat er innerlich bereits abgeschlossen. Wofür lohnt es sich denn noch zu leben?

Ein paar gewaltsuchende Jugendliche kommen da gerade recht. Sie pöbeln ihn an - und es dauert nicht lange, dann fliegen die Fäuste und Tritte hageln auf Martins Körper ein. Er wehrt sich nicht. Und so kommt, was kommen muss.

Wenn Tote wiederauferstehen

Der blonde Anführer der Schläger, Caleb (Ariel Levy; "Aftershock", "The Green Inferno") lässt nicht locker, bis Martins Lebenslicht erloschen ist. Dumm nur, dass die örtliche Polizei in der Nähe ist und von dem jungen Sprayer Peter (Nicolas Duran) alarmiert wird. Als der Polizist de Luca (Luis Gnecco; "Neruda") am Tatort eintrifft, erkennt er in dem Blonden seinen Sohn. Und so überrascht es nicht, dass die beiden versuchen, Martins Leiche verschwinden zu lassen. Peter ist entsetzt. Er flieht aus dem Streifenwagen, folgt ihm danach unauffällig.

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Peter rettet Martin das Leben und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

(Foto: Tiberius)

Als Martin im Wald verbuddelt ist, rettet Peter ihn. Gräbt ihn aus, bringt ihn zu sich nach Hause und stellt fest, dass der Unbekannte noch lebt - und darüber nicht sehr erfreut ist. Immer wieder faselt dieser etwas von "wegbleiben", "hochansteckend" und "Virus". Peter und seiner Mutter ist das zunächst egal, sie wollen ihn wieder auf die Beine und dann in Sicherheit bringen.

Als de Luca mitbekommt, dass die Leiche verschwunden ist, setzt er Himmel und Hölle in Bewegung, um Martin zu finden. Caleb macht sie direkt auf zu Peters Haus. Mit einem Molotow-Cocktail in der Hand und der Drohung, das Haus abzufackeln mit allem, was da drin sei, bringt er Peter dazu, herauszukommen. Dessen Mutter ahnt, dass das alles ein böses Ende nehmen wird.

Aber: Es brennt weder ihr Haus noch Peter - es ist Caleb, der in Flammen aufgeht. Der wiedergenesene Martin ist dafür verantwortlich und taucht danach unter. Nun kennt de Luca nur noch eines: Rache, so blutig wie möglich. Und wieder ist Peter derjenige, der ihm auf die Spur des Fremden führen soll - und wird.

Eli Roths glückliches Produzentenhändchen

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"The Stranger" ist bei Tiberius erschienen.

(Foto: Tiberius)

Es gibt Filme, die beeindrucken einen. Im Horror-Genre sind es meistens die, die ohne oder nur mit wenig Gewalt und Blut auskommen und dafür starke Charaktere auf den Zuschauer wirken lassen. Nun ist Eli Roth nicht gerade bekannt dafür, diese Filme zu drehen. Bis zu "Knock Knock", seinem erotischen Psychothrill-Geniestreich, stand sein Name eher für plakative Gewalt, Torture Porn und jede Menge vergossenes Blut. Die "Hostel"-Reihe und "Cabin Fever" sind der Beweis.

Roth polarisiert dadurch. Er ist wie die Band Smashing Pumpkins des Horrorfilms: Man mag ihn - oder nicht. Aber selbst wenn man ihn nicht super findet, muss man ihm eine Sache zugutehalten: Er kümmert sich um den Filmnachwuchs. Nach den erfolgreichen Überraschungshits "Hostel" und "Cabin Fever" gibt er sein Know-how auch immer mal gerne an den Regie-Nachwuchs weiter und produziert dessen Filmträume. Das kann dann verstören, wie bei "Clown", oder einen positiv ins Mark treffen, wie bei "The Stranger".

Hier führte Guillermo Amoedo Regie. Der Uruguayer ist kein Unbekannter im Roth'schen Filmuniversum, denn er schrieb bereits die Drehbücher für "Aftershock" und "Knock Knock". Beides alles andere als die typischen Roth-Torture-Porns. Und so wundert es nicht, dass eben auch "The Stranger" eher zu den ruhigeren Genre-Genossen zählt und viel Wert auf die Charaktere-Entwicklung gelegt wird.

Blutsauger mal ganz anders

Dass am Ende doch eine Menge Blut fließt, hat nur einen Grund: Martin ist ein Vampir. Der Virus, den er in sich trägt, zwingt ihn dazu, seinen Blutdurst stillen zu müssen. Und irgendwann hat man keine Lust mehr auf Katzen- oder Hundeblut. Der Virus ist aber nicht nur Fluch, sondern auch Segen: Martin kann mithilfe seines Blutes auch heilen. Peter kommt beispielsweise in den Genuss dieser Gabe. Er muss dann aber auch die Konsequenzen tragen.

Und so kann man als Zuschauer durchaus einen zweiten Film erwarten. Die Story und die herausragenden Darsteller, allen voran Cristobal Tapia Montt als Martin, haben dafür eine hervorragende Basis gelegt. Das Thema Fremde ist sowieso immer up to date.

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Quelle: n-tv.de

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