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Diese Bullen sind Schweine! "Wir waren Könige": Abgründe einer SEK-Einheit

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Einfach mal abdrücken, Fragen werden später gestellt.

(Foto: Universum)

Sinnlose Polizeigewalt ist nicht nur in den USA ein heiß diskutiertes Thema. Auch in Deutschland gibt es schwarze Schafe - oder vielmehr Wölfe im Schafspelz. Rohe Gewalt bis hin zu kaltblütigem Mord, alles ist möglich, wenn man ein König ist.

"Wir siegen" - diese zwei Worte sind ein Motto. Sie prangen unter dem Gemälde eines Wolfskopfs mit blutroten Augen im Büro von Harthmann (Thomas Thieme; "Das Leben der Anderen", "Der Baader-Meinhof-Komplex"). Er ist der SEK-Chef in einer namenlosen deutschen Großstadt. Bandenkriminalität, Prügeleien, Überfälle und Drogenhandel stehen auf der Tagesordnung - und das SEK muss immer wieder als Regulativ eingreifen, für Ruhe, Ordnung und Gesetz sorgen. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen dabei immer mehr. Harthmann zieht die Fäden im Hintergrund. Er hat Verbindungen nach ganz oben.

"Wir sind das, was ihr am Computer spielt" schreien große Lettern von einem Zettel an der Wand des SEK-Besprechungsraumes einem entgegen. Wenn man in die entschlossen und finster dreinblickenden Gesichter der beiden Gruppenleiter Kevin (Ronald Zehrfeld; "Zwischen Welten", "Barbara") und Mendes (Misel Maticevic) blickt, weiß man sofort: Bekommt man es mit ihnen zu tun, ist es egal, wie oft man "GTA" oder "Halo" auch gespielt haben mag, man wird den Kürzeren ziehen. Aufgeben kennen sie nicht. Verlieren können sie schon gleich gar nicht. Aber dann geht ein Routineeinsatz schief.

Eine Wohnung. Babyschreie.  Eine Frau kreischt. Ein Mann sorgt mit mächtiger Stimme für Ruhe. Das normale Leben in einem Großstadt-Plattenbau, wie es scheint. Doch die Wohnung dient drei Kriminellen als Hauptquartier. Und vor der Wohnungstür macht sich gerade Kevins und Mendes' SEK-Einheit bereit zur Stürmung. Doch statt eines schnell und sauber durchgezogenen Routineeinsatzes endet die Stürmung in einem Desaster. Zwei Kriminelle sterben, ein SEK-Mitglied wird lebensgefährlich verletzt.

All cops are bastards

Vor dem Haus kochen nach dem Einsatz die Gefühle der Beteiligten hoch. Die Luft ist adrenalingeschwängert. Worte fliegen, Fäuste auch. Der Einzelne ist nichts, das Team ist alles? Davon ist hier nichts mehr zu spüren. Die SEK-Einheit ist längst keine verschworene Gemeinschaft mehr. Kevin weiß das, er kennt den Grund: Immer wieder biegen einzelne Mitglieder der Gruppe das Gesetz so, wie sie es brauchen - wie sie es für richtig halten. Wie Könige eben machen sie, was sie wollen, denn das Gesetz scheint für sie nicht mehr zu gelten.

Zusätzlicher Druck kommt von oben. Das Innenministerium will sparen, Kevins und Mendes' Einheit steht auf dem Prüfstand. Harthmann hält zwar noch die schützende Hand über sie, aber er macht ihnen auch unmissverständlich klar, dass er sie jederzeit wegziehen könnte. Und genau jetzt geraten zwei Jugendbanden aneinander.

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Jacek ist leicht erregbar und dann gewalttätig.

(Foto: Universum)

Thorsten (Tilman Strauss) und Jacek (Frederick Lau; "Tod den Hippies! Es lebe der Punk", "Victoria"), die beiden Anführer waren sich noch nie grün. Aber Thorsten scheint geläutert, er saß schon im Knast, nun will er es ruhiger angehen lassen - auch seiner Freundin zuliebe. Sein einziges Problem heißt Nasim (Mohammed Issa). Der Junge versucht mit allen Mitteln, die Zuneigung und Anerkennung Thorstens zu gewinnen. Ungewollt spielt er dabei die beiden Gangs gegeneinander aus. Blut fließt, Polizisten sterben. Es kommt zum Showdown zwischen Thorsten und Jacek, Nasim ist mittendrin. Und die SEK-Truppe? Ihr kommt eine schlagende wie tragende Rolle bei der Auseinandersetzung zu, die Teil einer viel größeren Verschwörung zu sein scheint. Am Ende muss sich jeder SEK-ler fragen: Wie weit würdest du für die Beibehaltung des Status quo gehen? Würdest du dafür morden?

Ein Film wie ein Schlag in die Magengrube

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"Wir waren Könige" ist bei Universum auf DVD und Blu-ray erschienen.

(Foto: Universum)

Es ist harter Tobak, den Drehbuchautor Regisseur Philipp Leinemann mit "Wir waren Könige" für die große Kinoleinwand produziert hat. Der Film geht da weiter, wo viele "Tatorte" aufhören, wo sie sich nicht wagen, tiefer zu bohren. "Wir waren Könige" deckt schonungslos offen und ungeschönt die Situation der Polizei in diesem Land auf, die zwischen Sparzwängen und steigender Kriminalität gefangen scheint - ohne Ausweg auf Besserung.

Es dauert lange, bis man als Zuschauer einen Sympathieträger in dem Film gefunden hat. Die Rolle des kleinen Nasim ist doppeldeutig ausgelegt. Das erschwert die Sache. Thorsten drückt man die Daumen, dass er doch noch den Absprung schafft. Am Ende hält man es wohl mit Kevin. Warum, bleibt hier offen.

Es sind aber vor allem die Bösewichte, die gefallen.  Allen voran der opportunistische Harthmann, der auf seinem Weg nach oben über Leichen geht. Eine Paraderolle für den Thüringer Charakterkopf Thieme. Auch die innere Zerrissenheit Mendes' kommt an. Er scheint an der Lage, in der er sich offenbar ziellos hineinmanövriert hat, zu zerbrechen. Und auch Kevin hat seine dunklen Momente.

Sie alle machen "Wir waren Könige" zu einem bösen Film, einem bitterbösen. Zu etwas, das man nicht erwartet, in einer deutschen Produktion vorzufinden. Krimi ja, Gangsterfilm okay, aber einen teilweise vor Gewalt strotzenden Actionthriller mit Tiefgang? Das sucht man bisher vergebens. Suchte. "Wir waren Könige" ist das alles, und das erschreckende dabei: Er könnte Realität sein, der Fall eines Bundespolizisten in Hannover beweist das.

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Quelle: n-tv.de

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