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"Red Letter Day" Töte deinen Nachbarn oder er tötet dich

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Töte oder du wirst getötet: Das ist die einzige Regel am "Red Letter Day".

(Foto: Tiberius)

Ein roter Brief ist in der Post. Der Inhalt: ein Foto mit einer Person aus der Nachbarschaft, eine Adresse und die Aufforderung, diesen Menschen zu töten - bevor er dich umbringt. Ein Scherz?, fragt sich die zweifache Mutter Melanie. Nein, blutiger Ernst. Sie greift zum Fleischermesser.

Ein ruhiger Vorort, nette Nachbarn - ein Neuanfang: Das ist genau das, was Melanie (Dawn Van; "Tom Stone") mit ihren beiden Teenie-Kindern Madison (Haley Foss; "Good Things") und Timothy (Kaeleb Zain Gartner) sucht. Weg von ihrem Ehemann, weg von allen Problemen. Ein kleines Häuschen mit Garten. Perfekt. Die Kleinfamilie lebt sich ein: Tim und Maddie kabbeln sich, wie es sich für Bruder und Schwester gehört, vor allem wenn die Schwester, gerade 19 Jahre alt, mit einem deutlich älteren Mann rummacht. Melanie lässt sie gewähren, ändern kann sie es sowieso nicht und Luther scheint auch recht nett zu sein.

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Ein Brief mit einem Foto, einer Adresse und einer simplen Aufforderung.

(Foto: Tiberius)

Idylle pur. Aber gerade als Melanie denkt, es könnte nicht schöner sein, landen drei rote Umschläge in ihrer Post: einer für sie, einer für Maddie und einer für Tim. Werbung? Gutscheine? Lotto? Melanie öffnet ihren - ein Schock. Der Inhalt des Briefs kann nur ein Scherz sein. Es muss ein Scherz sein:

"Wie sehr vertraust du der Welt jenseits deiner wohlgeformten Realität? Wie gut kennst du deine Freunde und Nachbarn jenseits ihrer vorgetäuschten Online-Persönlichkeit? Willkommen beim 'Red Letter Day'. Deine Anweisungen lauten wie folgt: Tote diese Person, bevor sie dich tötet! Die Person auf dem Foto wurde aufgrund der Analyse deine Onlineaktivität ausgewählt. Du wurdest mit einer Person in der Nähe deines Wohnortes gematcht, deren Einstellung mit deiner in Konflikt steht. Ihr wurde derselbe Brief mit deinem Foto und deiner Adresse geschickt. Waidmanns heil und viel Glück!"

Es lebe das Fleischermesser!

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Maddie macht ihren Brief auf - und verschwindet wortlos in ihrem Zimmer. Auch Tim öffnet seinen "Red Letter". Er kennt den Typen da auf dem Foto. Es ist ein schrulliger Mann, der immer mit seiner Katze Gassi geht, manchmal hat er sie an der Leine, manchmal trägt er sie. Wieso sollte Tim ihn umbringen? Melanie ruft die Polizei an, erklärt, was sie erhalten hat und mit welchem Inhalt. Die Polizei nimmt sie nicht ganz für voll: "Werden Sie derzeit bedroht?" "Nein, aber ...", sagt Melanie. "Wir schicken gegen 18 Uhr jemanden vorbei", unterbricht sie der Polizist. Es ist gerade halb zehn am Vormittag.

Melanie beschließt, ihre Freundin Alice zu besuchen. Sie ruft sie an und geht los. Tim macht sich zuvor aber an ihrer Tasche zu schaffen. Bei Alice angekommen, taucht plötzlich deren Mann Lewis auf. Nun eskaliert die Lage: Zum einen, weil Lewis ein mordslanges Fleischermesser aus Melanies Tasche zaubert - das war es, was Tim hineingeschmuggelt hat. Zum anderen, weil auf Melanies rotem Brief Alices Foto und Adresse steht. Lewis, ganz sorgender Familienvater, sieht rot. Nach einem verbalen Ausraster und einem anschließenden Handgemenge mit Fleischermesser liegt er blutend und röchelnd am Boden, während Melanie nach Worten der Entschuldigung und einer Erklärung für ihr Handeln sucht - und sich aus dem Staub macht. Hat sie Lewis getötet? Hat sie einen Menschen umgebracht?

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"Red Letter Day" erscheint am 5. März auf DVD und BD.

(Foto: Tiberius)

Melanie eilt zurück nach Hause. In ihrem Kopf existiert nur noch ein Gedanke: Maddie und Tim schnappen und raus aus der Stadt. Doch Maddie ist nicht zu Hause und Tim kämpft gerade mit dem Katzenmann ums nackte Überleben. Willkommen beim "Red Letter Day"!

"Purge" trifft "Desperate Housewives"

Die Idee des Films, der als Horrorkomödie beworben wird und mit dem Vergleich zu "Purge", ist einfach, aber wirkungsvoll: Nimm eine typische US-Kleinfamilie, das durchgeknallte Internet und schon ist die Kacke am Dampfen. Zu den roten Briefen bekennt sich eine Anarchistengruppe, die damit eine Revolution anzetteln will. Was ihr im Kleinformat auch gelingt, denn die Anonymität der Gegenwart spielt ihr in die Karten.

Früher kannte man seinen Nachbarn, nahm Päckchen an, wenn er nicht da war, goss vielleicht sogar die Blumen, wenn er in Urlaub war. Es gab Straßenfeste mit Spanferkel-Grill und Schlagermusik. Nettes Beisammensein also, wo jeder noch mit jedem direkt sprach und man sich wirklich kannte. Und heute? Da diktiert das Smartphone, wen man zu kennen glaubt und wen nicht. Ist der Nachbar nicht bei Facebook, existiert er nicht.

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Genau da setzt der Film "Red Letter Day" des Regisseurs Cameron Macgowan an. Und das Erschreckende dabei: Macgowan wählt nicht die eh schon anonyme Großstadt für seinen Plot, er lässt den Horror vielmehr dort los, wo man noch glaubt, sicher zu sein: in der Idylle eines kleinen heimeligen Vororts. Aber spätestens seit "Desperate Housewives" weiß man: Vorstadtidylle existiert nicht, sie ist nur Fassade.

"Red Letter Day" kommt also mit einer guten Filmidee daher, büßt aber durch maue Schauspielerleistungen und eine zu vorhersehbare Handlung wieder ein. An "Purge" reicht Macgowans kleines Gemetzel daher nicht heran, an "You're next" auch nicht. Aber das Ende des Films sorgt dann wieder für einen Pluspunkt. Die Frage ist nur: Wann bekommen Sie Ihren "Red Letter" zugestellt?

Quelle: ntv.de