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Buchverbrennung im Web-Zeitalter "Fahrenheit 451": Wehret den Anfängen!

Geschichte wiederholt sich, wie es heißt. Bücherverbrennungen gab es in der NS-Zeit. Im Film "Fahrenheit 451" gibt es sie auch. Er spielt aber nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft. Eine Zukunft, die Gegenwart werden könnte.

Bücher bedeuten Macht. Ihre Inhalte sind es, die den Menschen zu dem machen, was er ist: ein denkendes Individuum. Für diktatorische Systeme sind Bücher deshalb gefährlich. Ohne sie, ohne das in ihnen festgehaltene Wissen ist die Gleichschaltung der Massen sehr viel einfacher möglich. Die Bücherverbrennungen durch die Nazis sind ein Beispiel dafür. "Fahrenheit 451" greift genau diesen Aspekt auf und verarbeitet ihn zu einem sehenswerten dystopischen Film, der zum Nachdenken anregt.

Remake, aber hochaktuell

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"Fahrenheit 451" (Warner Home) erscheint am 4. Oktober auf DVD und BD.

(Foto: Warner Home)

Der Film spielt in einer nahen Zukunft, sehr nah, könnte man meinen. Bücher zu besitzen oder nur in ihnen zu lesen, ist strengstens verboten. Die herrschende Klasse will es so. Das Buch an sich steht vor der totalen Ausrottung. Es gibt keinen Zugang zum Internet für die breite Öffentlichkeit. Die Maxime der Oberen: Wissen ist Macht - wer nichts weiß, ist machtlos.

Für die Auslöschung der Bücher und auch derer, die sie besitzen oder gar in ihnen lesen, ist die sogenannte Feuerwehr zuständig. Zu ihr gehören auch Guy Montag (Michael B. Jordan; "Black Panther") und dessen Vorgesetzter Captain Beatty (Michael Shannon; "Take Shelter", "Shape of Water"). Beatty hat Montag einst unter seine Fittiche genommen, ihn über Jahre hinweg aufgebaut, indoktriniert: Montag soll sein Nachfolger an der Spitze der Feuerwehr werden.

Montags Weg scheint damit vorgezeichnet. Er stellt keine Fragen, führt seine Aufträge ohne zu murren aus. Etwas hinterfragen? Warum? Die Verdummungsmaschinerie der herrschenden Klasse wirkt bei ihm, wie auch bei Millionen ahnungslosen anderen. Montag gehört zur tumben Masse, schwimmt mit dem Strom. Dass er mit seinem Job dem Machterhalt der Oberen dient, kommt ihm nicht in den Sinn. Zunächst.

Einige verstörende Erlebnisse später hat sich das geändert. Montags perfekt erscheinende Realität hat Risse bekommen. Kleine zunächst, aber sie werden größer. Plötzlich fallen ihm Dinge auf, für die er zuvor völlig blind gewesen zu sein scheint. Er spricht mit anderen Zweiflern, die in ihm die Faszination für Bücher und damit auch für Wissen wecken. Und plötzlich hat Montag ein Problem, eines, das sein Leben bedroht: Ihm selbst droht die Auslöschung.

Eine Warnung an alle

*Datenschutz

Zugegeben: Der Stoff ist nicht neu. Francois Truffaut brachte "Fahrenheit 451" (bei dieser Temperatur fängt Papier an zu brennen) bereits 1966 heraus. Damals erschien der Inhalt als pure Science Fiction, die an George Orwells "1984" erinnert. Heute siedelt Bahrani den Plot seiner gleichnamigen Neuauflage zwar auch in der Zukunft an, aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass diese Zukunft fast schon Gegenwart sein könnte: In Deutschland erstarken die Rechten, rufen Erinnerungen an das Dritte Reich wach, das immer mehr nur noch aus Büchern kennen, denn es gibt immer weniger Zeitzeugen.

Gäbe es diese Bücher nicht mehr, wäre das Vergessen einfacher, das Verdrängen leichter und damit auch die Chance, dass sich Geschichte wiederholt. Aber es gibt doch das Internet! Richtig. Aber auch das ist korrumpierbar und könnte vom Netz genommen werden. So unwahrscheinlich das heute klingen mag, es ist in einer dystopischen Zukunft genauso möglich wie das völlige Verschwinden der Bücher. Der Mensch selbst arbeitet daran: Journalistische Texte werden immer kürzer, weil auf Smartphone getrimmt. Oft werden nur die Überschriften gelesen, nicht die sich dahinter verbergenden Storys. Inhalte werden so verkürzt, das Abstumpfen gegenüber bestimmten Themen vereinfacht. "Fahrenheit 451" zeigt, wo so etwas enden kann. Wehret den Anfängen!

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

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