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Action-Splatter im Retro-Chic "Turbo Kid" lässt "Mad Max" alt aussehen

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Kämpfer für das Gute: "Turbo Kid" punktet mit Action, Blut, Fantasie und Spaß - "made in the 1980s".

(Foto: Edel Germany)

Was kommt heraus, wenn ein Regisseur-Trio Fan der "Terminator"-Saga und der "Mad Max"-Klassiker ist ? Gleichzeitig aber auch auf die "BMX-Bande", Superhelden-Comics und den Style der 1980er steht? "Turbo Kid" - genial!

"Dies ist die Zukunft. Die Welt, wie wir sie kannten, gibt es nicht mehr. Saurer Regen hat den Boden verödet und das Wasser verseucht. Durch endlose Kriege verängstigt, kämpft die Menschheit darum zu überleben, in den Ruinen der alten Welt. Frierend, in einem nie endenden nuklearen Winter. Dies ist die Zukunft ..."

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"Turbo Kid" ist bei Edel Germany auf DVD und Blu-ray erschienen.

(Foto: Edel Germany)

Und in dieser Zukunft lebt "The Kid" (Munro Chambers; "Godsend"). Oder besser: Er haust in ihr. Sein Dasein verbringt er allein in der Ödnis. Er sammelt Schrott und alles sonst, was noch von Wert sein könnte und tauscht es dann gegen Essen, Wasser - und Comic-Hefte mit seinem Liebling "Turbo Rider". Wenn er Kassetten oder Batterien findet, behält er sie auch, denn er ist im Besitz eines Walkmans und damit lässt sich die Zeit prima vertreiben.

An Apple a day, …

Auf einer seiner Erkundungstouren durch die "Ruinen der alten Welt", immer auf seinem verdreckten BMX-Bike, stößt er eines Tages auf die wunderschöne Apple (Laurence Leboeuf; "Matchball für die Liebe"). Gewohnt, sich allein durchs Leben zu schlagen, will er mit der Platinblondine, die er auf einem Spielplatz voller verrosteter und zerstörter Klettergeräte, Schaukeln und Wippen trifft, nichts zu tun haben. Aber als das kleine Plappermaul ihm erzählt, dass sie ebenso allein ist, weil ihr letzter "Spielgefährte" bereits vor einiger Zeit gestorben ist - das passende Skelett liegt neben ihr -, erweicht Kids Herz und er nimmt Apple mit zu sich nach Hause.

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Apple bringt Kids Alltag durcheinander.

(Foto: Edel Germany)

Es dauert nicht lang und Apple stellt Kids trautes Heim auf den Kopf. Und noch schlimmer: Sie nervt ihn mit Fragen über Fragen. Aber Kid merkt auch, dass da irgendetwas zwischen ihnen ist. Etwas, dass er bisher nicht kannte oder empfunden hat. Zuneigung, Vertrautheit, vielleicht sogar Liebe? Ganz sicher ist er nicht. Noch nicht.

Kid lehrt Apple, wie man im Ödland überlebt. Er richtet ihr ein BMX-Bike her, sucht ihr einen passenden Helm und bastelt ihr eine Waffe für den Nahkampf, basierend auf einem Baseballschläger. Doch auf einer Erkundungstour treffen sie auf die Schergen des Ödland-Herrschers Zeus (Michael Ironside; "The Machinist", "Starship Troopers") - und Apple fällt ihnen in die Hände. Das ist ihr sicherer Tod, denn Zeus schickt alle seine Gefangenen erst in die Arena, wo sie um ihr Leben kämpfen müssen. Aber selbst wenn sie gewinnen, landen sie in seinem "Entsafter", einem Gerät, das aus Menschen das überlebenswichtige Wasser herauspresst.

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Blut fließt auch, ein wesentliches Element der Splatter-Action.

(Foto: Edel Germany)

Kid ist klar: Er muss Apple retten. Einen Verbündeten findet er in dem coolen Cowboy Fred (Aaron Jeffery; "McLeods Töchter", "Das Interview"), der erst seinen Bruder an Zeus und danach seinen rechten Arm an den einäugigen Bösewicht verloren hat. Gemeinsam machen Kid und Fred sich auf den Weg in Zeus' Reich - eine Reise, an deren Ende es um Leben und Tod gehen wird und um Freundschaft, Liebe und eine bessere Zukunft.

Die Zukunft liegt in der Vergangenheit

"Dies ist die Zukunft. Dies ist das Jahr 1997." Ja, die postapokalyptische Zukunft des "Turbo Kid" liegt in unserer Vergangenheit, denn der Film spielt im Jahr 1997. Entstanden ist er aber in unserer Gegenwart. Das verwirrt vielleicht.

Aber spätestens, wenn der in schrillen Metallic-Lettern aufflammende Titel-Schriftzug "Turbo Kid" über den Bildschirm flimmert, begleitet von Synthie-Klängen und weichgespültem Hardrock, weiß der Zuschauer, welche Zeit geschlagen hat: Es sind die 1980er, in der sich die Apokalypse ereignet hat. Das ist die Basis des Films - und genau das ist es auch, was den Streifen der drei Regisseure Francois Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell so speziell, außergewöhnlich und einzigartig macht.

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Skeletron: So muss ein wahrer Bösewicht aussehen.

(Foto: Edel Germany)

Da wäre etwa die Tatsache, dass sich alle auf BMX-Rädern fortbewegen, sowohl Helden als auch Bösewichte. Deren Aussehen erinnert dann aus eine Mischung aus "Mad Max", "Master of the Universe" und "Texas Chainsaw Massacre". Zeus' rechte Hand Skeletron (Edwin Wright; "King Kong") hat eine Rüstung aus Totenköpfen und als Waffen Sägeblätter. Mit tödlicher Geschwindigkeit abgeschossen, trennen sie alles ab, was ihnen in den Weg kommt: Köpfe, Arme, Hände. All das kann aber auch diversen Folterwerkzeugen zum Opfer fallen. Einige basieren wieder auf BMX-Rädern: So werden Gedärme über ein Tretlager langsam aus den menschlichen Körpern gezogen. Ja, in der Haut so manches Zeus-Gegners möchte man nicht stecken.

Es leben die 1980er!

Aber auch das ist guter alter 1980er-Style: "Turbo Kid" ist kein Kinderfilm, auch wenn einiges an den Klassiker "BMX-Bande" erinnert. Das Blut fließt reichlich. Die Splatter-Effekte sind wohlgesetzt und entfalten dadurch ihre volle Wirkung. Auch hier steht "Mad Max" Pate. Aber auch "Evil Dead" lässt grüßen.

Und dann wäre da noch die Tatsache, dass von Menschen erschaffene Roboter die Apokalypse ausgelöst haben und noch immer teilweise gegen die Menschheit kämpfen. Aber es gibt auch Maschinen, die ihnen helfen. Na, klingelt's da? "Terminator" lässt grüßen. Apple ist beispielsweise ein Roboter mit mehreren Leben, die sie anhand einer blinkenden Level-Anzeige ablesen kann. Zeus wiederum ist ebenfalls ein Roboter, aber einer derer, die sich gegen ihre Erschaffer gestellt haben.

Man muss sich "Turbo Kid" mehrmals anschauen, wenn man Fan oder ein Kind der 1980er-Jahre ist. Nahezu in jeder Einstellung, bei jeder Kamerafahrt oder in diversen Großaufnahmen erkennt man dann ein neues liebevolles Detail, das an diese Zeit erinnert. Bunte und schrille Töne konterkarieren dabei die graue Ödnis, die sie umgeben. Was am Ende bleibt, ist ein knapp 90-minütiger Wow-Effekt, verbunden mit einem nie enden wollenden Grinsen im Gesicht.

Alles richtig gemacht, würde ich da mal sagen! "Turbo Kid" ist Action-Splatter pur, verpackt in den wohltuenden Retro-Chic der 1980er-Jahre und eine Story um Freundschaft, Liebe und das auch in unserer Gegenwart geltende Motto, niemals aufzugeben und für seine Ideale einzutreten. Die 1980er sterben nie! Was will man mehr?

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Quelle: ntv.de