Unterhaltung
Dienstag, 20. Februar 2018

Übernatürliches, made in Korea: "The Wailing: Die Besessenen" sind los!

Von Thomas Badtke

Eine Welle der Gewalt sucht ein Dorf heim. Menschen sterben auf bestialische Weise. Die Schuld geben die Bewohner einem Einsiedler in einer Waldhütte - er ist Japaner. Doch das Böse hat viele Gesichter, wie der südkoreanische Cannes-Beitrag zeigt.

Südkorea steht derzeit ganz im Zeichen der Olympischen Winterspiele. In Pyeongchang treffen sich die Sportler dieser Welt, um ihre Besten zu küren. Aber was weiß man eigentlich über das Land im Süden der koreanischen Halbinsel?

Die Kurzform: 1910 nahmen die Japaner die Halbinsel ein, nach dem Zweiten Weltkrieg teilten die Siegermächte USA und Sowjetunion die Halbinsel unter sich auf: Der Norden gingen an die Sowjetunion, der Süden an die USA, die Grenze verlief entlang des 38. Breitengrades. Der Korea-Krieg folgt, an dessen Ende sich an der Grenzziehung nicht viel verändert hat. Und so blickt die Welt heute auf den kommunistischen, bitterarmen Norden und den kapitalistischen, hochentwickelten Süden - inklusive des Nordkorea-Konflikts um die Entwicklung von Atomwaffen.

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So viel dazu. Was nicht so viele wissen, aber wissen sollten: Südkorea ist ein absoluter Topplayer in der Welt der Filmindustrie: "Oldboy", "Snowpiercer", "Mother", "Durst", "I saw the Devil", "Lady Vengeance" oder "Train to Busan". Alles Klassiker oder oder mit Potenzial, einer zu werden. Und genau in diese Schublade gehört auch der nun bei Pierrot Le Fou erschienene "The Wailing: Die Besessenen".

Es kann immer noch dicker kommen

Im Mittelpunkt von Hong-jin Nas ("The Yellow Sea") Horrordrama steht der Dorfpolizist Jong-goo (Do-won Kwak). Der führt ein völlig normales Leben mit Frau und heranwachsender Tochter. Als es dann im Dorf jedoch wie aus heiterem Himmel zu brutalen Übergriffen und Morden kommt, ist Jong-goo gefordert. Einen Grund für das Ganze findet er zunächst nicht.

"The Wailing: Die Besessenen" wartet mit Tiefgang und Klamauk auf.
"The Wailing: Die Besessenen" wartet mit Tiefgang und Klamauk auf.

Und wo offenbar grundlos etwas passiert, kochen unweigerlich die Gerüchte hoch. Schnell machen die Dorfbewohner einen abgeschieden in einer Waldhütte hausenden Einsiedler aus, der für all das Unheil verantwortlich sein soll. Praktischerweise ist er auch noch Japaner und erst kurz vor der Gewalt- und Mordwelle hergezogen.

Als dann Jong-goos Tochter plötzlich erkrankt, spitzt sich die Lage zu. Der Polizist ist sich sicher, dass eine böse Macht von ihr Besitz ergriffen hat und vielleicht auch hinter all den schrecklichen Vorfällen steckt, die das Dorf heimsuchen. Ein Schamane soll Abhilfe schaffen, soll seine Tochter von dem Dämon befreien und am besten das Dorf gleich mit. Doch bei der Beschwörung geht etwas schief.

Hong jin Na: Yeah!

"The Wailing: Die Besessenen" ist bei Pierrot Le Fou auch als Mediabook erschienen.
"The Wailing: Die Besessenen" ist bei Pierrot Le Fou auch als Mediabook erschienen.

Keine Frage: "The Wailing: Die Besessenen" hat das Zeug, zum Klassiker zu werden wie "Oldboy", "Snowpiercer" oder auch "Train to Busan". Der Zuschauer schaut gebannt, was passiert - vom Beginn bis zum Ende des knapp 155-Minuten-Brechers. Der Plot startet gemächlich, nimmt mit der Gewaltwelle aber schnell Fahrt auf - wenn sich Familienmitglieder und Nachbarn gegenseitig an die Gurgel gehen.

Zum Ende hin gibt es dann einige Überraschungen für den Zuschauer, der sich zwischenzeitlich in einer Mischung aus "Akte X"-Fall und Polizei-Klamauk wähnt. Letzteres liegt daran, dass sich die Polizisten untereinander mit Kraftausdrücken beschimpfen, die schnell ins Lächerliche abdriften. Jong-goo wirklich ernst zu nehmen, fällt daher schwer. Aber in Südkorea ticken die Uhren halt anders.

Da geht man nach einem 12- bis 16-Stunden-Arbeitstag noch mit den Kollegen und dem Chef essen, dann trinken und zum Schluss "vergnügen", Prostituierte inklusive. Da werden Achtjährige von morgens 8 Uhr bis abends 8 Uhr mit "Kursen" fit gemacht für eine Zukunft, in der nur der Beste überlebt. Eine Kindheit wie in Deutschland? Undenkbar.

Erfrischend anspruchsvoll

All das ist Südkorea. Dass da die Filme auch etwas anders daherkommen als der klassische Hollywood-Dämonenhorror, ist die logische Folge: Da wäre beispielsweise das Dorf Jong-goos. Manchmal lebt der nächste Nachbar kilometerweit weg in unwirtlicher Gegend, manchmal in einer Enge direkt nebenan, die es nur in der asiatischen Welt zu geben scheint. Manchmal denkt der der Zuschauer, er sieht gerade einen Zombie-Film, dann einen Dämonen-Suspense-Horrorstreifen, dann ein Drama, dann einen billigen Klamauk.

Letzteres ist einer optischen Täuschung geschuldet, weil nicht ist, was nicht sein darf. Und immerhin wurde "The Wailing: Die Besessenen" in Cannes gefeiert, wie auch Hong-jin Nas "The Yellow Sea". Anspruchsvoll, sehenswert, irgendwie anders und deshalb erfrischend: Das alles ist "The Wailing: Die Besessenen". Wer das nicht mag, kann es für den Anfang ja noch mit den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang probieren.

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Quelle: n-tv.de