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"Suspiria": mehr als nur Horror Wenn Hexen im Deutschen Herbst tanzen

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"Suspiria" bietet schauspielerisch und tänzerisch Hochklassiges.

(Foto: Capelight)

Bei Tanzfilmen denkt man an "Dirty Dancing" oder "Flashdance". Leichte Unterhaltung. Wer es dramatisch und düster mag, greift zu "Black Swan". Aber es geht noch eine Stufe härter, dunkler, blutiger - und auch deutlich länger: "Suspiria".

Tanzfilme sind so eine Sache: Meist leicht verdauliche Kost für ein breiteres Publikum und deshalb auch an den Kinokassen erfolgreich: "Dirty Dancing", "Footloose", "Honey", "Flashdance", "Step up" liefern dafür die besten Beispiele. Aber es geht auch anders: düsterer, tiefgängiger, schwermütiger - kurz: Es gibt auch Tanzfilme, die keine leichte Kost sind. Zuletzt sorgte "Black Swan", Oscar-prämiert, von Darren Aronofsky für Aufsehen. Vor mehr als 40 Jahren gelang das auch Dario Argento mit "Suspiria". Die Neuverfilmung von Luca Guadagnino ("Call me by your Name") erscheint jetzt für das Heimkino. Und wie schon beim Original gilt: "Suspiria" ist alles andere als seichte Unterhaltung.

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"Suspiria" (Capelight) ist seit dem 4. April im Handel.

(Foto: Capelight)

Guadagninos Film hält sich eng an das Original und spielt in den unruhigen Zeiten des Deutschen Herbstes in den 1970er-Jahren. Die RAF verbreitet Angst und Schrecken in der westdeutschen Bevölkerung. Arbeitgeberpräsident Hans-Martin Schleyer wird entführt, das Passagierflugzeug "Landshut" ist ebenfalls in der Hand linker Terroristen. Genau zu dieser Zeit kommt Susie (Dakota Johnson; "Fifty Shades of Grey") aus den USA nach Berlin, um ihren Traum zu verwirklichen, eine große Tänzerin zu werden.

Das Böse lauert unter der Tanzfläche

Susie will sich bei der bekannten Markos-Akademie einschreiben und tanzt vor. Die künstlerische Leiterin und Ballettmeisterin Madame Blanc (Tilda Swinton ("A Bigger Splash", "Snowpiercer") erkennt Susies Talent. Und es dauert nicht lange, bis sie ihre erste große Hauptrolle bekommt: ein aufgehender Stern am Berliner Tanzhimmel.

Allerdings hütet die Markos-Akademie auch ein dunkles Geheimnis, dem Tanzschülerin Patricia (Chloe Grace Moretz; "Carrie") auf der Spur ist. Sie fühlt sich beobachtet, verfolgt und hat Angst. Als sie das dem seinerseits geheimnisvollen Dr. Klempner beichtet, glaubt dieser ihr nicht. Kurz darauf ist Patricia wie vom Erdboden verschluckt. Auch deshalb hat Susie bei den Leiterinnen der Akademie leichtes Spiel, aufgenommen zu werden und eine Rolle im neuen Stück "Volk" zu bekommen.

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Tilda Swinton: teuflisch gut.

(Foto: Capelight)

Erst nach dem Verschwinden Patricias wird Dr. Klempner hellhörig und stellt eigene Nachforschungen an. Auch im Tanzensemble gibt es skeptische Gemüter: Sara (Mia Goth; "The Survivalist") etwa gehört etwa zu ihnen, sie beginnt an die Gerüchte über dunkle Mächte und Hexenkräfte in der Akademie und um sie herum zu glauben. Doch von außen wahrt die Akademie Markos ihren trügerischen Schein - bis es bei der Aufführung des neuen Stücks "Volk" zu einem tragischen Zwischenfall kommt.

Hexensabbat auf der Tanzfläche

Wer aber als Zuschauer von "Suspiria" denkt, dass damit der Schlussakkord, das große Finale eingeläutet ist, täuscht sich gewaltig. Guadagninos Film hat zu diesem Zeitpunkt erst etwa 100 Minuten hinter sich - bei einer Gesamtlänge von rund 150 Minuten. Das ist ein Punkt, weshalb das Remake, wie auch das Original, keine einfache Kost sind. Der Film hat seine Längen.

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"Suspiria": grotesk schön.

(Foto: Capelight)

"Suspiria" ist aber auch ein wunderbar suspekter Horrorfilm, dessen Liebe zum Detail nur noch von den herausragenden Schauspielerleistungen übertroffen wird. Und hey, es gibt auch Ausweidungen, Blut und gebrochene Knochen sowie angstverzerrte Gesichter, grotesken Masken aus der Hölle nicht unähnlich. Der eine oder andere Twist und Überraschungen in der Figurenzeichnung wirken belebend.

Am Ende verbindet "Suspiria" die Genres Tanzfilm und Horror perfekt und stellt ein gelungenes Duett aus "Black Swan" und Rob Zombies "The Lords of Salem" dar - schlussendlich eben keine leichte Kost.

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Quelle: n-tv.de

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